Umwelt & Natur

Pamhule: Mehr Natur, kein Zaun – 860 sagen Nein

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Karsten Skovbjerg (l.), Per Riber Rasmussen und Mads Skau (r.) bei der Übergabe der Unterschriften im Rathaus

„Mehr Natur – ja. Aber ohne Zaun.“ Mit dieser Botschaft übergaben zwei Bürger aus Hammeleff am Montag 860 Unterschriften an Bürgermeister Mads Skau. Die Vorstellung, Pamhule künftig mit Zaun erleben zu dürfen, sorgt in der Bevölkerung für Unmut.

„Einmal unterschreiben, bitte!“ – Per Riber Rasmussen und Landwirt Karsten Skovbjerg aus Hammeleff (Hammelev) haben 860 Unterschriften gegen einen eingezäunten Naturnationalpark Pamhule gesammelt – und sie am Montag Bürgermeister Mads Skau (Venstre) überreicht. Sie betonen: Es geht ihnen nicht um ein Nein zur Natur, sondern um ein Nein zum Konzept „Wildnis hinter dem Zaun“.

„Wir lieben unsere Natur – aber nicht eingezäunt“, sagt Per Riber Rasmussen. Gemeint ist nicht, dass Menschen draußenbleiben sollen, sondern dass große Weidetiere künftig auf einer 21 Kilometer langen Fläche frei laufen würden, die rundum mit Zäunen gesichert ist. Viele haben Sorge, beim Spazieren, Reiten oder Mountainbiken unvermittelt auf Rinder oder Pferde zu treffen oder Wege gar nicht mehr gefahrlos nutzen zu können.
Auch für Kita-Gruppen oder Schulklassen würde ein eingezäuntes Pamhule zur „roten“ Zone. „Wer übernimmt die Verantwortung, wenn was passiert?“, fragt Karsten Skovbjerg. 

Acht Wochen im Korsett nach tierischer Begegnung

Beide warnen vor Risiken durch freilaufende Weidetiere. Landwirt Skovbjerg erinnert sich noch gut an eine Begegnung mit einem Muttertier auf seiner Weide am Rand von Pamhule: „Ich dachte, das Kalb sei tot und wollte nachsehen. Plötzlich lag ich unter der Kuh.“ Er hatte Glück im Unglück. Doch acht Wochen lang musste er ein Korsett tragen. Solche Erfahrungen, sagt er, seien ein Grund, warum viele sich unwohl fühlen, wenn große Tiere frei in Naherholungsgebieten herumlaufen. 

Die Initiatoren verweisen darauf, dass das Haderslebener Kommunalparlament vor vier Jahren das Vorhaben abgelehnt hat – mit breiter Mehrheit. 

Kann der Staat das Projekt trotzdem durchsetzen?

Pamhule ist als Ausflugsziel überaus beliebt. Die Pläne für einen staatlichen Naturnationalpark spalten die Bevölkerung.

Zwar gehört das Gebiet dem Staat, doch laut den Initiatoren hat Dänemarks Umweltminister auf Nachfrage des Woyenser Folketingskandidaten Jesper Bierbaum (Venstre) versichert: Kein Projekt wird gegen den Willen der Kommune umgesetzt. Dennoch verlangen die Unterzeichnenden eine klare Stellungnahme der Lokalpolitik: „Ein einfaches Ja oder Nein ist doch nicht zu viel verlangt.“

Bürgermeister vorsichtig mit Unterschrift

Mads Skau zeigt Verständnis für das Anliegen: Auch er sei kein Fan von Einzäunungen. Dennoch unterzeichnet er das Protestschreiben nicht. Als Bürgermeister wolle er parteiübergreifend denken. Aus seiner Haltung aber macht er keinen Hehl: „Ich werde nie für einen Zaun stimmen.“

Die Entscheidung im Kommunalparlament fällt erst nach der Kommunalwahl. Die Initiatoren fordern deshalb: „Politikerinnen und Politiker müssen Farbe bekennen – und zwar jetzt!“

Der Wald von Pamhule

Das Gebiet umfasst 530 Hektar Wald, Feuchtwiesen und Seen zwischen Hadersleben, seinem Tiergarten Dyrehaven und der Törninger Mühle (Tørning Mølle). Geplant ist eine 21 Kilometer lange Einzäunung zwecks ganzjähriger Beweidung. Der Fokus liegt auf urwüchsiger Natur: Alte Buchen und Eichen, seltene Pilz- und Pflanzenarten sowie Feuchtgebiete sollen geschützt werden. Pamhule ist ein beliebtes Ziel für Wandernde, Reitende und Mountainbikende – mit jährlich über 150.000 Besuchenden. Die Pläne stoßen in verschiedenen Interessengruppen auf Widerstand. Die Entscheidung, welche von elf potenziellen Standorten zum Naturnationalpark werden, fällt voraussichtlich 2026.