Vor 100 und vor 50 Jahren

Chronik März

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Die ehemalige Klosterscheune von Kloster Kaalund in Kaalundborg brannte 1975 ab, wurde aber sofort wieder aufgebaut. Man lese mehr unter dem 20. März des Jahres.

Die Schlagzeilen von diesem März sind ganz anders als noch vor 100 und vor 50 Jahren. Jürgen Ostwald hat im Archiv die Zeitungen durchforstet und nimmt die Leserinnen und Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit.

Montag, 2. März 1925

Reichspräsident Ebert gestorben

Friedrich Ebert, der erste deutsche Reichspräsident, ist einem tückischen Leiden erlegen, wenige Monate, bevor seine Amtszeit abgelaufen war und das deutsche Volk sich über die Neubesetzung schlüssig werden sollte. Diese Wahl warf schon ihre Schatten voraus, wenngleich man stark mit der Wiederwahl Eberts rechnete.

Der Nachruf auf Friedrich Ebert, der am 28. Februar gestorben war, begann mit einer tagespolitischen Einschätzung. Doch enthielt sich der Verfasser jeder kritischen oder gar abwertenden Äußerung, die aus Sicht eines damaligen Nordschleswigers vielleicht sogar nahegelegen, aber der Gattung eines Nachrufs nicht entsprochen und einer gutbürgerlichen Grundhaltung völlig widersprochen hätte. Friedrich Ebert, der schon vor dem Krieg die Nordschleswig-Frage verfolgte, war mit den grenzrevisionistischen Forderungen der führenden Nordschleswiger nicht einverstanden. Der Nachruf ist von warmherzigem Einfühlungsvermögen und zeugt von Verständnis. Er stammt wahrscheinlich nicht aus der Feder von Emil Kühler, dem Schriftleiter unseres Blattes.

Montag, 2. März 1925

Im Alter von 77 Jahren ist in Blankenese die Dichterin Charitas Bischoff, die Gattin des seinerzeit im Kanal ums Leben gekommenen Pastors von St. Marien in Rendsburg, gestorben. Das Hauptwerk der Dichterin, ihre „Amalie Dietrich“, ist mit Recht als ein Kulturdokument hohen Ranges bezeichnet worden, das weit von allen Literaturmoden ablag und sich doch einen nach Tausenden zählenden Leserkreis verschaffte.

Gerade in Nordschleswig hatte Charitas Bischoff ungezählte Leserinnen und Leser. Denn sie behandelt in ihren Erinnerungen die Zeit als Pastorenfrau in Nordschleswig. Wir werden an anderer Stelle auf sie zurückkommen.

Donnerstag, 12. März 1925

Ein deutscher Schriftsteller in Kopenhagen

Der deutsche Schriftsteller Hermann Stehr hielt in Kopenhagen einen Vorleseabend ab. Hermann Stehr war eingeladen von der Gesellschaft von 1916. Ein zahlreiches Publikum hörte seinem Vortrage zu.

Mit diesen Worten berichtete unsere Zeitung – wohl einer kurzen Ritzau-Meldung folgend – über diesen Besuch, der ein abermaliges Licht auf die Arbeit der dänischen „Gesellschaft von 1916“ wirft, die wir hier schon mehrfach vorgestellt haben. Hermann Stehr (1864-1940) ist heute vergessen. Kein Roman, keine Erzählung ist im deutschen Buchhandel greifbar. Sein berühmtester Roman „Heiligenhof“, 1918 bei Samuel Fischer erstmals erschienen, wurde 1955 ein letztes Mal aufgelegt. Er hatte eine Gesamtauflage von fast einer halben Million Exemplaren erreicht! Der Grundtenor seiner Werke kam einem konservativen Lesepublikum der Zeit entgegen:

Der landschaftsgebundene Naturalismus (Stehr war Schlesier) verband sich mit einem bäuerlichen Mystizismus. Stehr war damals Anhänger der Republik. Er war ein Freund Walter Rathenaus. Später rückte er davon ab. Er wurde ein Vorzeigeautor der Nationalsozialisten. Das heißt aber nicht, dass er damals ein Nazi-Autor war und heute auch nur noch unter den Nachkommen der Vertriebenen aus Schlesien Wert genießt. Seine Anfänge als Roman-Autor unmittelbar nach 1900 wurden enthusiastisch begrüßt - etwa von Hugo von Hofmannsthal, der über „Der begrabene Gott“ (1903) schrieb: „Hier ist etwas gemacht aus dem Dunkelsten und Tiefsten des Lebens.“

