Natur und Umwelt

Keine Elche für den Naturnationalpark „Draved Skov“

Veröffentlicht Geändert
Pferde und Kühe sollen künftig für Offenflächen im Naturnationalpark bei Lügumkloster sorgen – nicht Elche (Symbolfoto).

Der Projektleiter der staatlichen Naturbehörde, Martin Brink, informierte bei einer Wanderung des Vereins „By og Land Vestslesvig“ durch den Drawitter Urwald: Rinder und Pferde sollen durch Beweidung für offene Flächen und eine noch artenreichere Tier- und Pflanzenwelt bei Lügumkloster sorgen.

Der Projektleiter bei den Vorbereitungen für die Schaffung eines Naturnationalparks im Bereich des Drawitter Waldes (Draved Skov), Martin Brink, hat während einer Wanderung durch das seit Jahrzehnten auch unter Wissenschaftlern berühmte Gebiet südlich von Lügumkloster (Løgumkloster) über das Vorhaben informiert.

Dabei stellte sich heraus, dass bei dem inzwischen seit 25 Jahren als Urwald ohne forstwirtschaftliche Nutzung „gepflegten“ Naturschutzgebiet die Konturen des Konzeptes Naturnationalparks weiter unklar sind. Die fast 50 Teilnehmenden der als Feldwegwanderung durchgeführten Veranstaltung erfuhren von Brink, dass es vor allem darum gehe, der Natur „mehr Freiheit“ in dem in Dänemark einzigartigen Wald zu geben.

Eine Straße zerteilt den künftigen Naturnationalpark

Elsemarie Dam-Jensen (Mitte, r.) und Projektleiter Martin Brink (Mitte, l.) führten die Waldwanderung an und informierten über das Voranschreiten des Projekts.

Der Wald ist in Teilen seit der Wiederbewaldung des Landes nach dem Ende der jüngsten Eiszeit vor über 7.000 Jahren erhalten geblieben. „Eine große Herausforderung ist die Zukunft des Dravedvej, der den künftigen Naturnationalpark teilt“, so der Projektleiter. Die Landstraße ist in den 1930er-Jahren gebaut worden. Bei der voraussichtlichen Umzäunung des über 250 Hektar großen Waldes und des ebenso großen angrenzenden Königsmoores (Kongens Mose) müsste das zulässige Spitzentempo von derzeit 80 Stundenkilometern im Waldbereich abgesenkt werden. „Es sollen nicht wie in anderen Naturnationalparks Elche, sondern Rinder und Pferde neben den hier lebenden Rothirschen den Wald beweiden“, so Martin Brink.

Angestrebt wird ein Wald mit vielen Lichtungen, um Raum für noch mehr Tier- und Pflanzenarten zu schaffen. Für die Landstraße und andere öffentliche Wege im Projektgebiet ist die Kommune Tondern (Tønder) zuständig. Das gilt auch für die angestrebte Verlegung von Metallsperren (færist) quer über Fahrbahnen an den Grenzen des Naturnationalparks, damit die Weidetiere nicht davonlaufen können.

Was sind Naturnationalparks?

Behinderten- und familiengerechte Wanderwege

Offene Flächen gibt es bereits im Nordwesten des Waldes. Dort hat die Naturbehörde vor rund 20 Jahren Flächen erworben, die sich selbst überlassen blieben.

Die frühere Museumsleiterin in Tondern, Elsemarie Dam-Jensen, die auch im lokalen Vorstand der Naturnationalparkplanung vertreten ist, erklärte, von örtlicher Seite werde Wert darauf gelegt, dass auch Gehbehinderten und Familien mit Kinderwagen weiter eine Nutzung der Wanderwege im Drawitter Wald möglich ist.

Martin Brink hatte berichtet, dass schon jetzt bei der Naturpflege in Drawitt die Vernässung des Waldes gefördert werde, was mitunter die Passage erschweren könne. Er erwähnte auch, dass es ein Willkommenscenter im nördlichen Bereich des Waldes am einstigen Waldhüterhaus geben soll, voraussichtlich auch mit Schutzhütten, den sogenannten „Sheltern, als einfache Übernachtungsplätze.

Brink unterstrich, dass das Umweltministerium und der wissenschaftliche Beirat das letzte Wort bei der Ausgestaltung des Naturnationalparks haben. Während der Wanderung, die am Beobachtungspunkt Königsmoor in Anwesenheit Tausender blutdürstiger Mücken endete, gab Elsemarie Dam-Jensen Informationen zur Kulturgeschichte des Gebietes. Und sie lud zur nächsten Feldwegewanderung von „By og Land Vestsleswig“ am Sonntag, 28. September, 14 Uhr, durch die Ballumer Heide ein. Treffpunkt ist die Kirche in Schads (Skast).

Ziel ist auch eine weitere Vernässung des Waldes, was zum Absterben großer Bäume führen kann. Das wiederum gibt seltenen Spechten und vielen teilweise vom Aussterben bedrohten Insekten Lebensraum.

Beschlossene und potenzielle Naturnationalparks

Martin Brink von der Naturbehörde ist Projektleiter für den Naturnationalpark Drawitter Wald, während Elsemarie Dam-Jensen im lokalen Vorstand der Naturnationalparkplanung vertreten ist.