Demografischer Wandel

Tondern steht vor dem Seniorenansturm

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Die Alterung der Gesellschaft gilt als bekanntes Phänomen – wie schnell die Zahl der Hochaltrigen jedoch zunimmt, zeigen aktuelle Zahlen von Dansk Industri (DI) deutlich.

Die Zahl der Hochbetagten in ganz Nordschleswig steigt rasant – und die Kommunen stehen unter Zugzwang: Wo sollen all die Menschen über 80 künftig wohnen?

In der Kommune Tondern leben heute rund 2.600 Menschen, die 80 Jahre und älter sind. In nur 15 Jahren – also 2040 – wird diese Zahl laut der dänischen Industrie- und Arbeitgebervereinigung Dansk Industri (DI) auf etwa 4.100 steigen. Das entspricht einem Anstieg von 57Prozent. In Apenrade (Aabenraa) liegt das prognostizierte Wachstum bei rund 47 Prozent. Hadersleben (Haderslev) steht mit knapp 39,5 Prozent nur wenig besser da. Sonderburg (Sønderborg) dagegen liegt mit knapp 25 Prozent am unteren Ende der Rangliste. Die Kommune belegt sogar in der Landesübersicht einen der unteren zehn Plätze von insgesamt 98 Kommunen.

„Ich wusste, dass wir älter werden – aber die konkreten Zahlen sind trotzdem ein Augenöffner“, sagt Jesper Toft Mathiasen, Vorsitzender von DI Sydvestjylland. „Die Kommunen müssen sich dieser Herausforderung jetzt stellen.“

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Mehr Pflegeplätze – aber wie?

Was bedeutet diese Entwicklung konkret? Laut DI braucht es in den kommenden Jahren für Seniorinnen und Senioren deutlich mehr Wohnungen, Pflegeplätze und Personal. Doch weil Kommunen jedes Jahr nur ein begrenztes Budget für Bauprojekte zur Verfügung haben, stoßen viele bereits jetzt an ihre Grenzen. Besonders problematisch: Der Bau von Pflegeheimen konkurriert finanziell mit anderen dringend nötigen Investitionen – etwa in Schulen, Kindergärten oder die Infrastruktur.

DI schlägt deshalb vor, vermehrt auf sogenannte „Friplejehjem“ – also privat betriebene Pflegeheime – zu setzen. So könnten Kommunen Teile ihrer Baukapazität für andere Projekte nutzen, während private Akteure den dringend benötigten Ausbau der Pflegeinfrastruktur übernehmen.

„Das ist ein gangbarer Weg, der sowohl Kommunen als auch Bürgerinnen und Bürgern zugutekommt“, meint Jesper Toft Mathiasen.

Es braucht neue Lösungen – auch jenseits der Pflegeheime

Neben dem reinen Bau von Pflegeplätzen verweist DI auch auf die Notwendigkeit, mehr in sogenannte Pflegetechnologien (velfærdsteknologi) zu investieren. Digitale Monitoringsysteme, intelligente Inkontinenzhilfen oder Sprachsteuerung können Fachkräfte entlasten und älteren Menschen helfen, länger selbstständig zu leben.

Gleichzeitig bleibt das größte Problem ungelöst: der Mangel an qualifiziertem Personal in der Pflege – schon heute eine Realität, in 15 Jahren ein noch größeres Problem.

Tondern ist keine Ausnahme

Auch in anderen Kommunen der Region ist die Lage ähnlich. „Es ist eine Herausforderung, die alle süddänischen Kommunen betrifft“, sagt Mathiasen. „Wenn wir in 15 Jahren vorbereitet sein wollen, müssen wir jetzt handeln.“

Ein erster Schritt sei die Öffnung gegenüber privaten Trägern im Pflegebereich. Einige Kommunen – darunter Tondern – hätten diesen Weg bereits eingeschlagen. Ein Beispiel ist das Pflegeheim „Møllevangen“ in Aggerschau (Agerskov).

„Das ist ein guter Anfang, denn wenn die ersten Schritte gemacht sind, wird es einfacher, die Zusammenarbeit auszubauen und noch mehr freie Pflegeheime zu eröffnen. Ich hoffe sehr, dass die Kommunen das tun werden“, sagt Jesper Toft Mathiasen von DI Sydvestjylland.

Friplejehjemmet Møllevangen

Das private Pflegeheim ist nicht direkt an die Kommune gebunden und kann somit mehr Flexibilität in der Gestaltung des Alltags der Bewohnenden bieten. Es verfolgt das Konzept der Eden-Alternative. Es zielt darauf ab, Einsamkeit, Langeweile und Hilflosigkeit zu reduzieren und den dort wohnenden Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.