Bildungsreform

Vier epx-Fachrichtungen: Neue Gymnasialausbildung stellt DGN vor Fragen

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Der DGN-Abiturjahrgang 2025: Auch das Deutsche Gymnasium für Nordschleswig setzt sich mit den geplanten Neuerungen rund um die epx-Ausbildung auseinander.

Die neue, praxis- und berufsorientierte Gymnasialausbildung epx soll ab 2030 starten. Eine Expertengruppe hat nun vier Fachrichtungen vorgeschlagen. Am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig verfolgt Schulleiter Jens Mittag diese Entwicklung aufmerksam – betont aber, dass viele Rahmenbedingungen noch ungeklärt sind.

Wenn die neue zweijährige Gymnasialausbildung epx (erhvervs- og professionsrettet eksamen) wie geplant im Jahr 2030 startet, sollen Schülerinnen und Schüler landesweit zwischen vier Fachrichtungen wählen können. Das geht aus einem Bericht einer Expertengruppe hervor, der nun vorgestellt wurde.

„Wir können nicht so tun, als bliebe die Welt für uns so, wie sie einmal war“, sagt Jens Mittag, Leiter des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig (DGN). Das dänische Bildungssystem stehe vor einem tiefgreifenden Wandel. Diese Entwicklungen müsse man auch in der deutschen Minderheit aus eigenem Interesse im Blick behalten, um attraktiv zu bleiben.

Vier Fachrichtungen als Ausgangspunkt

Im Februar wurde politisch beschlossen, die neue Gymnasialausbildung epx einzuführen. Sie soll stärker praxis- und berufsorientiert sein als das allgemeine Gymnasium stx. Entsprechend sehen die Empfehlungen der Expertengruppe vier Fachrichtungen mit klarem Praxisbezug vor.

Vorgeschlagen werden die Linien Gesellschaft, Sicherheit und Gesundheit, Handwerk, Ressourcen und Design, Natur, Technologie und Konsum sowie Business und Innovation. Nach Einschätzung der Expertengruppe sollen die gewählten Fachrichtungen keinen Einfluss darauf haben, welche Studien- oder Ausbildungsmöglichkeiten den Absolventinnen und Absolventen später offenstehen.

Ziel sei es, den Schulen Spielraum bei der Ausgestaltung der Ausbildung zu lassen, erklärte die Vorsitzende der Expertengruppe, Trine Ladekarl Nellemann. Man habe versucht, eine Balance zwischen nationalen Vorgaben und lokalen Gestaltungsmöglichkeiten zu finden.

Mittag: epx kann Angebot der Minderheit stärken

Für Jens Mittag ist die epx-Ausbildung grundsätzlich ein interessanter Ansatz. Bereits bei der Vorstellung der politischen Bildungsvereinbarung Anfang des Jahres hatte er betont, dass das DGN ein stx-Gymnasium bleiben werde. Gleichzeitig schloss er eine zusätzliche epx-Ausbildung nicht aus. Eine solche Ausbildung könne das Bildungsangebot der deutschen Minderheit erweitern und Jugendlichen eine Alternative zur klassischen Gymnasiallaufbahn bieten.

„Ein breiteres Bildungsangebot kann die Minderheit insgesamt stärken“, so Mittag. Es gehe auch darum, Jugendliche in der Minderheit zu halten, die sich im traditionellen stx-Angebot nicht wiederfinden.

Viele offene Fragen zur Umsetzung

Noch sei allerdings unklar, wie konkret die epx-Ausbildung ausgestaltet werde. Eine zentrale Frage sei, ob alle vier Fachrichtungen angeboten werden müssten oder ob auch einzelne Linien möglich seien.

„Das ist nur meine persönliche Einschätzung, aber wenn wir alle vier Zweige anbieten müssten, könnte das für uns schwierig werden“, sagt Mittag. Denkbar sei daher auch eine Zusammenarbeit mit öffentlichen dänischen Schulen, etwa indem praktische Teile gemeinsam umgesetzt und theoretische Inhalte auf Deutsch unterrichtet würden. „Aber das sind im Moment Gedankenspiele.“

Hinzu kommen organisatorische und finanzielle Fragen. Gleichzeitig brauche es verlässliche Kooperationspartner und eine geschlossene Unterstützung innerhalb der Minderheit.

DGN will Entwicklungen weiter eng verfolgen

Unabhängig von der konkreten Ausgestaltung steht für Jens Mittag fest: Das DGN wird sich weiter intensiv mit der epx-Ausbildung auseinandersetzen. „Das auf jeden Fall“, sagt er. Die Veränderungen in der dänischen Ausbildungslandschaft seien so grundlegend, dass man sie nicht ignorieren könne.