Leitartikel

„Nullemissionszonen: Kommunen müssen vorab Lösungen präsentieren“

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Die Kommunen müssen vor der Einrichtung von Umweltzonen Lösungen anbieten, wie Menschen auch ohne Elektroauto weiterhin flexibel und mobil bleiben, ohne ausgegrenzt zu werden, meint Journalist Gerrit Hencke in seinem Leitartikel.

In Zukunft soll es Kommunen möglich sein, sogenannte Nullemissionszonen einzurichten, in denen nur noch Elektroautos fahren dürfen. Ausnahmen soll es lediglich für Bus- und Lkw-Verkehr geben. Es sei ein erster Schritt, um diesel- und benzinbetriebene Fahrzeuge aus dem Verkehr zu ziehen und die Luftqualität insbesondere in Städten zu verbessern, propagiert das Umweltministerium von Magnus Heunicke. Es ist in der Tat ein lobenswerter Schritt hin zur grünen Umstellung des Verkehrs.

Der Verband der Automobilimporteure reibt sich bereits die Hände, weil die Nachfrage nach E-Autos angekurbelt werden dürfte. Denn allein in Nordschleswig wollen vermutlich viele Menschen, die etwa vom Land in die Stadt zum Einkaufen oder in die Arztpraxis fahren wollen, ungern schon vor dem Zentrum ausgebremst werden, weil sie noch einen Verbrenner fahren.

Noch ist zwar unklar, welche Kommunen wo Umweltzonen einführen wollen, aber dass sie in einigen großen Städten kommen werden, ist nur eine Frage der Zeit. Kopenhagen und Aarhus haben bereits ambitionierte Ziele formuliert: Die Landeshauptstadt will 2030 frei von fossilbetriebenen Fahrzeugen sein.

Denkbar sind solche Verbotszonen auch in Nordschleswig. So könnte etwa Sonderburg das Zentrum vom Hafen bis zum Schloss und von der Statsskole bis zum Deutschen Museum für Verbrenner sperren. In Apenrade könnte es das Zentrum im Verlauf der 170 und der Nygade treffen. Zugegeben, die beiden Beispiele sind etwas aus der Luft gegriffen. Würde es so kommen, müssten einige Menschen, die beruflich oder privat in die beiden Städte fahren, die letzten Meter wohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß auf sich nehmen oder alternativ Umwege in Kauf nehmen.

Der springende Punkt aber ist: Nicht jede Bürgerin oder jeder Bürger kann sich – trotz noch laufender Subventionen – die hohen Kosten für die Anschaffung und Zulassung eines Elektroautos leisten. Tritt eine solche Zone in Kraft, werden somit Menschen benachteiligt und in ihrer individuellen Mobilität eingeschränkt. Hinzu kommt, dass die Ladeinfrastruktur in Dänemark zwar massiv ausgebaut wird, wer aber etwa in einem Mehrfamilienhaus wohnt, hat nicht unbedingt die Lademöglichkeiten vor der Tür und kauft sich vielleicht deshalb kein E-Auto. Wenn das eigene Fahrzeug drei Kilometer entfernt an einer Ladesäule steht, wird es unattraktiv.

Hinzu kommt, dass gerade in ländlichen Gebieten Alternativen zum Auto fehlen. Der öffentliche Personennahverkehr bietet bei Weitem nicht die Flexibilität eines Autos. Auch das Fahrrad ist für viele Menschen im weitläufigen Nordschleswig verständlicherweise keine dauerhafte Lösung, um ans Ziel zu kommen. Die Distanzen sind oft groß, die Infrastruktur ist nicht ausreichend, und im Herbst und Winter ist auch das Wetter ein Hemmschuh.

Hier sind die Kommunen gefragt. Sie sind es, die vor der Einrichtung solcher Zonen Lösungen anbieten müssen, wie Menschen auch ohne Elektroauto weiterhin flexibel und mobil bleiben, ohne ausgegrenzt zu werden. Das könnten etwa „Park and Ride“-Parkplätze mit engmaschigem Shuttle-Service von und in die gesperrten Zonen sein oder kostenlos nutzbare Stadtbusse. Denn sonst könnte die Umweltschutzmaßnahme zu Frust und Ärger führen, was deren Akzeptanz untergräbt.