Umwelt und Versorgung

Pestizide in Nordschleswigs Trinkwasser: Fragen und Antworten

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Sauberes Wasser direkt aus der Leitung: heute selbstverständlich, in Zukunft vielleicht kostbarer.

Hahn aufdrehen, Glas auffüllen: in Nordschleswig ganz selbstverständlich. Aber wie lange noch? Der Einsatz von Pestiziden auf Feldern und in Gärten belastet zunehmend das Grundwasser. Fachleute warnen, dass die Wasserkosten steigen könnten – weil sauberes Trinkwasser künftig erst aufbereitet werden muss.

Abgesehen von der Kommune Lemvig sind in allen dänischen Kommunen in den vergangenen Jahren Pestizidreste im Trinkwasser gefunden worden. Eine Erhebung des Naturschutzverbandes „Danmarks Naturfredningsforening“ zeigt für jede Kommune, in wie viel Prozent der Proben das der Fall war.

In den vier Kommunen Nordschleswigs liegen diese Werte zwischen 15 und 48 Prozent. Eine Karte mit allen Werten gibt es unter diesem Artikel.

Noch ist das Leitungswasser sicher, betonen die Wasserwerke. Doch das Grundwasser, aus dem es stammt, wird zunehmend belastet – und diese Entwicklung besorgt die Fachleute.

Die wichtigsten Fragen dazu im Überblick:

Ist das Leitungswasser in Nordschleswig noch trinkbar?

Ja. Nach Angaben der dänischen Wasserwerksvereinigung DANVA erfüllt das Trinkwasser überall in Dänemark die gesetzlichen Anforderungen. Wird eine Belastung festgestellt, sorgen die Wasserwerke dafür, dass nur sauberes Wasser verteilt wird – etwa durch das Mischen mit unbelastetem Wasser oder durch Filtration.

Warum werden überhaupt Pestizidreste gefunden?

Das Umweltministerium erklärt, dass die Rückstände aus Pflanzenschutzmitteln stammen, die über viele Jahre hinweg auf Feldern und in Gärten eingesetzt wurden. Mit dem Regen sacken sie langsam durch den Boden und erreichen irgendwann das Grundwasser – also den natürlichen Vorrat, aus dem das Trinkwasser gewonnen wird.

Bedeutet das, dass das Wasser aus dem Hahn gefährlich ist?

Nein. Laut dem Gesundheitsministerium und den geltenden EU-Grenzwerten darf in einem Liter Trinkwasser nicht mehr als 0,1 Mikrogramm von einem Pestizid enthalten sein – diese Grenze wird in Nordschleswig derzeit nirgends überschritten.

Aber Fachleute wie die vom Naturschutzverband sehen die zunehmenden Funde als Warnsignal, weil die Belastung des Grundwassers über die Jahre steigt.

Wie ist die Situation in Nordschleswig?

Nach einer neuen Auswertung des Naturschutzverbandes wurden in den vergangenen fünf Jahren in allen vier nordschleswigschen Kommunen – Apenrade, Hadersleben, Sonderburg und Tondern – Pestizidreste in aktiven Trinkwasserbrunnen nachgewiesen. In Apenrade betraf das rund jede vierte untersuchte Bohrung, allerdings ohne Grenzwertüberschreitungen. In der Kommune Sonderburg gilt das für 15 Prozent der Proben, in Hadersleben für 44 Prozent und in Tondern für 48 Prozent der Untersuchungen.

Warum ist die Situation trotzdem besorgniserregend?

Weil immer mehr Pestizidreste und Chemikalien im Grundwasser gefunden werden, aus dem unser Trinkwasser stammt. DANVA-Direktor Carl-Emil Larsen warnt davor, dass es in Zukunft nicht mehr möglich sein könnte, sauberes Wasser direkt aus dem Untergrund zu liefern. Es müsste erst aufbereitet werden.

Aber bislang gilt auch: Einige der gefundenen Stoffe lassen sich mit den heutigen Reinigungsmethoden gar nicht vollständig entfernen.

Was müsste passieren, um das Problem dauerhaft zu lösen?

Der Naturschutzverband fordert, empfindliche Grundwassergebiete konsequent zu schützen – unter anderem durch ein Verbot von Pestiziden in Trinkwasserschutzgebieten und die Ausweisung sogenannter „Grundvandsparker“, also Zonen, in denen keine Chemikalien eingesetzt werden dürfen. Auch das Umweltministerium spricht sich dafür aus, den Pestizideinsatz in diesen sensiblen Gebieten stärker zu regulieren.

Kann ich selbst etwas tun?

Ja. Das Umweltministerium rät, im eigenen Garten auf chemische Unkrautvernichter zu verzichten und Altchemikalien immer korrekt bei den kommunalen Reststoffhöfen abzugeben. So verhindern Verbrauchende, dass Schadstoffe ins Grundwasser gelangen.

Wird das Trinkwasser in Zukunft teurer?

Laut DANVA könnte das passieren. Denn wenn die Wasserwerke das Grundwasser vermehrt reinigen oder neue Brunnen bohren müssen, steigen die Betriebskosten. Der beste Weg, das Trinkwasser günstig zu halten, sei deshalb, es gar nicht erst zu verschmutzen.

Wie kann ich erfahren, woher mein Wasser kommt? 

Alle vier Kommunen in Nordschleswig veröffentlichen online ihre Wasserversorgungspläne (Vandforsyningsplaner). Dort ist angegeben, welches Wasserwerk oder welche Bohrung die jeweilige Ortschaft versorgt. Die Karten finden sich auf den Webseiten der Kommunen. 

Die Karte zeigt den Anteil der Trinkwasserbohrungen, bei denen in den vergangenen zehn Jahren Pestizidrückstände gefunden wurden, für die jeweilige Kommune.