Geschichte

175 Jahre: Aufstand gegen Dänemark als „deutsche Demokratiegeschichte“

175 Jahre: Aufstand gegen Dänemark als „deutsche Demokratiegeschichte“

Aufstand gegen Dänemark als „deutsche Demokratiegeschichte“

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Rendsburg/Rendsborg
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Daniel Günther
Ministerpräsident Daniel Günther bei seiner Rede anläßlich des Festaktes „175 Jahre Erhebung“ der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte am 25. März 2023 im Bürgersaal des Hohen Arsenals in Rendsburg. Foto: GSHG/Werner Junge

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Ein Ministerpräsident, ein Generalkonsul und mehrere Historiker erinnerten in Rendsburg an einen großen Moment der schleswig-holsteinischen und der deutsch-dänischen Geschichte.

Schleswig-Holstein als eigenständiger Staat – und das gleich mit einer der liberalsten Verfassungen ganz Europas: Das war das Ziel der „Schleswig-Holsteinischen Erhebung“ im März 1848. Am Wochenende wurde in Rendsburg, einem Zentrum der damaligen Ereignisse, daran erinnert.

Am Ende gab es nur noch wenig freie Stühle im Bürgersaal des „Hohen Arsenals“. Mehr als 230 Gäste waren auf Einladung der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte (GSHG) gekommen, um am Sonnabend an den Beginn der Erhebung gegen den dänischen Gesamtstaat vor 175 Jahren zu erinnern.

Ministerpräsident Daniel Günther würdige die Ereignisse laut Pressemitteilung der GSHHG als ein Stück „deutscher Demokratie-Geschichte“. In nur wenigen Wochen sei die erste, von einer demokratischen Volksversammlung erarbeitete und beschlossene, deutsche Verfassung zustande gekommen.

Die Erhebung steht in Dänemark als oprør – also Aufruhr – in den Geschichtsbüchern.

Schleswig-Holsteinische Erhebung

  • Die Schleswig-Holsteinische Erhebung war ein von den meisten Staaten des Deutschen Bundes unterstützter Konflikt der deutschen Nationalbewegung in den Herzogtümern Schleswig und Holstein mit dem Königreich Dänemark.

 

  • Sie dauerte von 1848 bis 1851 und gipfelte im Krieg mit Dänemark. Die in den Herzogtümern gebildete provisorische schleswig-holsteinische Regierung wurde nur von wenigen Staaten außerhalb des Deutschen Bundes anerkannt.

 

  • Die Erhebung vom März 1848 wurde zum „Ersten Schleswig-Holsteinischen Krieg“; der Deutsch-Dänische Krieg von 1864 mit der berühmten Schlacht an den Düppeler Schanzen (Dybbøl Banke) wird deswegen auch als „Zweiter Schleswig-Holsteinischer Krieg“ bezeichnet.

    Quelle: Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte Foto: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek / Landesgeschichtliche Sammlung

Der dänische Generalkonsul in Flensburg, Kim Andersen, erinnerte in seinem Grußwort daran. Er lobte die Entwicklung und das heute für Europa vorbildliche Zusammenleben von Mehr- und Minderheiten.

Historiker: Keine Revolution von unten

Oliver Auge von der Christian-Albrechts-Universität in Kiel stellte die Erhebung 1848 in seinem Festvortrag in einen europäischen Rahmen. Überall sei es darum gegangen, Nationalstaaten zu schaffen und Demokratien zu etablieren. Bei dem Protest habe es sich weniger um eine Revolution von unten gehandelt, sondern sei hauptsächlich durch Intellektuelle getragen worden, die zu viele und zu hehre Ziel gehabt hätten. Die Erhebung in Schleswig-Holstein – so das Fazit von Auge – sei am Ende auch deshalb gescheitert, weil es ein europäisches Ereignis war.

Der GSHG-Vorsitzende Thomas Steensen erinnerte daran, dass mit der „provisorischen Regierung“ erstmals Presse-, Meinung-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit festgeschrieben wurden. Das Staatsgrundgesetz vom September 1848 gelte als die fortschrittlichste demokratische Verfassung ihrer Zeit. 

„Hier begann alles vor 175 Jahren“: Jens Ahlers zeigte die geschichtsträchtigen Orte auf dem Rendsburger Vorwerk. Foto: GSHG/Werner Junge

Den Festakt im Bürgersaal des Hohen Arsenals umrahmte der Rendsburger Männerchor von 1842. Er lud zu einer musikalischen Reise in die Erhebungszeit ein. Jens Ahlers und Detlev Kraack führten vor und nach dem Festakt rund um den Rendsburger Paradeplatz zu Erinnerungsorten des Beginns der schleswig-holsteinischen Erhebung von 1848. 

 

 

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