Heimunterricht in Nordschleswig

Tondern holt sich externe Unterstützung für Kontrollbesuche bei Homeschooling

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Die Kinder zu Hause zu unterrichten, ist ein Trend, der in ganz Dänemark zugenommen hat (Symbolbild).

Mehr Familien, die ihre Kinder zu Hause unterrichten: Für die Kommunen in Nordschleswig eine Herausforderung. Denn all diese Kinder müssen betreut und deren Lernentwicklung überprüft werden. Tondern hat sich nun externe Hilfe gesucht. Der Pädagoge Morten Holmstrup schildert, wie ein Kontrollbesuch aussieht und dass seiner Erfahrung nach Probleme eher die Ausnahme sind.

„Bei meinem Besuch lasse ich mir zeigen, womit die Kinder arbeiten, und halte den Status quo fest. Später kann ich dann die Entwicklungen nachverfolgen und gegebenenfalls darauf hinweisen, was nachgeholt werden muss“, erklärt Morten Holmstrup, der seit Februar 2025 für die Hausbesuche und Statusreports von Homeschooling-Kindern in der Kommune Tondern verantwortlich ist.

Wie alle nordschleswigschen Kommunen sieht auch Tondern sich mit der Herausforderung konfrontiert, dass immer mehr Kinder nicht in die Schule geschickt werden. Aktuell gibt es laut Helle Behr, Schulkonsulentin der Kommune Tondern, 50 Schülerinnen und Schüler, die zu Hause unterrichtet werden – 44 dieser Kinder sind deutsch. 2018 noch waren es gerade einmal zwei Kinder, die für den Heimunterricht angemeldet waren.

Nun ist die Kommune aktiv geworden. Holmstrup ist Pädagoge und dänemarkweit bei verschiedenen Kommunen angestellt, für die er den Bildungsfortschritt der Kinder dokumentiert. Aktuell kommt er im Jahr auf über 300 Besuche.

Keine klaren Vorgaben

„Leider ist es so, dass die Gesetzgebung für die Anforderung an die Kommunen beim Thema Heimunterricht ziemlich schwach ist“, sagt Behr. Es sei schwer, herauszufinden, was genau von der Kommune erwartet werde.

„Wenn die Familien herziehen, schreibe ich ihnen erst einmal und lade sie zu einem persönlichen Gespräch ein. Dann kläre ich vor allem auf. Auch über das dänische Schulsystem. Denn viele sind unzufrieden mit dem deutschen, und mit dem dänischen gar nicht vertraut“, erklärt Behr.

In der Regel – aber nicht in jeder Kommune – ist die entsprechende Distriktschule, welcher das Kind zugeordnet wird, dafür verantwortlich, die notwendigen Kontrollen durchzuführen. Wie diese aussehen und wie oft sie stattfinden, bestimmt jede Kommune für sich. Wichtig ist, dass bei den Besuchen ein Fortschritt in den obligatorischen Grundlagenfächern Mathematik, Englisch und Dänisch erkennbar ist.

Es ist niemals die einfache Wahl, den Nachwuchs in keine Institution zu geben. Man muss sein gesamtes Leben danach richten.

Morten Holmstrup

Mit Holmstrup werde nun auch die kommuneninterne Herausforderung gelöst, dass jede Schule eigene Standards für den Statusreport setzt. Um einen besseren Überblick zu schaffen und den Prozess zu vereinheitlichen, hat der 51-Jährige einen eigenen Report erstellt, den er bei den jeweiligen Heimbesuchen führt.

Gleiche Voraussetzungen für weiterführende Ausbildung oder Schule

Es sei wichtig, dass die Heimschülerinnen und -schüler mit den Schulkindern Schritt halten. „Nach der neunten Klasse sollten sie alle in etwa auf dem gleichen Stand sein.“ Das sei wichtig, damit alle die gleichen Startvoraussetzungen für eine weiterführende Schule- oder Berufsausbildung haben. Denn, anders als in Deutschland, gibt es kein Curriculum, nach dem sich die Eltern richten müssten. Ein folkeskoleksamen ist nicht verpflichtend. Interessiert sich ein junger Mensch für eine Ausbildung (ungdomsuddannelse), kann er stattdessen über eine Aufnahmeprüfung aufgenommen werden.

