US-Boykott

Sonderburg wägt den Umgang mit digitalen US-Diensten ab

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Immer mehr dänische Organisationen und Unternehmen überlegen, sich von großen amerikanischen Tech-Plattformen zu lösen und stattdessen europäische Alternativen zu bevorzugen (Archivbild).

Cyberrisiken, Spionagegefahr, Abhängigkeit von US-Diensten – die Kommune Sonderburg blickt mit wachsender Sorge auf die digitale Entwicklung. Angesichts der Warnungen im Geheimdienstbericht „Udsyn 2024“ rückt die Frage nach sicherem Datenumgang und europäischen IT-Alternativen immer mehr in den Fokus.

Es ist ein alltägliches Szenario: Microsoft Teams, Outlook, OneDrive – digitale Werkzeuge, die für viele Behörden und Unternehmen unverzichtbar sind. Doch hinter der scheinbaren Selbstverständlichkeit schwirren Fragen zur Datensicherheit und zu den möglichen Risiken durch amerikanische Technologie-Dienste, die immer lauter werden.

In der Kommune Sonderburg wird diese Diskussion zunehmend ernst genommen. Die zunehmende Sorge vor Cyberrisiken, Spionagegefahren und der Abhängigkeit von amerikanischen Tech-Giganten führt zu einer kritischen Bestandsaufnahme der digitalen Infrastruktur.

Die Kommune Sonderburg verwendet derzeit sowohl digitale US-Dienste als auch europäische Alternativen. In einer schriftlichen Stellungnahme an den „Nordschleswiger“ erklärt die Kommune: „Wir haben eine breite Palette digitaler Werkzeuge im Einsatz und führen regelmäßige Gespräche über Datensicherheit. Risikobewertungen sind ein fester Bestandteil unserer Strategie.“

Das gibt Anlass zur Sorge und zu einem verstärkten Fokus auf Sicherheit.

Kommune Sonderburg

Alarmzeichen aus dem Sicherheitsapparat

Der Dänische Militärische Nachrichtendienst (Forsvarets Efterretningstjeneste) habe es laut der Kommune in seinem Bericht „Udsyn 2024“ deutlich gemacht: Russland, Cyberangriffe, digitale Erpressung und gezielte Spionage – die Bedrohungen aus dem digitalen Raum sind real und stellen eine wachsende Gefahr dar.

Diese Einschätzungen treffen auch in Sonderburg auf offene Ohren. „Das gibt Anlass zur Sorge und zu einem verstärkten Fokus auf Sicherheit“, heißt es aus dem Rathaus.

Unternehmen suchen verstärkt nach europäischen Alternativen

Der Bericht „Udsyn 2024“ richtet den Blick insgesamt auf die Verwundbarkeit digitaler Infrastrukturen – und damit auch auf die Abhängigkeit von außereuropäischen Tech-Plattformen. In diesem Zusammenhang geraten zunehmend auch die politischen Entwicklungen in den USA in den Fokus.

Immer mehr dänische und europäische Organisationen sowie Unternehmen denken laut „Ingeniøren“ darüber nach, ihre Daten aus der Cloud amerikanischer Anbieter zu holen. Die deutsche Firma „Nextcloud“ etwa hat in diesem Jahr bereits einen Anstieg der Anfragen um 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet – auch aus Dänemark.

Frank Karlitschek, Geschäftsführer von „Nextcloud“, erklärt gegenüber „Ingeniøren“, dass viele Organisationen sich auf eine „Plan B“-Strategie vorbereiten. „Einige wollen sofort wechseln, andere suchen nach einer Ausstiegsstrategie“, so Karlitschek. Die zunehmenden geopolitischen Spannungen zwischen der EU und den USA – von Handelszöllen bis hin zu sicherheitspolitischen Fragen – hätten das Misstrauen gegenüber den US-Diensten weiter verstärkt.

Laut einer Umfrage von „ScanNet“ denken 58 Prozent der befragten dänischen Firmen, die US-Cloud-Dienste nutzen, über einen Anbieterwechsel nach (Archivbild).

Souveränität ja, Abkoppelung nein

Auch Branchenverbände wie „Dansk Erhverv“ betonen: Europa muss digital souveräner werden – ohne sich dabei vollständig von den USA abzukoppeln. Es gehe um eine neue Balance zwischen globaler Kooperation und europäischer Kontrolle über sensible Infrastrukturen.

In Sonderburg begegnet man einem radikalen Bruch mit US-Diensten ebenfalls mit Zurückhaltung und setzt stattdessen auf pragmatisches Handeln. „Wir analysieren fortlaufend unsere digitalen Werkzeuge und prüfen genau, mit welchen Partnern wir Daten teilen. Dabei schauen wir nicht nur auf die Effizienz, sondern auch auf den Datenschutz und die Sicherheit“, heißt es aus dem Rathaus.

Damit steht die Kommune Sonderburg exemplarisch für viele öffentliche Einrichtungen, die sich mit der drängenden Frage auseinandersetzen müssen: Wie viel digitale Unabhängigkeit ist richtig und möglich, wenn zentrale Technologien von US-Anbietern stammen – in einer Welt, in der Daten zunehmend als geopolitisches Druckmittel fungieren?