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Das Knivsbergfest – Gegenpol zu Skamlingsbanke

Das Knivsbergfest – Gegenpol zu Skamlingsbanke

Das Knivsbergfest – Gegenpol zu Skamlingsbanke

Hauke Grella
Hauke Grella Museumsleiter
Nordschleswig
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Festordnung Knivsbergfest 1912 mit Schlagball und Faustball / Ehrenpreis von 1911 Foto: Deutsches Museum Sonderburg

1894 gab es die erste Veranstaltung – im Schatten der damaligen Zeit

Wäre das Corona-Virus nicht dazwischengekommen, hätten wir in diesem Jahr nicht nur dort den 100. Geburtstag der deutschen Minderheit feiern können, sondern auch das 113. Knivsbergfest. Wären die beiden Weltkriege nicht gewesen, wäre es sogar das 126. Fest gewesen.

1894 fand das erste Knivsbergfest statt. Es stand ganz im Schatten der damaligen Zeit und war geprägt vom nationalen Gegensatz. Dies zeigte auch schon die Satzung der am 11. Oktober 1893 gegründeten Knivsberggesellschaft. Eines der Hauptziele wurde dort folgendermaßen umschrieben: „Förderung des Deutschtums im nördlichen Schleswig, insbesondere durch die Abhaltung von Volksfesten und patriotischen Versammlungen auf dem Knivsberg“.

Ein Grund hinter dem Kauf des Knivsberges wird mit Sicherheit auch gewesen sein, dass man einen Gegenpol zu Skamlingsbanke schaffen wollte. Dort trafen sich seit 1843, genau wie beim Knivsbergfest mit Unterbrechungen, dänisch Gesinnte zu Sprachfesten, um für das Recht der dänischen Sprache im Herzogtum Schleswig einzutreten.

Auch wie sich Geschichte wiederholt, lässt sich an Skamlingsbanke und dem Knivsberg ablesen. 1863 wurde auf Skamlingsbanke ein Monument zum Gedenken an die Personen errichtet, die sich besonders für die dänische Sache im Herzogtum Schleswig eingesetzt hatten. Im Krieg von 1864 wurde das Monument von preußischen Soldaten gesprengt. Im Gegensatz zum Bismarckturm auf dem Knivsberg wurde dieses wieder errichtet. An beiden Stellen wurde also, vom jeweiligen politischen Lager, aktive „Geschichtspolitik“ betrieben.

Festordnung Knivsbergfest 1912 mit Schlagball und Faustball / Ehrenpreis von 1911 Foto: Deutsches Museum Sonderburg

Schon mit Bekanntwerden, dass der Knivsberg zukünftig für deutsche Volksfeste genutzt werden sollte, begann der Vergleich mit Skamlingsbanke. Besonders wurde hier auf die Teilnehmerzahlen beider Veranstaltungen geschaut. Von dänischer Seite wurde es besonders kritisch gesehen, dass die Teilnehmerzahlen des Knivsbergfestes durch die vielen sportlichen Aktivitäten in die Höhe getrieben wurden. Man machte den Vorwurf, dass man den Sport nur nutzte, um Jugendliche anzulocken.

Ein Blick auf die Festordnung des Knivsbergfestes von 1912 zeigt zwar, dass auch Feldgottesdienst, Gesangsvorträge und Festreden „angeboten“ wurden. Aber es steht außer Frage, dass der Sport viel füllte. Ob aber wirklich eine höhere Teilnehmerzahl hinter der verstärkten Präsenz des Sportes steckte, ist unklar.

Welchen Stellenwert der Sport bei den Knivsbergfesten einnahm, lässt sich auch an dem „Ehrenpreis der Knivsbergfestspiele“ erahnen. Dieser wurde gestiftet vom „Deutschen Verein für das nördliche Schleswig“. Dieser war, wie schon an anderer Stelle beschrieben, eine „Speerspitze“ in der Germanisierungspolitik innerhalb Nordschleswigs.

Der Preis, vermutlich für die Schlagball-Wettkämpfe vergeben, muss im Jahr 1911 entstanden sein. Zumindest ist dies die älteste Jahreszahl auf den angebrachten Plaketten. Erste Gewinner des „Ehrenpreises“ war 1911 eine Gruppe von Seminaristen des Tonderaner Seminars. Auch nach 1920 wurde er weiter vergeben. Die letzte eingravierte Jahreszahl ist 1932. Damals ging er an den Kaufmännischen Turnverein in Tondern. Vermutlich ist er danach in Tondern geblieben. Zumindest ist er auf Fotografien aus dem Turnerheim, das Vereinsheim des Turnerbundes Tondern, aus der Zeit nach 1939 zu sehen. Was später mit dem Preis geschehen ist, gibt immer noch Rätsel auf. Zuerst gelangte nur der untere Teil des Preises in das Deutsche Museum Nordschleswig – dies eingeliefert von einer Privatperson aus Tondern. Nach einem Aufruf im „Nordschleswiger“ folgte auch der Adler. Dieser wurde von der SG West abgegeben. Danach konnte der Preis wieder zusammengesetzt werden. Warum er aber zuvor in zwei Teile geschlagen wurde, ist weiter unklar.

Der Preis und auch der „Deutsche Verein für das nördliche Schleswig“ stehen für eine andere Zeit und für eine andere Ausrichtung der Knivsbergfeste. Glücklicherweise hat man das Gegensätzliche größtenteils hinter sich gelassen, und das Knivsbergfest hat sich zu einen vielfältigen Sommerfest ohne die politische Schwere früherer Jahre gewandelt. Auf das 113. Knivsbergfest 2021.

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