Auch den Fällen, in denen Eltern ihre Kinder aufgrund von Problemen von der Schule genommen haben, könne so neutral begegnet werden. Denn, sind die Besuche über die Schulen geregelt, sei nach wie vor die entsprechende Institution für das Kind verantwortlich, sagt Holmstrup.

Es sei eine große Verantwortung, sich selbstständig um die Bildung der Kinder zu kümmern, sagt Holmstrup. „Es ist niemals die einfache Wahl, den Nachwuchs in keine Institution zu geben. Man muss sein gesamtes Leben danach richten.“ Auch finanziell sei dies eine Herausforderung. „Dass mindestens ein Elternteil zu Hause bleibt, muss man sich als Familie auch erst einmal leisten können.“

Morten Holmstrup kümmert sich für mehrere Kommunen dänemarkweit um die Kontrollbesuche.

Dies spiegele sich in den Erfahrungen, die er hauptsächlich mit verschiedenen Homeschooling-Familien gemacht habe, wider: „Oft sind es gut ausgebildete Familien mit einem guten Einkommen.“

Es gebe eigene pädagogische Ansätze, die die Familien verfolgen. Nicht selten hätten die Erziehungsberechtigten selbst Lehrerfahrung.

Selten Grund zur Sorge

„Wenn ein Kind nicht auf dem entsprechenden Stand ist, sage ich ihnen, was bis zum nächsten Besuch nachgeholt werden muss. Kooperieren die Familien nicht, kann das Kind schlussendlich zwangsweise in die Schule geschickt werden“, erklärt Holmstrup sein Vorgehen.

Anderthalb bis zwei Stunden dauert Holmstrups Besuch. „Dazu gehört natürlich auch, dass ich mir ein insgesamtes Bild mache. Gibt es Auffälligkeiten, bin ich verpflichtet, dies umgehend der Kommune zu melden, damit diese aktiv werden kann.“

Eins unterstreicht Holmstrup mit Nachdruck: „Ich muss sagen, dass ich beinahe überrascht bin, wie unglaublich entgegenkommend die Familien sind und wie stark der Wille ist, Dänisch zu lernen. Es kommt nur sehr selten vor, dass ich mir um einzelne Kinder Sorgen mache.“

Es kommt nur sehr selten vor, dass ich mir um einzelne Kinder Sorgen mache.

Morten Holmstrup

Dass sich Familien isolieren, sei ihm bisher kaum begegnet. Aber natürlich gebe es Ausnahmen.

Er weiß von seinen Besuchen, dass deutsche und dänische Homeschooling-Familien sich gut miteinander vernetzen. „Die meisten Familien sind richtig gut darin, sich untereinander zu organisieren. Es gibt beispielsweise verschiedene Facebook-Gruppen, in denen sie sich zusammenschließen und Ausflüge oder Ähnliches planen.“

Ein weltweiter Trend

Dass immer mehr Kinder zu Hause unterrichtet werden, sei ein landesweites Phänomen. „Die große Anzahl ist einigen Kommunen in den letzten Jahren über den Kopf gewachsen. Das gilt landesweit. Die Familien kommen aus den verschiedenen Nachbarländern, in denen das Zu-Hause-Unterrichten nicht so leicht umgesetzt werden kann, wie in Dänemark. Während es in Nordschleswig die Deutschen sind, sind es beispielsweise auf Seeland viele schwedische Familien, die einen Großteil der Homeschooling-Anmeldungen ausmachen“, erklärt Holmstrup.

Generell zeige sich weltweit die Tendenz, dass das Kind zu Hause zu unterrichten immer beliebter werde, sagt Holmstrup.

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