Freitag, 13. März 1925

Bau einer Privatschule in Apenrade

Die vom Verein für das Deutschtum im Ausland, Landesverband Schleswig-Holstein, im Anschluss an die Kieler Schulvorträge des Bürgermeisters von Schrabisch veranstaltete einwöchige Sammlung für den Bau einer deutschen Privatschule in Apenrade, hatte in Kiel ein glänzendes Ergebnis. Im Ganzen sammelten die Schüler und Schülerinnen der Kieler höheren Lehranstalten 15.774 Mark. Die Sammlung wurde im Februar und März an allen Orten der Provinz und höheren Lehranstalten durchgeführt. Ihr Endergebnis steht noch aus.

Die Sammlung galt dem Bau des späteren deutschen Gymnasiums in Apenrade, das bis vor einigen Jahren der Polizei gedient hatte und kürzlich einen neuen Besitzer gefunden hat.

Montag, 16. März 1925

Ein Stinnes-Monument

Die Familie Hugo Stinnes hat den Schöpfer des Hamburger Bismarck-Denkmals, Hugo Lederer, den Bildhauer Professor Peter Behrens-Berlin und den Dresdner Bildhauer Professor Wrba mit Entwürfen für ein Monument zum Andenken an Hugo Stinnes betraut. Jeder der Künstler erhält für seinen Entwurf 10.000 Mark.

Das Monument wurde das Mausoleum der Familie. Für Hugo Stinnes, dem führenden deutschen Industriellen der Zeit, der im April 1924 verstorben war, baute Hugo Lederer die große Grabstätte auf dem Alten Friedhof in Mülheim an der Ruhr.

Peter Behrens, der noch heute bekannte Architekt, und der heute weniger bekannte Bildhauer Georg Wrba, der übrigens auch in Nordschleswig mit einem Denkmal vertreten ist, gingen leer aus.

Dienstag, 17. März 1925

Viele Leser unserer Zeitung kennen noch das Sonderburger Kino „kinorama“, das 2018 endgültig seine Pforten schloss. Das „kinorama“ war einstmals der neue Name des 1920 in der Perlegade gegründeten „Kosmorama“, das es andernorts in Sonderburg bereits seit 1907 gab. In dem Eisenbahn-Film „Full Speed“ wurde der Hauptdarsteller Charles Hutchinson als „der dummdreisteste Filmschauspieler“ vorgestellt. Der dänische Eigentümer des Kinos bewarb den Film natürlich in dänischen Zeitungen. Und Hutchinson, einer der damals bekanntesten Action-Künstler, galt dort selbstverständlich als „dumdristig“. Wieso man in der deutschsprachigen Anzeige gedankenlos eine wörtliche Übertragung von dumdristig wählte, und damit etwas ganz anderes als das Gemeinte offerierte, bleibt rätselhaft.

