Gesundheit

Länger selbstständig zu Hause: So unterstützt das Hilfsmittelhaus

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Hilfsmittelhaus-Leiterin Susanne Skade und Kollege René Christiansen mit einem Katalog für Hilfsmittel. Sie beraten regelmäßig über Neuanschaffungen.

Ob Duschstuhl, Pflegebett oder Medizinroboter – das Hilfsmittelhaus in Rothenkrug sorgt dafür, dass Menschen nach Krankheit oder im Alter möglichst lange selbstständig zu Hause leben können. Gleichzeitig entlastet es Pflegekräfte, unterstützt Angehörige und setzt auf Technik, Nähe und individuelle Lösungen.

Wenn Krankheit oder Alter den Alltag abrupt verändern, entscheidet oft schnelle und passgenaue Hilfe darüber, ob Menschen weiter in den eigenen vier Wänden leben können. Genau hier setzt das Hilfsmittelhaus (Hjælpemidler Hærvejshuset) der Apenrader Kommune in Rothenkrug an. Es organisiert Hilfsmittel, die Selbstständigkeit ermöglichen – und verhindert damit oft längere Krankenhausaufenthalte, frühere Heimeinweisungen oder eine Überlastung von Angehörigen.

„Das Krankenhaus stellt Krücken oder einen Rollstuhl für den akuten Bedarf zur Verfügung“, erklärt Centerleiterin Susanne Skade beim Rundgang. „Zu uns kommen die Menschen, wenn sie zu Hause längerfristig Unterstützung brauchen.“

Vom Duschstuhl bis zum Pflegebett

Im Hilfsmittelhaus lagern Duschstühle, Pflegebetten, Rollstühle in verschiedenen Größen und Gewichtsklassen sowie zahlreiche kleinere Hilfsmittel. Besonders gefragt sind Duschstühle. Sie gehören zu den am häufigsten ausgegebenen Produkten.

„Viele unterschätzen, wie groß der Unterschied im Alltag sein kann“, sagt René Christiansen, Mitarbeiter des Hilfsmittelhauses. „Ein einfaches Hilfsmittel kann darüber entscheiden, ob jemand alleine zurechtkommt oder ständig Hilfe benötigt.“

Auch Küchenhilfen für Menschen, die nur noch eine Hand benutzen können, zählen zum Angebot. Ziel bleibt immer gleich: den Alltag so normal wie möglich zu halten. Doch auch für am Körper getragene Hilfsmittel sind die Mitarbeitenden im Haus zuständig. Dazu gehören Prothesen, Orthesen, Bandagen und auch Einlagen.

So kommt Hilfe ins Haus

Bürgerinnen und Bürger mit einem Bedarf wenden sich direkt an das Hilfsmittelhaus der Kommune – etwa nach einem Schlaganfall oder bei anderen funktionellen Einschränkungen des Körpers. Wer nicht in der Lage ist, wird vom Krankenhaus, Angehörigen oder auch Ärztinnen sowie Ärzten unterstützt. 

Ein Therapeut entscheidet gemeinsam mit den Betroffenen, welche Hilfsmittel notwendig sind. Haus- oder Fachärztinnen und -ärzte können helfen, ein Gesuch anzufertigen. Meist handelt es sich um längerfristige Fälle.

Gesetzliche Fristen sorgen dafür, dass die Hilfe zügig einsetzt. Gleichzeitig schreiben sie vor, dass stets die beste und zugleich günstigste Lösung zum Einsatz kommt. Die Angebote kosten die Bürgerinnen und Bürger nichts.

Die Hilfsmittel liefert das Hilfsmittelhaus nach Hause. Alternativ können Betroffene sie selbst abholen – mit der gelben Versicherungskarte sogar rund um die Uhr.

Entlastung für Pflegekräfte, Würde für Betroffene

Neben dem Hilfsmittelhaus gibt es im „Hærvejshus“ auch Arbeitsplätze für Menschen, die nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können, soziale Freizeit- und Gruppenangebote sowie die Abteilung Training und Prävention.

Das Hilfsmittelhaus unterstützt auch die Heimpflege. Dazu gehören Hebehilfen, die Patientinnen und Patienten aufrichten.

„So können Pflegekräfte waschen, anziehen oder versorgen, ohne schwer heben zu müssen“, sagt Christiansen. „Das schont die Gesundheit der Mitarbeitenden – und gibt den Menschen mehr Sicherheit.“

Auch Umbauten gehören zum Aufgabenbereich. Das Team organisiert etwa das Entfernen von Türschwellen, das Verbreitern von Türen oder das Anbringen von Hebevorrichtungen im Zimmer. Externe Handwerksbetriebe setzen die Arbeiten um. Für die Betroffenen entstehen keine Kosten.

