Mensch & Umwelt

Klärwerk Hadersleben: Kleine Zusatzanlage mit hoffentlich großer Wirkung in zwei Monaten

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Provas-Mitarbeiter Hans Henrik Dohrmann (Mitte) gewährt unter anderem Bürgermeister Mads Skau (Venstre) einen Einblick in die kleine Zusatzanlage, mit der das Abwasser Haderslebens entkeimt wird.

Jetzt ist sie in Betrieb: Eine kleine zusätzliche Anlage auf dem Gelände des Klärwerks Hadersleben entkeimt das geklärte Wasser und soll dafür sorgen, dass die Menschen gegenüber an der Badestelle ins kühle Nass springen können – zumindest im Winterhalbjahr.

Beim Stichwort Klärwerk fallen einem meist die großen, runden Becken ein, in denen das Abwasser aufbereitet wird. Im Haderslebener Klärwerk steht gleich hinter dem letzten dieser Becken seit Kurzem eine unscheinbare kleine Anlage, die aber einen großen Effekt haben soll: Sie soll der Haderslebener Förde zur Badewasserqualität verhelfen – Provas zufolge zumindest in den Wintermonaten.

Bislang wird das Wasser zwar gereinigt, Bakterien und Viren bleiben aber drin. Das hat sich nun geändert, seit ein paar Tagen ist die neue Reinigungsstufe in Betrieb, wie Provas-Direktor Esge Homilius auf einem Ortstermin am Freitagmorgen erklärt, und dies mit einem „markanten Effekt“. Und nicht ohne Stolz fügt er hinzu: „Eine solche Anlage findet man in Europa nicht besonders häufig.“ Provas-Mitarbeiter Hans Henrik Dohrmann fügt hinzu: Die Firma war beeindruckt, dass ein Ort wie Hadersleben diesen Schritt geht. Homilius zufolge wurde die Technik in Paris im Zuge der Olympischen Sommerspiele 2024 angewendet.

Perameisensäure, eine organische Säure mit desinfizierender Eigenschaft, wird auf den letzten Metern dem geklärten Wasser hinzugefügt, wenn es vom letzten Klärbecken bis zur Förde fließt. Die Säure reagiert mit den Keimen und zerfällt dabei in ihre ungefährlichen Bestandteile, vor allem Kohlendioxid, Sauerstoff und Wasser. Die Menge an Säure, die zugegeben wird, wird genau berechnet, und zwar so, dass die Säure 10 bis 20 Minuten mit den Keimen im Wasser reagieren kann, wie Provas-Mitarbeiter Hans Henrik Dohrmann erklärt.

Provas: Kompakt, einfach und sicher

Betriebsleiterin Malene Staub erläutert: „Die Anlage ist einfach, kompakt, sicher und liefert gute Resultate. Der Prozess ist getestet. Wir ziehen Proben und stellen sicher, dass einerseits die Keime zerstört werden, andererseits aber keine Säure in die Förde fließt.“

Ob und wann Badewasserqualität erreicht wird, das kontrolliert die Kommune, gleich gegenüber an der bereits eingerichteten Badestelle. Vorsichtig geschätzt soll in zwei Monaten ein Effekt in der Förde merkbar sein.

Provas hat die Anlage geliehen, nicht gekauft. Das hat einen Grund: „Wir planen eine 4. Klärstufe“, so Malene Staub. Diese vierte Stufe soll auch dazu dienen, Medikamentenreste aus dem geklärten Wasser zu entfernen, die ein immer größer werdendes Problem für die Umwelt darstellen.