Südschleswig

Marschbahn-Ausbau nach Sylt: Bundesverkehrsminister vermeidet klare Zusage

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Marschbahn auf dem Festland vor Sylt: Noch ist die Strecke hier nicht durchgehend zweigleisig.

Wird die Marschbahn zwischen Niebüll und Sylt erst nach 2045 zweigleisig ausgebaut oder doch früher? Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder könnte Klarheit schaffen – aber vermeidet es. Warum?

Auf das Jahr 2045 oder noch später wollen Gutachter von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) den zweigleisigen Ausbau der Marschbahn zwischen Niebüll (Nybøl) und Sylt (Sild) verschieben – und obwohl der Minister einige schleswig-holsteinische Fraktionskollegen kürzlich beruhigte, dass es sich noch nicht um das Abschlussergebnis des Gutachtens handle, vermeidet Schnieder jetzt eine Terminzusage für das Projekt.

Im Interview mit dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z) antwortet er auf die Frage, wann die Marschbahnstrecke nach Sylt komplett zweigleisig ausgebaut sein wird: „Aufgrund des frühen Planungsstadiums des Marschbahn-Vorhabens kann zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Information zu einem Inbetriebnahmezeitpunkt gegeben werden.“

Statt Klarheit zu schaffen, weist Schnieder nur auf das übliche Prozedere hin: Der Ausbau zwischen Niebüll und Klanxbüll sowie Morsum und Tinnum durchlaufe „die regulär vorgesehenen Planungsphasen“, sagt er. Derzeit befinde sich das rund 300 Millionen Euro teure Projekt „am Ende der Leistungsphase 2“, der Vorplanung. Die folgende Leistungsphase 3 – die Entwurfsplanung – sei „bereits durch eine Vorfinanzierung des Landes Schleswig-Holstein gesichert“.

Weder konnte allerdings der Bundestag bisher die nächsten Leistungsphasen 3 und 4 absegnen, obwohl Schnieder eine Beschlussvorlage für dieses Jahr in Aussicht gestellt hat, noch ist die Bahn-Netztochter DB Infrago von ihrer Absicht abgerückt, in den nächsten Jahren nur die in Bau befindlichen Projekte zu vollenden – und bei allen anderen Neubauvorhaben aus Geldnot lediglich die laufende Leistungsphase abzuschließen und dann abzuwarten.

Im Gegenteil: Auf einer Fachtagung der DB Infrago im November hat deren Finanzchef Jens Bergmann genau diese Planungsstrategie nach Angaben aus Teilnehmerkreisen bestätigt.

„Erwarte Klartext“: SSW-Abgeordneter Seidler besorgt

Im eigens gegründeten Parlamentskreis Marschbahn im Bundestag löst all das Sorgen aus. „Ich erwarte endlich Klartext von Minister Schnieder“, sagt Arbeitskreis-Mitglied Stefan Seidler vom Südschleswigschen Wählerverband (SSW). 

„Man kann den Leuten nicht erklären, dass wir Milliarden neue Schulden für unsere Infrastruktur machen – und trotzdem weiter darüber diskutieren, welche wichtigen Projekte auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden.“

Vor der Bundestagswahl hatte sich dagegen der Hamburger Abgeordnete und damalige Unionsverkehrsobmann Christoph Ploß noch eindeutig festgelegt. Er warf Schnieders Vorgänger Volker Wissing „Verschleppung“ beim Marschbahn-Ausbau vor – und versprach: „Mit der CDU wird der zweigleisige Ausbau der Strecke Hamburg-Sylt endlich kommen.“