Wiederverwenden spart Geld und Ressourcen

Viele Hilfsmittel kommen mehrfach zum Einsatz. Pflegebetten reinigt und desinfiziert das Hilfsmittelhaus vor Ort in einer speziellen Waschanlage. Ein Ozon-Container steht vor der Tür. „Dort entfernen wir Gerüche aus Matratzen oder Bettwäsche, etwa aus Raucherhaushalten“, erklärt Skade. „Die Sachen bleiben 24 Stunden unter dauerhaftem Ozon-Gas.“

Nähe als Leitprinzip

Empathie prägt den Arbeitsalltag. „Wir erleben auch traurige Schicksale“, sagt Skade. „Dann sagen wir uns: Wir tun das Beste, damit es diesen Menschen so gut geht, wie es eben geht.“

Das Team arbeitet eng mit der Heimhilfe, Angehörigen, Krankenhäusern sowie Ärztinnen und Ärzten zusammen.

„Wir arbeiten nach dem ,nærhedsprincip'“, betont Skade. „Wir besuchen die Menschen zu Hause und probieren dort aus, ob die Hilfe wirklich funktioniert.“

Technik, die Pflege weiterentwickelt

Der Bedarf an Hilfsmitteln wächst. Die Kommune reagiert darauf mit neuen Lösungen. Möglich macht das die Unterstützung aus dem Gesundheitsausschuss. „Jedes Jahr finanzieren die Politikerinnen und Politiker knapp 20 Projekte“, sagt Skade. „Wir testen, ob etwas funktioniert. Oft klappt es, manchmal nicht – aber ausprobieren gehört dazu.“

So kommen inzwischen intelligente Einlagen zum Einsatz, die Pflegekräfte informieren, wenn ein Wechsel nötig ist. „Das gibt den Menschen Würde“, sagt Skade. Roboter geben zu Hause Medikamente zum richtigen Zeitpunkt aus und erinnern an die Einnahme. Auch sprechende Kalender unterstützen den Alltag.

Zentrale Lagerung, Wiederverwendung und kurze Wege zwischen Krankenhaus, Pflege und Kommune machen das System effizient. 

Was Angehörige wissen sollten

Hilfe muss nicht erst im Notfall kommen. Viele Hilfsmittel lassen sich früh einsetzen und anpassen, wenn sich der Bedarf verändert. Niemand entscheidet allein: Fachpersonal, Pflege, Angehörige und Betroffene suchen gemeinsam nach der passenden Lösung.

Länger zu Hause leben – für Mensch und Kommune sinnvoll

Die Kommune verfolgt ein klares Ziel: Menschen sollen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden bleiben.

„Das ist gut für die Bürgerinnen und Bürger“, sagt Skade. Entscheidend bleibt die Selbstständigkeit. „Ein besseres Leben – und wir unterstützen die Menschen dabei, ihren Alltag zu behalten.“

Das Hilfsmittelhaus arbeitet im Stillen. Doch genau dort, wo Hilfe konkret ankommt, verändert es den Alltag nachhaltig.

Grenzen für die Hilfe setzt allerdings das Gesetz, das genau regelt, inwieweit die Bürgerinnen und Bürger unterstützt werden dürfen. „Da sind uns dann die Hände gebunden“, sagt Skade. Es sei ein Abwägen von Kosten und Nutzen, das die Politikerinnen und Politiker in den Rahmenbedingungen festgehalten haben.

Im Lager gibt es die verschiedensten Hilfsmittel, die oft auch in vielfacher Ausfertigung abrufbar sind – für Menschen in der gesamten Kommune.
René Christiansen zeigt den Trockenschrank, wo gewaschene Unterlagen schonend getrocknet werden.
Solche Hilfsmittel benutzen Mitarbeitende der Heimpflege, wenn ein Mensch nicht mehr selbstständig aufstehen kann.
In der Werkstatt repariert Techniker Stefan Holm alles, was im Haus angeboten wird. Er überholt auch benutzte Hilfsmittel, macht den Service und springt ad hoc ein, wenn es mal schnell gehen muss.
Auch solche Küchengeräte, die speziell für Menschen mit körperlichen Gebrechen konstruiert sind, gibt es in Rothenkrug.