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Sanna heißt jetzt Hansen: Dänische Nachnamen zum Kauf

Sanna heißt jetzt Hansen: Dänische Nachnamen zum Kauf

Sanna heißt jetzt Hansen: Dänische Nachnamen zum Kauf

Dänemark
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Sanna Hansen lebt seit acht Jahren in Dänemark. Foto: Privatfoto

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Sannas Nachname ist jetzt Hansen. Die Ukrainerin hat sich einen dänischen Nachnamen gekauft, um weniger Vorurteilen ausgesetzt zu sein. Der Plan scheint zu funktionieren, wie sie im Interview mit dem „Nordschleswiger“, erzählt.

Sanna hat sich für einen dänischen Nachnamen entschieden. „Der Nordschleswiger“ hat sie in Odense zu einem Interview getroffen. Weshalb sie unbedingt einen Namenswechsel wollte, erzählt sie bei ukrainischem Chebureki. Das sind frittierte Teigtaschen, die wahlweise mit Fleisch, Kohl oder auch mit etwas Süßem gefüllt werden.

Vor nunmehr acht Jahren kam die heute Anfang 30-Jährige nach Dänemark. Ursprünglich stammt sie aus Poltawa, einer Stadt in der Zentralukraine.

Sanna, wie hast du von der Möglichkeit erfahren, einen Namen zu kaufen?

„Dass es diese Möglichkeit gibt, habe ich von meiner Schwiegermutter erfahren. Sie selbst stammt ebenfalls aus der Ukraine – hat aber durch ihre Heirat einen dänischen Nachnamen erhalten. Einige ihrer Freundinnen sind diesen Weg gegangen und haben sich einen der ‚freien Nachnamen‘ (frie efternavne) gekauft.“

Für mich war der Namenskauf ein sehr wichtiger Schritt in meinem Integrationsprozess.

Sanna Hansen

Musstest du lange überlegen, ob du diesen Schritt gehst?

„Ich bin den Schritt nicht direkt gegangen, war jedoch von Beginn an sehr interessiert und habe direkt begonnen, mich zu informieren. Nachdem mir die Option etwa zwei Jahre bekannt war, und ich fünf Jahre in Dänemark gelebt hatte, habe ich es dann gewagt.“

Was waren deine Beweggründe?

„Für mich war der Namenskauf ein sehr wichtiger Schritt in meinem Integrationsprozess. Ich war es leid, meinen Namen immer mehrfach wiederholen oder buchstabieren zu müssen. Auch Vorurteilen wollte ich damit vorbeugen. Bei der Jobsuche möchte ich beispielsweise die gleichen Chancen haben, wie eine Mitbewerberin oder ein Mitbewerber mit dänischem Nachnamen.“

Kennst du andere, die ebenfalls einen Nachnamen gekauft haben, privat?

„Ja, ich kenne mindestens fünf Personen, die sich ebenfalls dazu entscheiden haben. Ihre Gründe sind, soweit ich weiß, mit meinen identisch. Es handelt sich dabei ausschließlich um Personen aus den Ländern der ehemaligen UdSSR. Sicher entscheiden sich auch Menschen mit Namen aus anderen Kulturkreisen dafür, das kann ich jedoch nicht beurteilen.“

Was hat sich mit dem neuen Namen für dich verändert?

„Ich merke definitiv einen Unterschied. Es gibt keine Nachfragen mehr bezüglich meines Nachnamens. Auch die Jobsuche war direkt erfolgreich. Ich fühle ich mich auch etwas mehr als Teil der dänischen Gesellschaft.“

Du bist verheiratet, wie sieht dein Mann die Sache?

„Bei unserer Hochzeit habe ich den ukrainischen Nachnamen meines Mannes angenommen. Das ist eben jener Name, der jetzt nicht mehr mein Nachname, sondern stattdessen mein Mittelname ist.

Mein Mann entschied sich übrigens erst ein Jahr später dazu, ebenfalls den Namen Hansen anzunehmen. Wären wir den Schritt zeitgleich gegangen, hätten wir als Ehepaar die Gebühr nur einmal zahlen müssen – so musste er den gleichen Betrag noch einmal begleichen. Allerdings ist solch ein Namenskauf absolut nicht teuer.“

Ihr hattet die Wahl aus ca. 200 Nachnamen (die Liste wird stetig ergänzt), warum habt ihr euch für Hansen entscheiden?

„Es war der erste Name, der uns ins Auge stach und den wir uns gut vorstellen konnten. Ich finde, er klingt einfach am schönsten – auch auf Ukrainisch.“

 

Fakten

  • Mindestens 2.000 Personen müssen den Nachnamen haben, damit dieser auf der Liste der sogenannten freien Nachnamen erscheint.

  • Soll es jedoch ein Nachname sein, der von weniger als 2.000 Einwohnerinnen und Einwohnern getragen wird, muss die Zustimmung sämtlicher Namensträgerinnen und Namensträger eingeholt werden (es sei denn, es gibt eine familiäre Verknüpfung oder Ähnliches zu dem Namen).

  • Die Namensänderung kostet eine Gebühr von 518 Kronen. Der Betrag muss nur einmal gezahlt werden, wenn:

    • man verheiratet oder unverheiratet zusammenlebend ist,

    • es sich um Geschwister oder Pflegekinder unter 18 Jahren handelt oder 

    • sie Eltern und Kinder unter 18 Jahren betrifft, die die gleiche Namensänderung beantragen.

 

Auf Anfrage konnte weder „Danmarks Statistik“ noch die „Folkekirke“ Zahlen dazu liefern, wie viele Personen von der Möglichkeit Gebrauch machen, welche Namen besonders häufig gekauft werden, und wer diese Personen sind.

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Anna-Lena Holm
Anna-Lena Holm Hauptredaktion
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