Natur und Umwelt

Maria und Niels kämpfen mit dem Friluftsråd für Natur und Zugang

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Für Vögel ist der Nørresø ein Paradies geworden. Der Sportanglerverein, der Ruderverein sowie Kajaksportlerinnen und -sportler fühlen sich dagegen in ihren Hobbys eingeschränkt.

Viele kennen ihn nur wegen der Lottomittel. Doch wenn Wanderwege verschwinden, Sport eingeschränkt wird oder Naturschutz und Nutzung aufeinandertreffen, mischt der Friluftsråd im Hintergrund mit – aktuell auch bei einem Konflikt rund um den Nørresø bei Tondern.

Der Friluftsråd ist in der breiten Öffentlichkeit vor allem dafür bekannt, zweimal jährlich sogenannte Lottomittel (dän.: tipsmidler – heute offiziell „udlodningsmidler“) zu verteilen. Dabei handelt es sich um Gewinne der staatlichen Lottogesellschaft Danske Spil; auch die Lotterie „Klasselotteriet“ muss jedes Jahr einen Teil seines Überschusses für gemeinnützige Zwecke abgeben. Doch die Verteilung der Fördergelder ist nur ein kleiner Teil der Arbeit, wie Maria Aas aus Mühlenhaus (Møllehus) und Niels Stamp aus dem Raum Scherrebek (Skærbæk) im Gespräch erklären.

Beide engagieren sich im Friluftsråd Sydvestjylland, der für die Kommunen Tondern, Varde, Esbjerg und Fanø zuständig ist. Für die Kommunen Apenrade (Aabenraa), Hadersleben (Haderslev) und Sonderburg (Sønderborg) übernimmt diese Aufgabe der Friluftsråd Østsønderjylland.

Dachorganisation für Natur- und Outdoorverbände

Maria Aas und Niels Stamp engagieren sich im Friluftsråd, der sich dafür einsetzt, dass Menschen Wege in die Natur finden und diese aktiv nutzen können.

Der Friluftsråd ist eine landesweite Dachorganisation von mehr als 80 Verbänden und Organisationen, die sich mit Natur und Outdoorleben beschäftigen. Ziel ist es, möglichst vielen Menschen den Zugang zur Natur zu ermöglichen – sei es zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf dem Wasser.

„Durch diese Fördermittel wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Schutzhütten mit und ohne Feuerstelle, Wanderwege, Laufpfade, Mountainbikerouten und andere Angebote für Outdooraktivitäten unterstützt“, sagt Niels Stamp. Auch der Wassersport profitiert davon, ergänzt Maria Aas, die selbst aus dem Bereich Rudern kommt und trotz ihres Wohnortes im nordschleswigschen Westen beim Apenrader Ruderverein aktiv ist.

Politische Arbeit bleibt meist unsichtbar

Der nördliche Zugang zum Margrethenkoog blieb nicht zuletzt dank des Friluftsråds erhalten.

Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die politische Arbeit des Friluftsråds. Maria Aas und Niels Stamp sehen ihre Hauptaufgabe darin, Einfluss auf Planungsprozesse zu nehmen, damit mehr Menschen in die Natur gehen können – und dürfen. Diese Arbeit hinter den Kulissen gelange jedoch nur selten an die Öffentlichkeit.

Wenn Gebiete unter Naturschutz gestellt werden oder Neu- und Umbauten geplant sind, hat der Friluftsråd ein Anhörungsrecht. „Als neue Wanderwege im nördlichen Margrethenkoog geplant waren, bemerkten wir, dass alle bestehenden Wege dann entfernt werden sollten“, berichtet Maria Aas. Damit wäre der Zugang für die lokale Bevölkerung praktisch weggefallen, während die neue Wegführung vorwiegend touristischen Bedürfnissen gedient hätte. Es gab eine entsprechende Unterschriftenaktion in der Lokalbevölkerung. Auch der Friluftsråd schlug mit einer Stellungnahme in die gleiche Kerbe und so blieb der Zugang zum Koog über den Digevej erhalten.

Kompromiss bei der Zeppelinbase

Ein weiteres Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit betrifft die Reste der Zeppelinbase im Norden Tonderns. Als diese unter Denkmalschutz gestellt werden sollten, sahen die ursprünglichen Pläne vor, die bestehende Mountainbikeroute im Soldaterskov auf ein freies Feld zu verlegen. „Für die Nutzerinnen und Nutzer der Strecke wäre das keine echte Alternative gewesen“, sagt Maria Aas. Auch hier konnte ein Kompromiss erreicht werden.

Der Fall ist zugleich ein Sonderfall: Das Anhörungsrecht gilt bei denkmalgeschützten Gebäuden, nicht jedoch bei landschaftlichen Überresten der Geschichte. Warum das so ist, können auch Aas und Stamp nicht erklären. Eine eventuelle Änderung der Kompetenzen sei eher Aufgabe des Hauptsekretariats in Kopenhagen. Obwohl das Anhörungsrecht in diesem Fall nicht gegeben ist, wurde die Stimme des Friluftsråds gehört.

