Kommentar

„Der schmale Grat zwischen Endrunde und Abstiegsrunde“

Veröffentlicht Geändert

Die Handballerinnen und Handballer sind getrennte Wege gegangen, haben aber das gleiche Ziel vor Augen. Ein Kommentar von Sportredakteur Jens Kragh Iversen.

Die Trikots sind weiter hellblau, das Logo auf der Brust ist bis auf ein paar Buchstaben identisch, doch die besten Handballerinnen und Handballer des Landesteils machen nicht mehr gemeinsame Sache.

Die Handballer sind vor einem Jahr aus Sønderjysk Elitesport ausgetreten, wie vorher die Fußballer und zuletzt auch die Eishockeyspieler. Es sind nur noch die Handballerinnen übrig geblieben. Zerwürfnisse sind bei Trennungen nicht ungewöhnlich, doch nach dem anfänglichen Trennungsschmerz scheint auch hier einem friedlichen Nebeneinander nichts im Wege zu stehen. Es wird miteinander gesprochen, und hinter den Kulissen wird daran gearbeitet, wie die vier Sportarten künftig in einem anderen Format voneinander profitieren können.

Endrunden-Anwärter stehen Schlange

Auf dem Spielfeld haben die Handballerinnen von SønderjyskE Kvindehåndbold und die Handballer von Sønderjyske Herrehåndbold das gleiche Ziel. Beide wollen sie den Sprung in die Meisterschafts-Endrunde schaffen, doch die Voraussetzungen dafür haben sich in den vergangenen Jahren geändert.

Die Handballerinnen haben die Handballer mittlerweile überholt und bessere Chancen auf ein Erreichen der Endrunde. Die Frauen gehörten in den vergangenen beiden Jahren dazu, die Männer seit vier Jahren nicht mehr.

Sønderjyske HH hat in den vergangenen Jahren mächtig zugelegt, sportlich und finanziell, doch die Konkurrenz schläft nicht. Der Konkurrenzkampf ist intensiviert worden, die Endrunden-Anwärter stehen Schlange. Was vor ein paar Jahren für einen Endrunden-Einzug reichte, reicht jetzt schon lange nicht mehr.

Ständig um Platz acht herum

Bis auf eine Ausnahme (Rang fünf in der Saison 2020/21) sind die Sønderjyske-Handballer im vergangenen Jahrzehnt in der Tabelle stets zwischen Platz acht und elf gelandet. Es ist also der Normalfall, dass sich die Hellblauen auf der Grenze zwischen Endrunde und Abstiegsrunde bewegen. Doch es müssen nach vier Jahren Pause auch mal die Sønderjyske-Handballer sein, die alles aus sich herausholen und den Sprung in die Endrunde schaffen.

Das wäre wichtig, um die Aufbruchstimmung und Begeisterung nach der Selbstständigkeit zu bewahren, die durch den erstmaligen Einzug ins Pokal-Final-Four noch einmal verstärkt wurden.

Die Konkurrenz ist größer geworden, die Chancen stehen aber gut. Sportmanager Thomas Mogensen hat zwar den Abgang von Liga-Torschützenkönig Nicolaj Jørgensen verkraften müssen, aber eine hochinteressante Mannschaft zusammengestellt, wo nicht mehr alles auf eine Person ausgerichtet ist.

Sønderjyske HH hat jetzt nicht nur einen Joker, sondern mehrere Asse im Ärmel.

Probleme im Tor

Die Torwartposition ist aber die Schwachstelle. An seinen guten Tagen ist Julius Sten bärenstark, aber es fehlt die Konstanz. Und das ist auch bei Matthias Rex der Fall, der ein junger, aufstrebender Torhüter mit viel Potenzial ist, aber dies auch häufiger zeigen muss.

Ein Torwartproblem gibt es auch bei den Frauen, wo die als klare Nummer eins eingekaufte schwedische Nationaltorhüterin Sofie Börjesson kalte Füße bekam und eine Vertragsauflösung erzwang.

SønderjyskE ist auf dieser Position klar geschwächt, und das neue Duo muss erst zeigen, dass es die Lücke füllen kann. Auch die überragende Torjägerin aus der besten Saison der Vereinsgeschichte, Melissa Petrén, konnte nicht eins zu eins ersetzt werden.

Team sieht schwächer aus

Es ist ein ehrgeiziges Ziel, das sich Peter Nielsen gesteckt hat, wenn er sagt, dass er sich mit SønderjyskE in der bevorstehenden Saison verbessern will, nachdem in der vergangenen Spielzeit Platz drei beim Pokal-Final-Four und Rang sechs in der Liga heraussprangen. Da muss er schon tief in die Trickkiste greifen, denn zum jetzigen Zeitpunkt ist seine Mannschaft schwächer als in der Vorsaison.

Das Potenzial ist da, und gleichzeitig wird eine Handvoll Spielerinnen wieder aufs Spielfeld zurückkehren, die letzten im Laufe der Saison. Hoffentlich noch rechtzeitig, um den Einzug in die Endrunde schaffen zu können. Die Qualität dazu müsste reichen.

Für die Stimmung im ersten Jahr der Selbstständigkeit wäre es gut, dass die sportliche Entwicklung der vergangenen Jahre nicht ins Stocken gerät, denn die Hellblauen haben große Sprünge nach vorn gemacht. Aus der ewigen Fahrstuhlmannschaft ist ein Endrunden-Kandidat geworden, auch in dieser Saison.