Mittwoch, 18. März 1925

Vom deutschen Schulwesen in Posen

Die Stadt Posen zählt zurzeit rund 190.000 Einwohner, darunter nur noch 6.500 Deutsche. Die führende wirtschaftliche und geistige Oberschicht ist infolge Abwanderung stark zusammengeschmolzen, die deutsche Bevölkerung verarmt und ihr kulturelles Eigenleben hat gegenüber den zahlreichen starken Hemmnissen einen schweren Stand. Die Stadt Posen hat noch zwei höhere Schulen, ein Gymnasium und ein Lyzeum, beides Privatanstalten, die der Schulverein unterhält. Das Gymnasium hat 430 Schüler in fünfzehn Klassen und eine Vorklasse, achtzehn vollbeschäftigte Lehrer und einige Hilfskräfte; Direktor ist Prof. Stiller. Das Lyzeum unter der Leitung der Oberlehrerin Fräulein Schiffer hat sieben Klassen und drei Vorklassen mit 300 Schülerinnen und zehn Lehrerinnen; die deutsche Bürgerschule hat ihre letzte Klasse mit Ablauf des Schuljahres schließen müssen. Die Volksschule ist siebenstufig mit vierzehn Klassen, 580 Schülern und sechzehn Lehrkräften unter Rektor Gutsche. Daneben bestehen noch zwei Privatkindergärten und eine zweiklassige jüdische Schule mit deutschem Unterricht. Die gewerbliche Fortbildungsschule hat noch eine deutsche Klasse, und die höhere Handelsschule nur noch einen deutschen Lehrer. Der Verwaltungsbezirk Posen hat noch drei deutsche Gymnasien, vier Anstalten ohne Reifezeugnis und vier Lyzeen; an staatlichen deutschen Volksschulen zählte man im Jahr 1924 noch 550 mit 39.500 Kindern und 559 Lehrkräften. Im neuen Jahr hat man nahezu 100 Schulen geschlossen. Tausende deutscher Kinder sind dadurch gezwungen, polnische Schulen zu besuchen; Privatvolksschulen, die der Deutsche Schulverein unterhält, etwa 60 an der Zahl, sind nur ein Notbehelf. So ist das einst so blühende deutsche Schulwesen von Stadt und Bezirk Posen in unaufhaltsamem Rückgang begriffen.

Das Mausoleum der Familie Stinnes in Mülheim an der Ruhr mit dem Grabmal von Hugo Stinnes.

Sonnabend, 21. März 1925

Professor Valentin und die Nordgrenze

Anzeige in der Sonderburger Zeitung vom 17. März 1925. Harold Lloyd und Charles Hutchinson waren damals sehr bekannte Schauspieler in der Filmwelt.

Auf die Anfrage der volksparteilichen Abgeordneten im Preußischen Landtag, Frau Voigt und Schröter, betreffs des Buches des Reichsarchivrates Professor Dr. Veit Valentin, hat das Preußische Kultusministerium folgendermaßen geantwortet: „ … Was die Äußerungen des Reichsarchivrates. Prof. Dr. Veit Valentin, angeht, so hat das Zentralinstitut bereits von sich aus eine Nachprüfung der Angelegenheit vorgenommen und veranlasst, dass für die in Vorbereitung befindliche 2. Auflage eine Fassung vereinbart wird, die dem oben charakterisierten Zwecke des Buches entspricht. - Im Übrigen steht die von Professor Valentin vertretene Auffassung im Gegensatz zu der wiederholt zum Ausdruck gebrachten Ansicht der Staatsregierung. Gez. Becker.“ Somit hat die Anfrage der beiden Abgeordneten der Deutschen Volkspartei die gewünschte Wirkung erzielt.

Die Meldung unserer Zeitung geht offenbar auf eine Ritzau-Meldung, der dänischen Nachrichtenagentur, zurück, da sie wortgleich (natürlich auf Dänisch) in verschiedenen Tageszeitungen des Königreichs veröffentlicht wurde. Richtig schlau wird man aber aus der Meldung nicht. Keine Erläuterung des Vorgangs klärte den Leser auf. Was war geschehen? Veit Valentin (1885–1947) war einer der wenigen republikanisch gesinnten Geschichtswissenschaftler der Zwanzigerjahre in der sonst von nationalkonservativen Personen beherrschten deutschen Historikerzunft in und außerhalb der Universitäten. Im Auftrag des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht, einer halboffiziellen Institution, hatte er am Schulbuch „Staatsbürgerliche Erziehung“ mitgewirkt, das vom preußischen Kulturministerium mitfinanziert worden und 1924 als offizielles Lehrbuch in die Schulen und in den Buchhandel gekommen war. In dem immerhin 494-seitigen Buch findet sich folgende kurze Passage über die Abstimmungsergebnisse von 1920: „Die Verluste Preußens an Land sind nun ganz verschieden zu bewerten: Gegenüber Dänemark ist altes Unrecht wieder gutgemacht worden, wenn auch für die dänischen Expansionsbestrebungen etwas zu vorteilhaft.“ Diese Wortwahl „wieder gutgemacht“ wurde von den grenzrevisionistischen Netzwerkern in- und außerhalb Nordschleswigs inkriminiert und man versuchte mit allen Mitteln dagegen anzugehen. Im Preußischen Landtag gab es deswegen eine Anfrage der Abgeordneten Jane Voigt und Carl Schröter. Jane Voigt (1875–1961) stammte aus Wimmersbüll, einem kleinen Dorf westlich Süderlügums, nur wenige hundert Meter südlich der Grenze. Sie war Lehrerin in Flensburg und seit 1921 Abgeordnete im Preußischen Landtag für die Deutsche Volkspartei. Carl Schröter aus Neustadt/Holstein war Gymnasiallehrer. Von den Nazis wurde er aus dem Schuldienst entfernt. Er war seit 1924 Mitglied des Preußischen Landtages und nach dem Krieg eine führende Person in der CDU (stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion). Die Antwort des Kultusministers 1925, aus der oben zitiert wird, fand wohl Eingang in die 520-seitige Neuauflage des Schulbuches von 1926. Ich konnte es jedoch nicht nachprüfen. Charakteristisch für die Zeit ist, dass es eine kurze Textstelle als Aufreger bis in den Preußischen Landtag schaffte.

