Politik

Thomas Andresen möchte ins Folketing

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Thomas Andresen bei einem Stadtratstreffen im Rathaus (Archivfoto)

Der Venstre-Kommunalpolitiker und ehemalige Bürgermeister aus Apenrade hat im sozialen Medium „Facebook“ angekündigt, bei der kommenden Folketingswahl zu kandidieren. Im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“ spricht er über seine Beweggründe, den politischen Zeitpunkt – und darüber, warum die deutsche Minderheit in seinen Plänen eine zentrale Rolle spielt.

Warum jetzt den Schritt von der Kommunal- in die nationale Politik?
„Ich habe in den vergangenen Jahren gemerkt, dass viele zentrale Entscheidungen für unsere Region in Kopenhagen gefällt werden. Ob es um Infrastruktur, Energie, Bildungseinrichtungen, die Entwicklung des Hafens oder um die Zukunft der Region geht – vieles entscheidet sich national. Wir brauchen jemanden, der die besonderen Herausforderungen unserer Region in Kopenhagen glaubwürdig erklären kann. Der Gedanke, mich für das Folketing aufstellen zu lassen, ist deshalb über längere Zeit gereift – auch schon lange vor der jüngsten Kommunalwahl. Als Bürgermeister war ich regelmäßig auf Christiansborg und habe dort das Zusammenspiel zwischen kommunaler, bürgernaher Politik und der nationalen Gesetzgebung gut kennengelernt. Dieses Spannungsfeld hat mich über Jahre hinweg interessiert. Meine klare erste Priorität war jedoch, das Bürgermeisteramt zurückzugewinnen. Die konkrete Entscheidung, für das Folketing zu kandidieren, hat sich erst nach der Kommunalwahl herausgebildet. Ich glaube, jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um Verantwortung auf einer neuen Ebene zu übernehmen. So wird national festgelegt, wie die Flächennutzungspläne aussehen sollen. Das spielt in den Kommunen eine wichtige Rolle für die Zukunft, denn wenn wir bauen wollen, müssen die Grundvoraussetzungen dafür verändert werden.“

Wie sind die Wahlchancen?
„Venstre ist in Sønderjylland traditionell stark verankert, gleichzeitig ist die politische Landschaft unübersichtlicher geworden. Ich rechne mir Chancen aus, aber ich gehe realistisch an die Sache heran: Das wird kein Selbstläufer. Eine Kandidatur bedeutet harte Arbeit, viel Präsenz und das Vertrauen der Menschen. Ich möchte mit klaren, regionalen Themen überzeugen – nicht mit großen Versprechen.“

Solch eine Entscheidung beeinflusst auch die Familie. Wie hat diese reagiert?
„Meine Frau, Vivi, hatte sich ursprünglich gegen eine politische Kandidatur ausgesprochen – vor allem, weil eine Wahlkampagne und ein mögliches Mandat im Folketing viel Zeit, Energie und familiäre Flexibilität erfordern. Doch nach der Wahl hat sich ihre Sicht verändert. Zum einen hat sie gesehen, wie mich die politischen Themen in der Region bewegen und wie stark mein Wunsch gewachsen ist, Verantwortung auch national zu übernehmen. Sie hat gemerkt, dass ich mich innerlich schon lange damit beschäftigt habe – und dass es mir wichtig ist, die Entwicklungen hier im Grenzland mitzugestalten. Meine drei Kinder haben mich gleich unterstützt.“

Was bedeutet deine Kandidatur für die deutsche Minderheit im Landesteil?
„Die deutsche Minderheit ist ein selbstverständlicher Teil unserer Region – kulturell, sprachlich und gesellschaftlich. Wenn ich gewählt werde, möchte ich ein verlässlicher Ansprechpartner sein, der ihre Anliegen in Kopenhagen platziert. Die Minderheitenpolitik im Grenzland gilt europaweit als Modell. Damit das so bleibt, brauchen Schulen, Kulturinstitutionen und Vereine stabile Rahmenbedingungen. Das will ich unterstützen.“

Kannst du konkrete Bereiche nennen, in denen du dich einsetzen möchtest?
„Ja, gerne. Erstens ist die langfristige Sicherung der Minderheitenrechte für mich zentral – von der Finanzierung bis zu schulischen Angeboten. Zweitens sehe ich die grenzüberschreitende Zusammenarbeit als große Chance: Es gibt Potenzial für mehr Mobilität, gemeinsame Bildungsprojekte und eine stärkere wirtschaftliche Verbindung über die Grenze hinweg. Die Minderheit ist dabei eine echte Brücke. Und drittens: Ich möchte regelmäßig das Gespräch mit den Institutionen der Minderheit suchen – nicht erst, wenn es ein Problem gibt.“

Warum sollten Bürgerinnen und Bürger in Nordschleswig die Kandidatur ernst nehmen?
„Weil starke Regionen starke Stimmen brauchen. Wir leben in einem Landesteil, der wirtschaftlich, kulturell und geografisch eine Sonderstellung hat. Hier sind deutsche und dänische Traditionen eng miteinander verwoben. Diese Besonderheit muss auch in der nationalen Politik vertreten werden. Ich möchte die Stimme unserer Region in Kopenhagen sein – mit realistischen, lösungsorientierten Vorschlägen.“

Wie steht es mit deinem Ausscheiden aus dem Stadtrat, falls du ins Folketing gewählt wirst?

„Natürlich waren das schwierige Überlegungen. Ich brenne für die lokale Politik, und meine neuen Aufgaben sind außerordentlich spannend. Deshalb habe ich mich mit gemischten Gefühlen zu dieser Kandidatur entschlossen. Für den Fall, dass ich gewählt werde, bin ich sehr zuversichtlich, dass die Aufgaben in kompetenten Händen liegen werden. Die Aufgaben im Stadtrat – zum Beispiel als Vorsitzender des Plan- und Wohnungswesenausschusses oder im Wirtschafts- und Finanzausschuss – können gut nachbesetzt werden. Mein Nachrücker, etwa Philip Tietje, ist bestens eingearbeitet, und die Gruppe kann die Arbeit weiterführen. Es wird also keine Lücken geben.“

Die Kandidatur von Thomas Andresen muss allerdings noch von der kommunalen Venstre-Versammlung gutgeheißen werden. Die Entscheidung wird im Januar getroffen.