Kollision

Trauer und Fragen nach Zugunglück: 60-Jährige stirbt, zwei in kritischem Zustand

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Ein Personenzug auf dem Weg von Kopenhagen nach Sonderburg entgleiste am Freitagnachmittag nahe Klipleff nach einer Kollision mit einem Gülletransporter. Dabei kam eine Person ums Leben.

Bei einem schweren Zugunfall auf der Strecke zwischen Tingleff und Klipleff ist am Freitagnachmittag eine 60-jährige Frau ums Leben gekommen. Zwei weitere Personen – der Lokführer und der Fahrer des Gülletransporters – schweben in Lebensgefahr. Das Unglück hat in Nordschleswig große Bestürzung ausgelöst, während die Polizei die genauen Umstände untersucht.

Bei dem schweren Zusammenstoß zwischen einem Zug und einem Gülletransporter am Freitagnachmittag in Nordschleswig ist eine 60-jährige Frau gestorben. Der Lokführer und der Fahrer des Transporters kämpfen weiterhin um ihr Leben. Das teilte die Polizei für Südjütland und Nordschleswig am Sonnabendvormittag auf einer Pressekonferenz mit.

Laut Polizei waren insgesamt 106 Personen von dem Unglück betroffen. Der Zug war auf dem Weg nach Sonderburg (Sønderborg) und sollte planmäßig um 17.13 Uhr ankommen.

Schulklasse unversehrt, aber erschüttert

Unter den Passagieren waren 25 Schülerinnen und Schüler einer 5. Klasse sowie zwei Lehrkräfte der Sønderskov-Schule in Sonderburg, die von einer Klassenfahrt in Silkeborg zurückkehrten.

Sonderburgs Bürgermeister Erik Lauritzen (Soz.) versicherte auf Facebook, dass die Betroffenen Unterstützung erhalten: „Keines der Kinder wurde schwer verletzt, aber sie sind verständlicherweise erschüttert. Meine Gedanken sind bei den betroffenen Familien. Dieses Trauma werden sie nie los. Es ist eine schreckliche Erfahrung, die diese Klasse durchmachen musste.“

Er ergänzte: „Glücklicherweise haben wir ein sehr gutes Team und eine kompetente Schulleitung, die nun die nächsten Schritte beurteilt. Dabei kann es sehr individuell sein, welche Unterstützung nach einem solchen Unfall benötigt wird.“

Die Kommune organisierte für Sonnabend ein Krisentreffen mit psychologischer Betreuung für die Kinder und ihre Angehörigen.

Einsatz am Unfallort

Am Freitagabend durchkämmten Polizeihunde und Drohnen das Gebiet. Ein Kran hob entgleiste Waggons an, um sicherzugehen, dass keine weiteren Personen verletzt worden waren. Das Unfallgebiet bleibt gesperrt. Passagiere, die ihr Gepäck im Zug zurücklassen mussten, werden um Geduld gebeten.

Sicherheit an Bahnübergängen in der Diskussion

Das Unglück ereignete sich an einem unbeschrankten Bahnübergang, der lediglich mit Glocken und Lichtsignalen auf herannahende Züge hinweist. Ob die Signale zum Zeitpunkt des Unfalls funktionierten, untersucht die Havariekommission in Zusammenarbeit mit der Polizei. Die Polizei teilte mit, der Zug sei bei der Kollision „mit relativ hoher Geschwindigkeit“ unterwegs gewesen.

Bahnexperte Kristian Madsen von der Ingenieurvereinigung IDA erklärt laut „Ritzau“: „Anhand der Logdaten des Zuges lässt sich relativ einfach feststellen, ob Lichtsignale und Glocken korrekt funktioniert haben. Schranken sind die sicherste Lösung, werden aber aus Kostengründen nicht überall installiert. Wenn man alle Bahnübergänge mit Schranken sichern wollte, würde das viele Millionen kosten. Das ist stets ein Diskussionsthema.“

DSB-Chef mahnt zur Zurückhaltung bei Schuldfrage

DSB-Chef Flemming Jensen sagte auf der Pressekonferenz: „Es ist eine schreckliche Unglücksgeschichte, die uns alle berührt. Ich bin zutiefst betroffen, dass unsere Fahrgäste und unser Personal eine so tragische Erfahrung machen mussten.“ Gleichzeitig forderte er, keine vorschnellen Schlussfolgerungen zu ziehen und die Schuldfrage nicht voreilig zu klären.

Politische Reaktionen

Neben Sonderburgs Bürgermeister Erik Lauritzen äußerte sich auch Apenrades Bürgermeister Jan Riber Jakobsen (Konservative) auf Facebook: „Meine tiefsten Gedanken gelten den Hinterbliebenen, die in dieser tragischen Situation eine nahestehende Person verloren haben, den Verletzten sowie den Angehörigen aller, die bei dem Unglück anwesend waren. Ein großer Dank gilt zudem dem Rettungsdienst und den beteiligten Behörden für ihren schnellen, professionellen und engagierten Einsatz unter äußerst schwierigen Umständen.“

Transportminister Thomas Danielsen (Venstre) bezeichnete den Unfall in einem schriftlichen Kommentar ebenfalls als „tief tragisch“: „Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Havariekommission, Banedanmark und DSB nun vollständig klären, wie es zu dem Unfall gekommen ist, bevor wir irgendwelche Schlüsse ziehen. Ich habe großes Verständnis dafür, dass insbesondere die Angehörigen Antworten benötigen, und deshalb werden alle Aspekte des Unfalls gründlich untersucht.“

Auch Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.) äußerte sich betroffen: „Ich bin zutiefst erschüttert über das Zugunglück bei Behrendorf, das auf tragische Weise Menschenleben gekostet und mehrere schwer verletzt hat. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen, den zahlreichen Verletzten und allen, die derzeit von dem Unglück betroffen sind. Ich hoffe, dass alle die bestmögliche Hilfe und Unterstützung erhalten und spüren, dass wir als Gemeinschaft zu ihnen stehen.“

Aufräumarbeiten und Zugverkehr

Die Polizei teilt mit, dass sie noch längere Zeit am Unfallort im Einsatz bleiben werde. Anschließend sollen die Aufräumarbeiten beginnen. Die DSB kündigten an, dass der Zugverkehr auf der Strecke frühestens am Montag wieder aufgenommen wird. In der Zwischenzeit werden Busse eingesetzt.

Das ist über das Zugunglück bekannt