Montag, 23. März 1925

Zum Professor ernannt wurde Dr. Gerhard Castens, Regierungsrat an der Deutschen Seewarte in Hamburg. Genannter, ein Sohn des früheren Haderslebener Seminardirektors, Schulrat Adolf Castens, besuchte das Haderslebener Gymnasium bis 1898, studierte in Marburg und Kiel Mathematik und Naturwissenschaften und war 1906 bis 1919 Landesmeteorologe in Deutsch-Ostafrika. Gegenwärtig ist er Schriftleiter der von der Seewarte herausgegebenen „Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie“.

Montag, 23. März 1925

H. C. Andersen-Ausstellung in Berlin

Die dänischen Blätter bringen lange Berichte über die Vorbereitungen zu einer großen H. C. Andersen-Ausstellung, die in der Zeit vom 24. Oktober bis zum 21. November in Berlin abgehalten werden soll. Der Vorsitzende des die Ausstellung vorbereitenden Komitees ist der bekannte Professor Karl Larsen. Außer diesem gehören dem Komitee u. a. an der Direktor im Deutschen Außenministerium, Heilbron, Geheimrat Dr. Peter Jessen, der Generaldirektor der Deutschen Staatsbibliothek, Geheimrat Nilkau, der deutsche Gesandte in Kopenhagen, vom Mutius, der dänische Gesandte in Berlin, Kammerherr Zahle, Prof. Hans Brix, der Schriftsteller Sophus Michaelis und Oberbibliothekar Carl S. Petersen. Der äußere Anlass der Ausstellung ist, dass sich in diesem Jahr der Todestag H. C. Andersens zum 50. Male jährt. Die Ausstellung soll denselben Charakter haben wie die Goethe-Ausstellung, die seinerzeit in Kopenhagen abgehalten wurde. Das Leben des Märchendichters soll durch Briefe, Manuskripte, persönliche Erinnerungsstücke und Vorträge veranschaulicht werden. Eine Ausstellung der Bücher H. C. Andersens wird von Berliner Buchhändlern veranstaltet. Folgende Vorträge sind vorgesehen: Prof. Valdemar Vedel: „Der dänische Charakter der Märchen H. C. Andersens“; Prof. Karl Larsen: „H. C. Andersens Leben, Tod und Nachruhm“, und Dr. Gustav Neckel: „H. C. Andersen und Deutschland“. Die gesamten Kosten der Ausstellung werden von dem deutschen Ausschuss, der sich in Berlin gebildet hat, getragen.

Die ausführliche Berichterstattung über die geplante Andersen-Ausstellung zum 50. Todestag beweist den kulturpolitischen Wert, den man ihr in Deutschland wie in Dänemark beimaß.

Montag, 30. März 1925

Einer der hervorragendsten Geistlichen der Nordmark und einer der ältesten unserer Landeskirche, Pastor D. Prahl in Alt-Hadersleben, vollendet am Montag, den 30. März, sein 80. Lebensjahr. Hans Schlaikjer Prahl wurde am 30. März 1845 in Osterlügum bei Apenrade geboren. Er wirkte zunächst als Adjunkt an der St. Johanniskirche in Altona, wurde 1973 zum Pastor in Medolden (Kreis Tondern) ernannt und siedelte nach drei Jahren nach Mögeltondern über. Seit 1894 ist er in Alt-Hadersleben tätig und leitete nebenamtlich viele Jahre das Predigerseminar für Nordschleswig.

