Coronavirus

Experte: Impfgegner lassen sich nicht überzeugen

Experte: Impfgegner lassen sich nicht überzeugen

Experte: Impfgegner lassen sich nicht überzeugen

Aarhus
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Wer von vornherein großes Misstrauen gegenüber den Behörden hegt, hört ihren Argumenten für eine Impfung gar nicht erst zu.  Foto: Mads Claus Rasmussen / Ritzau Scanpix

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Es zahle sich nicht aus zu versuchen, die fünf Prozent der Impfskeptiker in der dänischen Bevölkerung vom Gegenteil zu überzeugen. Stattdessen solle man sich auf andere Gruppen konzentrieren, meint der Leiter des Hope-Projekts, Michael Bang Petersen.

Es ist vergebliche Liebesmüh zu versuchen, Impfgegnerinnen und -gegner davon zu überzeugen, dass sie eine Corona-Impfung doch annehmen sollen.

Das zeigt eine Studie des Hope-Projekts an der Universität Aarhus. Die Forscher von Hope verfolgen das Verhalten und die Meinungen der Bevölkerung während der Corona-Pandemie.

Zusammenhang zwischen Misstrauen und Impfskepsis

Die Studie zeigt, dass vor allem eine Gruppe den Impfungen skeptisch gegenübersteht: Menschen, die großes Misstrauen gegen das politische System hegen. In der Forschung wird dies auch politischer Zynismus genannt.

„Insgesamt ist politischer Zynismus das deutlichste Anzeichen für Impfskepsis. Dies gilt sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Dänemark“, so die Erkenntnis der Studie.

Keine Kommunikation

Der Zusammenhang ist nicht unbedingt überraschend, denn aus früheren Studien weiß man, dass Menschen, die ein solches Misstrauen gegen den Staat hegen, am ehesten zu Verschwörungstheorien neigen.

„Tatsache ist, wenn es kein Vertrauen zum Absender gibt, ist es ganz egal, wie die Botschaft lautet. Sie kommt beim Empfänger nicht an, denn der Kommunikationskanal ist dicht“, sagt Professor Michael Bang Petersen, Leiter des Hope-Projekts, zu „DR“.

Misstrauen sitzt tief

Die Gruppe der Impfskeptikerinnen und -skeptiker macht nach Einschätzung der Forscher ungefähr fünf Prozent der dänischen Bevölkerung aus. Sie beziehen sich dabei auf zwei Umfragen der Institute Epinion beziehungsweise Gallup.

Es ergebe keinen Sinn zu versuchen, diese fünf Prozent umzustimmen.

„Es sind Menschen, die im Laufe ihres Lebens unangenehme Erlebnisse gehabt haben, bei denen sie sich von den Behörden marginalisiert und ausgeschlossen gefühlt haben. Dies hat zu einem Verschwörungs-Denken geführt, und das kommt unter anderem während der Corona-Krise zum Ausdruck, wenn Behördenvertreter bei Pressekonferenzen im Fernsehen sprechen oder Informationsmaterial verschicken“, so Bang Petersen gegenüber „DR“.

Mobile Impfzentren als Lösung

Daher solle man den Einsatz auf andere Gruppen konzentrieren, um einen möglichst hohen Impfschutz der Bevölkerung zu erreichen. Die Zweiflerinnen und Zweifler, die ungefähr zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen, sind da schon eine vielversprechendere Zielgruppe.

„Man kann die Zweifler durch Kommunikation erreichen, indem man ihnen mehr Evidenz anbietet, die zeigt, die Impfstoffe sind sicher und effektiv. Aber man muss es ihnen auch so einfach wie möglich machen, auf die eigene Bereitschaft zu reagieren“, meint der Professor.

Mobile Impfzentren könnten eine Methode sein, um den Weg vom Gedanken zur Handlung zu verkürzen.

Die Studie des Hope-Projekts zeigt, dass es entscheidend ist, dass die Behörden offen und transparent über die Wirkungen von Impfstoffen sprechen. Denn auch Informationen über negative Wirkungen hätten langfristig keinen negativen Einfluss auf die Impfbereitschaft.

Unklare Kommunikation dagegen treibe mehr Menschen in die Arme der Impfskeptiker.

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Walter Turnowsky ist unser Korrespondent in Kopenhagen
Walter Turnowsky Korrespondent in Kopenhagen
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