Protest in Kiel

Studenten wollen mehr Geld für Hochschul-Jobs

Studenten wollen mehr Geld für Hochschul-Jobs

Studenten wollen mehr Geld für Hochschul-Jobs

Frank Jung/shz.de
Kiel
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Studentische Hilfskräfte bieten auch an den norddeutschen Hochschulen oftmals Tutorien als Unterfütterung von Vorlesungen an - und fühlen sich zu schlecht für ihre Arbeit entlohnt. Foto: Sebastian Gollnow

Wer neben dem Studium an einem Lehrstuhl arbeitet, erhält oft nur zehn Euro pro Stunde. Für Betroffene ein Anlass zum Protest.

Sie sind nach außen vielfach unsichtbare „Ameisen“, die das Räderwerk des Hochschulalltags am Laufen halten: die 3733 studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräfte an den neun Hochschulen des Landes. Sie verlangen mehr Geld: Vor dem Kieler Finanzministerium demonstriert am Mittwoch eine Corona-bedingt verkleinerte Abordnung der Betroffenen für eine Entlohnung nach Tarifvertrag.

Eine soeben veröffentlichte Antwort des Bildungsministeriums auf eine Kleine Anfrage des hochschulpolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion, Heiner Dunckel, hat ergeben: Studentische Hilfskräfte ohne Bachelor erhalten durchschnittlich zehn, solche mit elf Euro pro Stunde. 2480 Personen gehören einer der beiden Gruppen an. Die 1253 wissenschaftlichen Hilfskräfte verfügen über einen Master-Abschluss. Ihre Arbeit wird laut Ministerium zumindest an einem Teil der Hochschulen mit knapp 13 Euro vergütet.

Tutorien, Bibliotheks-Service, Technisches Knowhow in Rechenzentren

„Ich wundere mich, wo der Durchschnitt zehn Euro herkommt“, sagt Dunckel. Er war einst Professor an der Flensburger Europa-Universität. „Ich kenne viele Hilfskräfte, die nur neun oder 9,20 Euro bekommen.“ Das liegt noch unter dem Mindestlohn für regulär Beschäftigte, den das Land für Auftragsvergaben festgelegt hat. „Ein Großteil der Lehre an den Hochschulen würde ohne die Hilfskräfte gar nicht funktionieren“, sagt Dunckel. „Zum Beispiel veranstalten sie viele Tutorien als Unterfütterung von Vorlesungen. Auch in den Rechenzentren nehmen die Hilfskräfte wichtige Aufgaben wahr. Und ohne ihren Einsatz wären die Öffnungszeiten von Bibliotheken nicht im bisherigen Ausmaß aufrecht zu erhalten.“

Das heißt im Klartext: Bis du nett, kriegst du noch einen weiteren Vertrag. Bist du es nicht, dann nicht.

Heiner Dunckel, hochschulpolitischer Sprecher der SPD im Landtag

Problematisch findet der SPD-Politiker auch, dass die Arbeitsverträge der Hilfskräfte meistens auf drei Monate befristet sind. „Das führt zu Abhängigkeitsstrukturen“, beobachtet Dunckel. „Das heißt im Klartext: Bis du nett, kriegst du noch einen weiteren Vertrag. Bist du es nicht, dann nicht.“ Deshalb findet er den Ruf der Betroffenen nach einem Tarifvertrag inklusive Mitbestimmungsrechten angebracht.

Ruf nach 13 Euro für alle Gruppen unabhängig vom Abschluss

Die Demo in Kiel ist Teil einer bundesweiten Aktion namens „TVStud“ (TV wie Tarifvertrag). Ann-Kathrin Hoffmann, Sprecherin für Schleswig-Holstein, schlägt vor, den Stundensatz von 13 Euro für die wissenschaftlichen auch auf die studentischen Hilfskräfte anzuwenden. „Die Tätigkeiten beider Gruppen sind häufig dieselben“, sagt sie zur Begründung. Hoffmann ist wissenschaftliche Hilfskraft an der Uni in Flensburg. In der Pandemie sei die Rolle der Hilfskräfte durch das Organisieren digitaler Lehrformate noch gestiegen. Überhaupt findet sie die Bezeichnung „Hilfskraft“ „irreführend“: „Damit werden wir in eine abseitige Rolle gesteckt. Das trifft nicht zu. Auch der akademische Mittelbau gibt viele Aufgaben an uns runter.“

Rein für die studentischen Hilfskräfte steht Berlin bundesweit mit einem Stundensatz von 12,68 Euro an der Spitze. „Das wäre auch für Schleswig-Holstein ein guter Anfang“, findet Bernd Schauer, Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung & Wissenschaft (GEW). Sie unterstützt die Kampagne „TVStud“ im Land wie im Bund. „Die Bezahlung darf zumindest nicht so abschreckend sein, dass die Leute lieber kellnern gehen“, glaubt Schauer. „Nichts gegen Kellnern – aber es geht ja auch darum, mit diesen Jobs guten Nachwuchs für wissenschaftliche Karrieren zu rekrutieren.“

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