Gesundheitswesen

DF: Physiotherapie ohne ärztliche Bescheinigung

jt
Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Foto: dpa (Symbolfoto)

Die Zahl der Arztbesuche in Dänemark soll reduziert werden. Die Dänische Volkspartei präsentiert einen Vorschlag, wie das gelingen könnte.

Patienten sollen direkt zur Behandlung zu einem Physiotherapeuten gehen können – und das mit einem öffentlichen Zuschuss und ohne ärztliche Bescheinigung. Das fordert die Dänische Volkspartei kurz vor den Verhandlungen zu einer neuen Gesundheitsreform in der kommenden Woche, berichtet die Tageszeitung Politiken.

„Die Ärzte verschwenden viel zu viel Zeit, um Patienten zum Physiotherapeuten zu überweisen. Diese Zeit kann besser verwendet werden“, erklärt die gesundheitspolitische Sprecherin der Dänischen Volkspartei, Liselott Blixt.

Laut Politiken dreht es sich bei rund 24 Prozent der Konsultationen bei den praktizierenden Ärzten um Lendenschmerzen, Arthrose und Nackenschmerzen. Probleme, bei denen ein Physiotherapeut helfen kann. Beim Verband der praktizierenden Ärzte (PLO) sieht man bezüglich des DF-Vorschlages Vorteile und Nachteile. „Es fehlen wissenschaftliche Studien, die einen positiven Effekt zeigen. Doch es wäre schön, wenn wir entlastet werden könnten“, so der PLO-Vorsitzende Christian Freitag. Der Verband macht sich jedoch Sorgen, ob kritische Krankheiten übersehen werden könnten, wenn Patienten nicht anfangs von einem Arzt untersucht werden.

Auch bei den Kosten äußert der Verband Bedenken. Der Arztbesuch sei auch eine Sicherheit, dass nicht zu viele die kostenintensiven Gesundheitsangebote unnötig nutzen.

Vorschlag wird begrüßt

Die Physiotherapeuten begrüßen den Vorschlag. „Viele Patienten haben physische Probleme, von denen die Physiotherapeuten viel Ahnung haben. Das verschafft den Ärzten mehr Zeit für andere Aufgaben“, sagt die Vorsitzende der Gewerkschaft Danske Fysioterapeuter, Tina Lambrech, in einer Pressemitteilung.

Auch bei den sozialdemokratischen Kollegen im Parlament steht man dem Vorschlag „offen“ gegenüber. „Dabei müssen wir aber sicherstellen, dass es uns im Endeffekt nicht noch mehr Geld kostet“, erklärt der gesundheitspolitische Sprecher der Sozialdemokraten, Flemming Møller Mortensen.

Mehr lesen