Grüne Wende

Groß und Klein protestierte gegen Windräder in der Nachbarschaft

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Jørgen Popp Petersen stellte sich im Nieselregen den Fragen der Demonstrantinnen und Demonstranten.

Fast 150 Menschen aus der Kommune Tondern versammelten sich vor dem Tonderner Rathaus. Die 31 Stadtratsmitglieder verpassten den friedlichen Auftritt. Sie saßen zu Tisch. Bürgermeister Jørgen Popp Petersen nahm sich Zeit für Gespräche.

Niesel, kalt und leicht neblig – so sahen die äußeren Bedingungen für die fast 150 großen und kleinen Teilnehmenden der Demonstration vor dem Tonderner Rathaus aus. Entsprechend gut eingepackt wollten sie die 31 Kommunalpolitikerinnen und -politiker mit ihren Ängsten konfrontieren, wenn plötzlich bis zu 180 Meter hohe Windräder nahe ihres Wohnorts errichtet werden.

Aus der ganzen Kommune reisten Menschen an, denn aktuell liegen der Kommune 22 Anträge vor, Windparks bauen zu dürfen. 

Mit den Abgeordneten ins Gespräch kamen sie nicht, da diese vor Beginn der Stadtratssitzung um 19 Uhr gemeinsam gegessen hatten.

Doch Bürgermeister Jørgen Popp Petersen (Schleswigsche Partei) suchte das Gespräch mit der Menschenmenge. Er blieb ungefähr eine halbe Stunde bei äußerst kühlen Temperaturen bis kurz vor Beginn der Ratssitzung.

„Es war natürlich nett von ihm, dass er vor die Tür kam und mit uns redete. Mit typischen Politiker-Antworten konnten wir aber nicht viel anfangen“, meinte Runa Hofsted aus Osterby (Østerby).

Unlängst demonstrierten Gegnerinnen und Gegner von Windkraftanlagen vor dem Rathaus in Tondern (Archivfoto).

„Ich war eine von denjenigen, die an 165 Türen in Osterby geklopft hat, um sie über die Windenergiepläne in unserer Dorfnähe zu informieren. Sie ahnten nichts, überhaupt nichts, und hätte mein Mann Torsten nicht zufälligerweise das elektronische Referat der Stadtratssitzung vom Juni durchgelesen, hätten wir es auch nicht gewusst, dass die Pläne jetzt aktuell werden“, erklärt Runa Hofsted.

„Es ist die Vorgehensweise. Plötzlich läuft eine E-Mail in deiner privaten E-Briefbox mit der Aufforderung ein, an einer richtungsweisenden Abstimmung zu einem Energieprojekt teilzunehmen, das dich betrifft. Einige haben diesen Bescheid noch nicht einmal bekommen. Und was ist mit alten Leuten, die den Umgang mit moderner Technik nicht beherrschen? Die Energieprojekte sind extrem übergriffig“, sagt die Mitinitiatorin der Demonstration. 

Die Energieprojekte sind extrem übergriffig.

Runa Hofsted

Auch ihre 19-jährigen Zwillinge nahmen an der Demo teil, während sich die drei Jahre jüngere Tochter ärgerte, nicht kommen zu können, da sie eine Nachschule besucht. 

Rückkehr nach Nordschleswig

„Sie könnten sich gut vorstellen, nach ihrem Studium oder ihrer Ausbildung nach Nordschleswig zurückzukommen, wenn sie eine Familie gründen wollen. Denn sie möchten, dass ihre Kinder, wie sie selbst, in unserer schönen Natur und ruhigen Umgebung aufwachsen sollen. Und gerade das ist es, was auch die Kommune will. Unsere jungen Leute sollen wieder zurückkommen, um so der Entvölkerung entgegenzuwirken, und da die Betriebe gut ausgebildete Menschen benötigen.“ 

„Meine Kinder fragen dann aber, wozu sie zurückkehren würden, wenn die ganze Natur mit Windparks und Solaranlagen zugepflastert wird. Die Menschen wissen nicht, ob sie wohnen bleiben können oder Haus oder Hof verkaufen müssen. Ich habe auch mit deutschen Zuzüglern gesprochen, die mit ihren drei kleinen Kindern an der Demo teilnahmen. Sie erklärten, sie wären aufgrund der Ruhe und Natur nach Dänemark  gezogen. Jetzt bereuen sie vielleicht ihre Entscheidung.“

Um zu veranschaulichen, wie weit 180 Meter sind, bildeten die Anwesenden eine Menschenkette, die von der Brücke an der Wiedau bis hin zur Straßenecke Kongevej/Ved Slotsbanken reichte.

Mit blinkendem, rotem Licht wie auf einer Windkraftanlage, Bannern, Knicklichtern und Fackeln wurde demonstriert.

Auch auf dem Vorplatz des Rathauses wurde die fehlende Kommunikation seitens der Kommune angekreidet. „Wir ahnten nicht, dass mindestens 180 Meter hohe Windräder in unserer Nachbarschaft errichtet werden sollen, die 30 bis 35 Kilometer von uns zu sehen sein werden. Es gab keine Vorabinformation“, lautete der Vorwurf vieler.