Die Zusendung aus Hadersleben wurde natürlich auch in Sonderburg verbreitet. Denn Hans Schlaikjer Prahl zählt in der nordschleswigschen Kirchengeschichte zu den herausragenden Persönlichkeiten. Vor einigen Jahren erschien von Uwe Pörksen ein Familienroman zur Pastorendynastie Prahl unter dem Titel „Riß durchs Festland“, der in allen nordschleswigschen Büchereien ausleihbar ist.

Freitag, 14. März 1975

Alte Kirche in neuem Gewand

Die einsam auf der weiten Ebene des nordschleswigschen Mittelrückens liegende Kirche von Bjolderup ist eine der ältesten Kirchen im Umkreis von Apenrade. Sie ist um 1200 erbaut und gleicht mit dem hochragenden Turm der alten Hardenkirche in Ries. Wie so viele Kirchen unserer Heimat wurde auch die Kirche in Bjolderup im Dreißigjährigen Krieg hart mitgenommen. Sie ging 1628 in Flammen auf, und alles Inventar, auch der Altar und die Kanzel, stammen aus jüngerer Zeit. Früher war in dem Wall, der den Kirchhof umgibt, ein Runenstein eingelassen, der 1841 nach Kiel kam ins Museum Vaterländischer Altertümer. Der Zahn der Zeit hatte auch die Kirche in Bjolderup nicht verschont. Reichlich zwei Jahre hat man auf eine gründliche Renovierung verwendet und es ging so wie bei allen Renovierungen: Fängt man erst einmal an, so zeigen sich immer neue Mängel. (…) In mehreren Veranstaltungen wird der Gemeinde Gelegenheit gegeben, sich der Neuerungen, die das alte Gotteshaus erfahren hat, zu freuen.

Sonnabend, 15. März 1975

Schriftsteller Ivo Andric gestorben

Im Alter von 82 Jahren ist der jugoslawische Schriftsteller Ivo Andric in einem Belgrader Militärkrankenhaus gestorben. Der Autor der weltbekannten Romane „Die Brücke über die Drina“ und „Wesire und Konsuln“ galt als Jugoslawiens bedeutendster Schriftsteller und erhielt 1961 den Nobelpreis. Vor drei Monaten war er mit Störungen der Blutzirkulation des Gehirns aus seiner Belgrader Wohnung in das Krankenhaus gebracht worden. In seinen Romanen und Erzählungen schildert Andric die Geschichte und das Leben der in seiner bosnischen Heimat unter der Herrschaft der Türken und der Österreicher.

Donnerstag, 20. März 1975

Ehemaliges Kloster brannte völlig aus

Der größte Teil des mehrere hundert Jahre alten ehemaligen „Kaalund kloster“ in Kalundborg brannte gestern Morgen aus. Das zweistöckige Gebäude, das in der Stadtmitte von Kalundborg liegt, gehört der Kommune, die hier ihre Technische Verwaltung untergebracht hatte. Ein anderer Teil des Klosters, das unter Denkmalschutz steht, war an eine Textilfirma vermietet. Nach Angaben der Polizei ist das Feuer in der Textilfirma ausgebrochen.

Nach dem zerstörerischen Brand wurde sogleich mit dem Neuaufbau begonnen. Heute erstrahlt der schöne, langgestreckte, zweistöckige Bau von 1751/52 wieder in alter Schönheit. Errichtet wurde der ursprünglich als Klosterscheune errichtete Bau von dem aus Sachsen-Gotha stammenden Architekten Johann Christian Conradi (1709–1779), der 1737 als Maurermeister nach Dänemark kam und bald als dänischer Bauinspektor besonders in Kopenhagen viel beschäftigt war. Auch dieser Bau zeigt deutlich den Einfluss des damals führenden dänischen Architekten Nicolai Eigtved (1701–1754).

Die Kirche zu Bjolderup