„Wendet euch an uns“

Da die ehrenamtlich Engagierten nicht alle Tagesordnungen sämtlicher Kommunen im Detail verfolgen können, appellieren Aas und Stamp an die Bürgerinnen und Bürger sowie Vereine und Interessengruppen, sich frühzeitig zu melden. „Wendet euch an uns! Schreibt uns! Ruft uns an!“, lautet der klare Aufruf von Niels Stamp. Die Kontaktdaten der regionalen Friluftsråd-Abteilungen sind auf www.friluftsraadet.dk zu finden.

„Je früher man uns mit ins Boot holt, desto besser“, fasst Maria Aas zusammen.

Nutzungskonflikte rund um den Nørresø

Der Nørresø (rot markiert) ist zwischen der Stadt Tondern und dem Magisterkoog gelegen.

Wie wichtig frühe Einbindung ist, zeigt der Nørresø bei Tondern. Eher zufällig erfuhr Maria Aas von Spannungen zwischen mehreren lokalen Vereinen. Der zwischen Tondern und Magisterkoog gelegene See ist Teil eines mit EU-Mitteln finanzierten Projekts zum Schutz des vom Aussterben bedrohten Nordseeschnäpels.

Der Fisch hat seine letzte natürliche Population im Wiedau-System und benötigt zum Laichen saubere, sauerstoffreiche Gewässer mit Kiesgrund. Seit den 1980er-Jahren wurden Stauwerke entfernt, Verschmutzungen reduziert und Flussläufe renaturiert. Der Nørresø stellt einen weiteren wichtigen Baustein in den Bemühungen um den Erhalt des Schnäpels dar.

Während sich der örtliche Angelverein über die positiven Effekte für den Schnäpel freut, sind neue Probleme entstanden. Der schmale und niedrige Zugang zur Wiedau erschwert anderen Fischarten den Weg zu und von ihren Laichplätzen. Zudem ist der Bewegungsraum für den Ruderverein sowie für den Kajaksportseit der Anlage des Sees stark eingeschränkt.Wer den Nørresødennoch nutzt, muss mit Anfeindungen von Vogelbeobachtenden rechnen, weil der „Verkehr“ auf dem See die Ruhe der Vögel stört. 

Da der alte Kanal zugekrautet ist, müssen die Aktiven des örtlichen Rudervereins, Tønder Roklub, ihre Boote durchs Schilf ziehen, um auf der Wiedau stromabwärts weiterrudern zu können.

Der dänische Ornithologenverein würde den See daher am liebsten vollständig für Wassersport sperren. Denn der Nørresø hat sich schnell als reich gedecktes Büfett für Zugvögel sowie für Brutvögel aus dem Magisterkoog und vom Hasberger See etabliert.

Vor allem die vom Aussterben bedrohte Trauerseeschwalbe (dän. sortterne) hat zur Freude des ornithologischen Vereins den Nørrresø als geeignete Brutstätte entdeckt. Allerdings ist die Trauerseeschwalbe in der Brutzeit nicht „kompromissfähig“; schon bei leichten Störungen lassen diese Vögel ihre Nester im Stich.

Ein Kanal als „Ei des Kolumbus“

Die Trauerseeschwalbe ist vom Aussterben bedroht.

Der Friluftsråd brachte die verschiedenen Interessengruppen an einen Tisch. Bei einer Ortsbegehung, an der auch eine Delegation der zuständigen Kommune Tondern teilnahm, wurde deutlich, dass der Nørresø sowohl für Menschen als auch für Tiere ein attraktiver Ort ist. Gleichzeitig zeichnet sich für Maria Aas eine pragmatische Lösung ab.

„Am Rand des Sees waren die Überreste eines alten Kanals zu erkennen“, erzählt Maria Aas. Dieser Kanal könnte nach Ansicht des Friluftsråds wieder geöffnet werden. „Er muss im Prinzip nur so breit sein, dass ein Ruderboot mit Riemen passieren kann, und so tief, dass Fische unter den Booten hindurchschwimmen können. Da der Kanal sehr randnah verläuft, wären zugleich die Anliegen des Vogelschutzes berücksichtigt“, beschreibt Maria Aas den Kompromissvorschlag.

Im Nachhinein zeigte sich zwar, dass die bloße Öffnung des Kanals nicht ausreichte. Fische benötigen tatsächlich mehr Raum als Rudersportlerinnen und -sportler; das zugrunde liegende Prinzip bleibt jedoch unverändert. Der überarbeitete Vorschlag sieht daher vor, den Kanal als eine Strömungsrinne mit Überlauf in den Nørresø auszugestalten, um zugleich einen Wasseraustausch im See sicherzustellen.

Für Maria Aas ist dies das „Ei des Kolumbus“, der Naturschutz, Wassersport und Fischdurchgängigkeit miteinander verbindet. Der Vorschlag soll nun den zuständigen politischen Gremien zur Stellungnahme vorgelegt werden.