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Marode Züge vertreiben Passagiere

Marode Züge vertreiben Passagiere

Marode Züge vertreiben Passagiere

Kopenhagen
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Die IC3-Züge sind nicht mehr die neuesten. Sie wurden zwischen 1989 und 1998 gebaut. Foto: Volker Heesch

Währende die Eisenbahn in den Nachbarländern vermehrt Zuspruch genießt, sind die Passagierzahlen in Dänemark rückläufig.

Die Züge sind marode, und die nötigen Investitionen in das Schienennetz kommen spät. Das geht aus dem Bericht „Serviceeftersyn af jernbanen“ hervor, den das Transportministerium ausgearbeitet hat.

Dies führt wiederum dazu, dass immer weniger Menschen die Bahn nutzen, schreibt „Jyllands-Posten“.

Die Eisenbahn ist in einem so kritischen Zustand, dass sie in den Respirator muss.

Anne Valentina Berthelsen (SF)

Eine Entwicklung, die in den Nachbarländern völlig anders aussieht. Sowohl Deutschland als auch Schweden, Norwegen und Großbritannien verzeichnen seit 2010 Zuwächse bei den Passagierzahlen von 20 bis 30 Prozent.

Venstre und die Sozialistische Volkspartei, SF, fordern, dass gehandelt wird.

„Die Eisenbahn ist in einem so kritischen Zustand, dass sie in den Respirator muss. Wir müssen die Bahn retten und untersuchen, ob mehr Mittel nötig sind“, sagte die Transportsprecherin von SF, Anne Valentina Berthelsen, zu „Jyllands-Posten“.

Bodenloses Loch?

Tatsache ist jedoch, dass durchaus Gelder in die Bahn geflossen sind. Laut einer Antwort von Transportminister Benny Engelbrecht (Soz.) auf eine Anfrage von Kristian Pihl Lorentzen (Venstre) sind seit 2009 132 Milliarden Kronen in die Eisenbahn geflossen.

Hiervon gingen jedoch nur knapp 30 Milliarden Kronen tatsächlich in Neuinvestitionen.

„Es sieht so aus, als hätten wir Geld in ein bodenloses Loch geschüttet. Der Bericht des Ministeriums zeigt, dass irgendetwas völlig schiefläuft“, sagt er zu „Jyllands-Posten“.

„Wir brauchen eine gründliche Untersuchung darüber, wohin das Geld verschwindet.“

Laut dem Bericht des Ministeriums ist es unter anderem der fehlgeschlagene Kauf der IC4-Züge, der bedeutet, dass heute alte Waggons durchs Land fahren.

Ein weiterer Faktor ist die Tatsache, dass sowohl die Elektrifizierung als auch der Einsatz eines neuen Signalsystems verspätet sind. Letzteres ist eine Voraussetzung dafür, dass die Züge mit höherer Geschwindigkeit und größerer Präzision rollen können.

Hoffnung auf Besserung

Pihl Lorentzen hat am Mittwoch mehrere Fragen an den Transportminister gerichtet.

Dieser gesteht ein, dass es erhebliche Probleme gibt. Doch hat er Hoffnung, dass die Elektrifizierung, neue Signale und der Kauf neuer elektrischer Züge das Ruder herumreißen können.

„Wir brauchen neue Züge, denn das verdient die Bevölkerung im 21. Jahrhundert“, sagt Engelbrecht in der Fragestunde.

„Elektrifizierung, neue Signale und neue Züge gehören unlöslich zusammen. Wenn diese Investitionen durchgeführt worden sind, werden wir eine moderne Bahn haben, die nicht mehr so marode erscheint.“

Verspätungen durch Gleisbau

Aber auch wenn jetzt gehandelt wird, so werden die Bahnpassagiere noch mehrere Jahre mit Unannehmlichkeiten leben müssen. Laut „Serviceeftersyn“ werden nämlich die vielen gleichzeitigen Projekte ihrerseits zu Verspätungen und Schienenersatzverkehr führen.

„Während die Arbeiten ausgeführt werden, wird dies Folgen für die Abwicklung des Verkehrs haben. Das wird unumgänglich die Bahnfahrt für Passagiere beeinträchtigen sowie Konsequenzen für den Güterverkehr haben“, heißt es in dem Bericht.

„Wir werden für einige Jahre eine geringere Pünktlichkeit hinnehmen müssen“, räumt auch der Transportminister ein.

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