Kommentar

„Zukunftsprojekte? Apenrade will!“

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Stadtentwicklung: Müssen das Gebäude sein? In einem Leserbrief winkt SP-Kandidat Kurt Asmussen schon ab. Apenrade sei zu stur für Fortschritt. Hannah Dobiaschowski gibt in ihrem Kommentar zu bedenken: Viele hier wollen Entwicklung – nur muss es ja nicht immer ein Haus sein.

In seinem Leserbrief vom 30. Juli beklagt Kurt Asmussen, Spitzenkandidat der Schleswigschen Partei (SP) zur Kommunalwahl in Apenrade, den Widerwillen in der Stadt Apenrade gegen Entwicklungsprojekte und fragt sich, ob die Energie dafür nicht an Orten investiert werden soll, die aufgeschlossener sind.

Meine erste Reaktion war: Nein, gebt Apenrade nicht auf! Auch hier sind Menschen, die den Fortschritt wollen, die zukunftsorientierte Projekte unterstützen. Apenrade besteht nicht nur aus konservativen Neinsagern, lasst uns nicht alleine.

Ja zu „Hvalen“ und ja zu … ach, der Nørreport. Für Kurt Asmussen sind die geplanten Bauprojekte ein Schritt in die Zukunft, gegen den er Widerstand erfährt. Aber ein Perspektivwechsel macht schnell klar: Hier wird gar nicht Nein gesagt, sondern Ja zu grüner Stadtentwicklung, Ja zur Gemeinschaft, Ja zur Mitbestimmung. In Tingleff wird für ein Aktivitätshaus gekämpft, in Apenrade für einen Park in der Stadt. Geht es da nicht im Grunde um das Gleiche?

Was ist, wenn ich für den Park und den Wal bin?

Wenn Stadtentwicklung bedeutet, Gebäude zu bauen, hat Asmussen einen Punkt. Dann ist der Widerstand groß und die Neinsager-Dichte hoch. Entwicklung meint aber mehr als Sachen mit mehreren Stockwerken und einem Dach. Es geht um Lebensqualität, und die entsteht nicht nur durchs Wohnen, sondern auch durch Begegnung und Freizeitmöglichkeiten.

Ich wünsche mir für Apenrade auch viel mehr Entwicklung, erlebe die Neinsager aber oft in der Politik. Nachtleben für junge Leute? Nö. Denn die stören. Badeanstalt am Strand? Njjaaaein … vielleicht. Aber später. Nicht jetzt.

Ist das attraktiv für junge Leute, die man gern in der Kommune halten will? Nein. Unsere Zukunft zieht weg, und ich möchte meinen Kindern auch zurufen, wenn sie alt genug sind: Lauft! Geht dahin, wo der Widerstand gegen euch nicht so hoch ist.

Wer gerne SP wählen will, aber auch für einen Park am Nørreport ist, kann Asmussen wählen, aber den Peter. Der ist nämlich für den Erhalt der grünen Oase mitten in der Stadt.

Und somit hat uns das Leben wieder eine Lehre gegeben. Achtung, moralische Worte zum Schluss: Wir sind eben alle unterschiedlich. Was für die einen ein Nein ist, ist für die anderen ein Ja. Es gibt nicht nur Schwarz oder Weiß, sondern viele Zwischentöne und unterschiedliche Perspektiven. Die Politik könnte akzeptieren, dass Menschen unterschiedliche Ansichten und Bedürfnisse haben, so wie SP-Wählerinnen und -Wähler akzeptieren müssen, dass das sogar innerhalb der Partei so ist.

P.S.: Wen muss ich eigentlich wählen, damit jemand dieses Konzerthaus auf dem Wasser baut? Das hätte ich gerne. Hat auch ein Dach.