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China-Virus: „Unwahrscheinlich in Dänemark“

China-Virus: „Unwahrscheinlich in Dänemark“

China-Virus: „Unwahrscheinlich in Dänemark“

Jon Thulstrup
Jon Thulstrup Online-Redaktion
Kopenhagen
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Viele Chinesen tragen Schutzmasken Foto: Nicolas Asfouri/AFP/Ritzau Scanpix

Ein neues Virus in China kann laut dortigen Forschern auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Dänemark sei vorbereitet, so der Chef der Infektionsbereitschaft zum „Nordschleswiger“.

Experten des staatlichen Seruminstitutes in Kopenhagen halten ein wachsames Auge auf die neuesten Nachrichten aus China, wo nach einem Virusausbruch nun verlautet, dass das Virus auch zwischen Menschen übertragen werden kann. Das berichtet die Nachrichtenagentur Ritzau.

„Frühere Meldungen ergaben, dass lediglich Personen, die einen bestimmten Markt besuchten, angesteckt wurden – womöglich durch Kontakt mit Tieren“, erklärt der Chefarzt und Virusexperte, Anders Formsgaard. „Sollte es wirklich so sein, dass Menschen sich gegenseitig mit dem Virus anstecken können, dann ändert das die Situation erheblich und macht die Lage deutlich ernster“, so der Experte.

Drei Menschen ums Leben gekommen

Es wird vermutet, dass das neue Virus auf einem Fischmarkt in der chinesischen Millionenstadt Wuhan ausgebrochen ist. Bislang sind drei Chinesen daran gestorben und weitere 218 Personen an Lungenentzündung erkrankt. Laut dem Seruminstitut ähnelt das neue Virus dem SARS-Virus, das Anfang der 2000er wütete und 650 Menschen das Leben kostete.

Weil wir noch nicht wissen, woher das Virus kommt, raten wir derweil seitens des Seruminstitutes dänischen Bürgern von einem Marktbesuch in China ab.

Anders Formsgaard

„Wir erinnern uns an SARS, das innerhalb von drei Wochen in 21 Ländern auftauchte. Und weil gerade das chinesische Neujahr gefeiert wird und die Chinesen deshalb Urlaub haben und vereisen, kann sich das Virus schnell verbreiten. Das ist besorgniserregend“, so Formsgaard. Nun würde er aber die offiziellen Meldungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) abwarten. Die Organisation habe bislang nicht bestätigt, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

„Weil wir noch nicht wissen, woher das Virus kommt, raten wir derweil seitens des Seruminstitutes dänischen Bürgern von einem Marktbesuch in China ab“, unterstreicht Formsgaard.

Unwahrscheinlich

Dass Dänemark von dem Virus betroffen werden sollte, ist nach dem neuesten Wissensstand unwahrscheinlich, erklärt sein Kollege Kåre Mølbak, Institutsprofessor und Leiter der Infektionsbereitschaft, gegenüber dem „Nordschleswiger“.

„Bisweilen ist das ein unwahrscheinliches Szenario. In keinem europäischen Land ist das Virus bislang nachgewiesen worden. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass Dänemark eines der ersten europäischen Länder sein wird, wo das Virus festgestellt wird“, so Mølbak. Ihm zufolge sei es wahrscheinlicher, dass England mit vielen chinesischen Studenten einen Virusfall bekomme.

Bereitschaftsplan erstellt

Mølbæk unterstreicht aber, dass man in Dänemark für den Fall der Fälle vorbereitet ist. „Wir haben einen Bereitschaftsplan erstellt und auch schon die erforderlichen Testmethoden bekommen. Wenn nun eine Person aus China mit dem Virus einreist, sind in den Krankenhäusern in Skejby und Hvidovre Isolationszimmer vorbereitet“, so der Professor.

Den Vergleich mit dem SARS-Virus stuft er als richtig, aber auch falsch ein. „Das neue Virus ist wie SARS auch ein Corona-Virus. Man schätzt, dass beide von Tieren auf Menschen übertragen wurden. Nach den neuesten Erkenntnissen ist das neue China-Virus aber nicht annähernd so ansteckend wie SARS und auch nicht so gefährlich“, so Mølbak. SARS habe sogar in Krankenhäusern außerhalb Chinas gewütet. „Es kann aber sein, dass ich in Wochen oder Monaten eine andere Einschätzung geben werde“, betont er.

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