Gleichberechtigung

Dänemark muss wohl Elternzeit für Väter einführen

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Kopenhagen
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Foto: Colin Maynard/Unsplash

Die Staaten der Europäischen Union stehen kurz davor, es in den Mitgliedsstaaten obligatorisch zu machen, dass Väter sich an der Elternzeit beteiligen müssen. Dänemarks Regierung will dagegen vorgehen.

Die dänische Regierung ist strikt dagegen, es Vätern aufzuerlegen, sich an der Elternzeit zu beteiligen. Doch die Mehrheit der EU-Staaten ist dafür – und so könnte eine entsprechende Regelung gegen den Willen der dänischen Regierung auch in Dänemark Gesetz werden.

Beschäftigungsminister Troels Lund Poulsen (Venstre) will deshalb weiter kämpfen – auch wenn die Erfolgsaussichten klein sind. „Es sieht leider so aus, als werde die EU es beschließen“, so Lund Poulsen zur Nachrichtenagentur Ritzau. Derzeit geht es um zwei obligatorische Monate für Väter.

„Diese Position wollen wir von dänischer Seite aus bekämpfen, weil wir dagegen sind. Wir meinen, dass es ein nationales Anliegen ist. Und wir meinen, dass es Familiensache ist, wo die einzelne Familie das Recht haben soll, es sich so einzurichten, wie sie es am besten findet“, so der Minister.

Anders als der Minister haben mehrere Gewerkschaften sich bereits positiv über die geplante Direktive zur Elternzeit geäußert – und auch Kenn Warming, Forscher und Berater am Institut für Menschenrechte in Kopenhagen, hält die Maßnahme für notwendig. „Wir setzen eine drastische Kulturänderung in Gang, wenn wir etwas zweckgebunden machen. Es wird wie ein Schneeball sein, der losrollt und es besser und besser wird“, sagt er zu Ritzau.

In Dänemark haben Männer recht auf zwei Wochen Vaterschaftsurlaub, die innerhalb der ersten 14 Wochen nach der Geburt gehalten werden müssen. Insgesamt haben die Eltern 52 Wochen Elternzeit, die zwischen Mutter und Vater verteilt werden können. 2015 haben laut Nordischem Rat die Väter in Dänemark nur 10 Prozent der Elternzeit in Anspruch genommen – der mit Abstand schlechteste Wert in den nordischen Ländern und auch deutlich unter den 22 Prozent in Deutschland.

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