Krieg in Europa

Frederiksen an die Menschen in der Ukraine: „Ihr habt unseren tiefsten Respekt“

Frederiksen an die Menschen in der Ukraine: „Ihr habt unseren tiefsten Respekt“

Frederiksen: „Eiserner Wille eines freien Volkes“

cvt
Kopenhagen
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Mette Frederiksen bei ihrer Ansprache an das ukrainische Parlament am Dienstag (Bildschirmfoto) Foto: Statsministeriet/Ritzau Scanpix

Mangelhafte Minderheitenrechte und Korruption sind nur zwei der Probleme, die den Beitritt der Ukraine zur EU verzögern dürften. Dennoch sendet auch Dänemarks Regierungschefin das deutliche Signal, die Kandidatur zu unterstützen. Den Widerstand gegen Russland vergleicht sie mit dem dänischen Widerstand gegen das Dritte Reich.

Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen (Soz.) hat sich am Dienstagvormittag per Videoübertragung direkt an das ukrainische Parlament gewandt, das zu diesem Anlass dänische und ukrainische Flaggen hisste.

Sie sagte, dass die gesamte dänische Bevölkerung hinter den Ukrainerinnen und Ukrainern stehe, die gegen Russland kämpfen, das vor vier Monaten in das Land einmarschiert ist.

„Ihr habt unseren tiefsten Respekt. Ihr kämpft nicht nur für euer eigenes Land, sondern für freie Nationen auf der ganzen Welt“, so Frederiksen.

EU-Kandidatur trotz schlechter Voraussetzungen

Kürzlich hat sich das dänische Parlament mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass die Ukraine ein Beitrittskandidat für die EU wird, ein Prozess, der Jahre dauern wird.

Normalerweise wäre ein Land wie die Ukraine nicht bereit, Kandidat zu werden, doch eine Reihe von europäischen Ländern und die EU-Kommission wollen ein klares Signal an die auf dem Schlachtfeld kämpfenden Ukrainer und an Russland senden.

Es gibt jedoch bestimmte Voraussetzungen, die die Ukraine zuerst erfüllen muss. Das Land hat zum Beispiel mit Korruption zu kämpfen, und es gibt noch einiges zu tun, um Minderheitenrechte zu gewähren.

„Der Weg zur EU-Mitgliedschaft kann lang und anspruchsvoll sein. Es gibt Anforderungen, die erfüllt werden müssen. Das können wir nicht ändern. Aber wir werden euch auf eurem Weg unterstützen“, so Frederiksen.

„Ihr gehört nach Europa. Und Europa gehört zu euch“, sagte sie weiter.

Am Montag in der Nähe von Charkiw: In Ljubotyn räumen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und andere die Trümmer eines Verwaltungsgebäudes einer Hochschule ab, das durch die Explosion einer russischen Rakete zerstört wurde. Foto: Sergey Bobok/AFP/Ritzau Scanpix

Im Spannungsfeld zwischen Brüssel und Moskau

Die Zukunft in der EU ist schon seit einigen Jahren der Brennpunkt des Konflikts in der Ukraine. Die sogenannte „Revolution der Würde“ oder auch „Euromaidan“ von 2013/2014 wurde dadurch ausgelöst, dass die damalige Regierung überraschend das Assoziierungsabkommen mit der EU nicht unterzeichnen wollte.

Die folgenden Massenproteste führten letztlich zur Flucht von Präsident Janukowytsch und zum Rücktritt der Regierung. Russland nutzte die unübersichtliche Lage dazu aus, die Krim zu annektieren und das Land durch bewaffnete Konflikte in der Ostukraine zu destabilisieren. Neuwahlen wurden ausgerufen.

„Vor acht Jahren wurde eine Wahl abgehalten. Ihr habt euch für Europa entschieden. Es gibt keinen Zweifel: Die Ukraine ist Teil der europäischen Familie“, so Frederiksen.

Raketen und Hilfe beim Wiederaufbau

Sie erwähnte, dass Dänemark Harpoon-Raketen in die Ukraine geschickt habe, die russische Kriegsschiffe von Land aus treffen können. Sie stand auch zu dem Versprechen, die strategisch wichtige Hafenstadt Mykolajiw wieder aufzubauen.

Frederiksen ist die vierte internationale Regierungschefin, die seit dem Einmarsch russischer Truppen am 24. Februar zum ukrainischen Parlament gesprochen hat. Bereits im April hatte sie das Land bereist und „die Macht einer stolzen Nation“ und den „eisernen Willen eines freien Volkes“ gesehen, das nicht unterzukriegen sei.

Vergleich von ukrainischem und dänischem Widerstand

Diesbezüglich nannte sie auch den 1945 von den Deutschen hingerichteten Widerstandskämpfer Kim Malthe-Bruun, der posthum durch die Briefe an seine Mutter bekannt wurde. Frederiksen zitierte daraus: „Ich bin nur ein kleines Ding und meine Person wird sehr bald vergessen sein, aber die Idee, das Leben, die Inspiration, die mich erfüllten, werden weiterleben.“

Heute seien es die ukrainischen 21-jährigen Männer und Frauen, die sterben, so Frederiksen.

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Cornelius von Tiedemann
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