Zugunglück

Schranken erst 2027 – Gewerkschaft warnt nach tödlichem Unfall vor Zögern

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Ein Personenzug entgleiste am Freitagnachmittag zwischen Klipleff und Tingleff nach einer Kollision mit einem Gülletransporter. Der Bahnübergang war nicht mit Schranken gesichert.

Nach dem tödlichen Zusammenstoß zwischen einem Zug und einem Gülletransporter bei Klipleff drängt Transportminister Thomas Danielsen auf Klarheit zur Sicherheit der Bahnübergänge. Zwar sollen in Jütland bis 2027 alle Übergänge mit Schranken ausgestattet werden – doch bis dahin müsse gehandelt werden, warnt die Dänische Eisenbahnergewerkschaft.

Der Bahnübergang bei Behrendorf (Bjerndrup), an dem am Freitagnachmittag ein Zug mit einem Gülletransporter kollidierte, ist einer von 38 Übergängen in Dänemark, die noch nicht mit Schranken gesichert sind. Transportminister Thomas Danielsen (Venstre) hat Banedanmark aufgefordert, den aktuellen Stand der Sicherungen sowie die Pläne für weitere Schutzmaßnahmen im ganzen Land vorzulegen.

„Wir brauchen einen Überblick, wie jeder einzelne Übergang gesichert ist und welche weiteren Maßnahmen geplant sind“, erklärte der Minister schriftlich.

Zustand der Beteiligten

Bei dem Unfall am Freitag kam eine 60-jährige Frau ums Leben. Der Lokführer des Zuges und der Fahrer des Gülletransporters befinden sich nach Angaben der Polizei weiterhin in kritischem Zustand. Der Personenzug war auf dem Weg nach Sonderburg (Sønderborg) und befand sich zwischen Tingleff (Tinglev) und Klipleff (Kliplev), als es zur Kollision kam.

Der betroffene Übergang verfügt über Licht- und Tonsignale, jedoch nicht über Schranken. Ob die Signale beim Unfall am Freitagnachmittag korrekt funktioniert haben, wird derzeit von der Havariekommission untersucht.

Bisherige Sicherungsmaßnahmen

Insgesamt ist Banedanmark in ganz Dänemark für 776 Bahnübergänge verantwortlich. 38 davon sind derzeit ohne Schranken, fast alle jedoch mit Licht- und Tonsignalen ausgestattet.

Banedanmark plant, alle Bahnübergänge mit Schranken auszustatten. In Jütland soll dies 2027, auf Seeland 2033 umgesetzt werden – sobald ein neues Signalsystem genutzt werden kann.

Sicherheitschef Martin Harrow erklärte bei einer Pressekonferenz am Unfallort: „Wir rüsten im Zusammenhang mit der Umstellung auf das neue Signalsystem auf. Eine Vorverlegung der Schrankeninstallation ist leider nicht möglich.“

Bahngewerkschaft: „Es muss vorher gehandelt werden“

Schon vorher müsse für den Bahnübergang in Behrendorf eine Lösung gefunden werden, fordert die Dänische Bahngewerkschaft (Dansk Jernbaneforbund), die das Zugpersonal vertritt.

„Sobald wir die genaue Ursache des Unfalls kennen, müssen Konsequenzen gezogen werden“, so der Gewerkschaftsvorsitzende Preben S. Pedersen. „Vielleicht muss die Geschwindigkeit auf der Strecke gesenkt werden, vielleicht könnten vor Bahnübergängen Rillen im Asphalt angebracht werden – oder es gibt eine ganz andere Lösung.“

Frühere Zwischenfälle

Der Bahnübergang bei Behrendorf war bereits zuvor Ereignisort einer Kollision. Am 18. August 2017 kam es zu einem Zusammenstoß zwischen einem Zug und einem Traktor samt Anhänger – damals ohne Schwerverletzte. In diesem Jahr, nur wenige Kilometer östlich der aktuellen Unglücksstelle, starb außerdem ein 24-jähriger Mann, als sein Auto von einem Zug gerammt wurde.