100 Jahre Deutsche Minderheit

Teil 19: Gewichtiges Souvenir

Teil 19: Gewichtiges Souvenir

Teil 19: Gewichtiges Souvenir

Sonderburg/Sønderborg
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So sah die Seitenspitze des Bismarckturms auf dem Knivsberg aus. Foto: Karin Riggelsen

Ein Arbeiter „sicherte sich“ die Seitenspitze des Knivsbergturms. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des Deutschen Museums Nordschleswig kam bei seinen Berechnungen auf ein Gewicht von ca. 1.350 Kilogramm.

Schon vor 15. Juli 1894, dem ersten Knivsbergfest, kam die Idee zur Errichtung eines „deutschen Erinnerungsmales“ auf dem Knivsberg auf. Diese Idee wurde vom „Deutschen Verein für das nördliche Schleswig“ weiterverfolgt. Schnell stand fest, dass es ein Turm zu Ehren von Otto von Bismarck, ehemals Ministerpräsident von Preußen und Reichskanzler des deutschen Kaiserreichs, werden sollte. Die Grundsteinlegung erfolgte 1895, die Einweihung fand am 4. August 1901 statt. Der Turm hatte eine Höhe von ca. 46 Metern. In der Süd-Ost-Seite gab es eine Nische für eine über sieben Meter hohe Statue von Bismarck.

Darüber befand sich ein Schriftzug, den Turm runter herumlaufend, mit dem Spruch: „Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt“. An allen vier Seiten waren Jahreszahlen eingelassen. Dabei sollte der Schleswig-Holsteinischen Erhebung (1848), des Deutsch-Dänischen Krieges (1864), des Preußisch-Österreichischen Krieges (1866) und des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71) gedacht werden. Hier wurden die Schleswigschen Kriege in eine Reihe mit den Einigungskriegen des Deutschen Kaiserreichs gesetzt. Die Jahreszahl 1864 wurde auf die gleiche Seite gesetzt wie die Bismarckstatue. Dies war zugleich die Hauptseite des Turms. Die Bismarckstatue hatte die Ausrichtung hin zu den Düppeler Schanzen.

Plakat zur Einweihung des Bismarck-Denkmals Foto: Deutsches Museum

Dorn im Auge

Gerade der Fokus auf die Person Bismarcks muss dem dänisch gesinnten Teil der Bevölkerung ein Dorn im Auge gewesen sein. War er es doch, der als Ministerpräsident Preußens 1864 Krieg gegen Dänemark führte und für die Angliederung Schleswig-Holsteins an Preußen als Provinz sorgte. Die Jahreszahlen und der Schriftzug wurden im Rahmen der Volksabstimmung 1920 entfernt. Und auch die über sieben Meter hohe Statue wurde abtransportiert. Mit dem Versailler Vertrag und der Zustimmung von deutscher Seite am 22. Juni 1919 waren die Regeln für die Abstimmung in Nord- und Mittelschleswig klar. Die für Nordschleswig vorherbestimmte En-bloc-Abstimmung machte es für die deutsche Seite unrealistisch, auf einen Verbleib bei Deutschland zu hoffen.

Damit die Bismarckstatue „nicht den Dänen in die Hände falle“, wurde sie im Spätsommer 1919 abtransportiert. Später wurde sie wieder auf dem Aschberg (Hüttener Berge) aufgestellt. Damit war dem Turm seine „Dekoration“ genommen. Einzig der Spruch unter dem „Rednerpult“, „Jungs holt fast“, blieb. So sollte er bis im August 1945, wenn auch zwischendurch mit verschiedenen Symbolen und Fahnen behängt, verharren. Nachdem der Zweite Weltkrieg vorbei und Dänemark befreit war, wurden die dänischen Widerstandskämpfer von staatlicher Seite aufgefordert, ihre Waffen und Sprengstoff abzugeben. Obwohl Symbolik und Statue vom Turm entfernt waren, wurde der Turm immer noch als Provokation gesehen, und man wollte die Erinnerung an die „Deutsche Zeit“ von 1864-1920 und Bismarck löschen. Deswegen nahm man am 16. August 1945 die Sprengung des Turms vor.

Bismarckturm 1928 ohne Statue Foto: Deutsches Museum

Zwischen Trümmern

Die ersten Knivsbergfeste nach dem Zweiten Weltkrieg fanden noch zwischen den Trümmern statt. 1955, nach den Bonn-Kopenhagener Erklärungen, bewilligte der dänische Staat Gelder für die Beseitigung der Trümmer. Bei dieser Gelegenheit muss es gewesen sein, dass einer der Arbeiter sich ein Souvenir sicherte.

Zugegebenerweise kein leichtes Souvenir! Es handelt sich um eine der Seitenspitzen des Turmes. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des Deutschen Museums Nordschleswig kam bei seinen Berechnungen auf ein Gewicht von ca. 1.350 Kilogramm. Nach dem Abtransport vom Knivsberg stand die Seitenspitze bis Ende der 1980er Jahre in einem Garten in Kolding. Über das Museum Koldinghus ging die Spitze ans Museum Sønderborg Slot. Seit 2002 befindet sie sich im Innenhof des Deutschen Museums Nordschleswig.

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