Kommentar

„Von Nyhavn bis Tivoli: Kopenhagens eigene Weihnachtsgeschichte“

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Den Weihnachtsmärkten in Dänemark wird vorgeworfen, eine schlechte Kopie nach deutschem Vorbeild zu sein.

Weihnachtsmärkte in Kopenhagen – ähnlich wie in Deutschland, aber doch ganz anders. Zwischen Lichtern, dänischen Spezialitäten und gemütlicher Atmosphäre zeigt sich die Stadt in einer festlichen Version, die ihre eigene Weihnachtsgeschichte erzählen möchte. Praktikant Matthias Weuthen kommentiert die Weihnachtsmarktdiskussion aus der Hauptstadt.

Glühwein, Bratwurst, Schmuck und Gebäck. Bude an Bude gereiht, ein Gefühl von Vorfreude macht sich breit. Egal, ob in Mönchengladbach, Köln oder Kopenhagen: Es zeichnet sich ein ähnliches Bild auf den Weihnachtsmärkten heutzutage. Bei diesem zum Verwechseln ähnlichen Anblick der Märkte könnte einem die Frage nach der Originalität kommen.

Dennoch finde ich, dass sich ein Besuch der dänischen Weihnachtsmärkte in diesen Tagen durchaus lohnt. Jede Stadt verkörpert ihre eigene Stimmung, und so läuft es sich über den Weihnachtsmarkt am Højbro plads oder am Nyhavn dann doch etwas anders als zum Beispiel am Kölner Dom.

In Deutschland lebt ein Weihnachtsmarkt von dichtem Gedränge, lauter Musik, Glühwein und Weihnachtslichtern. Ähnlich wird es auch in Kopenhagen gehalten. Zwar eine Nummer kleiner, und auf laute Musik wird auch verzichtet, aber ein gewisser Einfluss in der Aufmachung und Struktur ist außerhalb des Tivolis definitiv zu erkennen.

Das deutsche Modell findet auch in der dänischen Bevölkerung Anklang und genießt Beliebtheit. Mit dänischer Handwerkskunst, Essen und Liedern ist es möglich, seine eigene Version daraus zu machen. Die Seele der Weihnachtsmarkt-Tradition kommt allerdings ursprünglich aus Deutschland und reicht bis in das 15. Jahrhundert hinein.

In Dänemark gibt es die Tradition des Weihnachtsmarktes als solchen „erst“ seit knapp 120 Jahren.

Besonders der Charme des Nyhavns hinterlässt einen weihnachtlichen Eindruck, den man gerne wieder mit nach Hause tragen möchte. Die Märkte in Dänemark setzen besonders auf das Prinzip Licht, kommt es mir vor. Die Lichter an den Booten und den Häusern machen aus Kopenhagens Vorzeigeplatz und Motiv für sämtliche Social-Media-Fotos eine passende und optisch ansprechende Weihnachtsversion.

Die Beliebtheit sieht man auch prompt an den aneinandergereihten Touristinnen und Touristen, die ein Foto vom Spektakel und/oder sich und wahlweise einem Partner oder Partnerin oder Familienmitglied dabeihaben möchten. Aber das ist seit jeher der Preis, den ein Ort oder eine Stadt dafür zahlen muss, wenn er so beliebt ist.

Der Nyhavn ist zur Weihnachtszeit, festlich geschmückt.

Der Tivoli als Dänemarks Weihnachtsstadt

Aber auch außerhalb von Nyhavn hat der Weihnachtsgedanke in der Stadt innegehalten und ist angekommen. Ob am Højbro Plads oder in den Nebengassen: überall sieht man hell aufleuchtende Lichterketten und Dekoration. Es lässt sich also sagen: Dänemarks Hauptstadt ist bereit für das Weihnachtsfest.

Beliebt ist hierbei auch der berühmte Tivoli, der zu einer eigenen Weihnachtsstadt avanciert. Mit Buden, Musik und Lichtern bietet er zwar fast nichts anderes als außerhalb der Mauern, aber vermittelt dann doch ein anderes Gefühl. Es geht um das Ankommen und das Eintauchen in eine Weihnachtswelt.

Bei diesem Anblick könnte sich einem der Gedanke aufdrängen, dass das alles doch nur eine billige Kopie des deutschen Vorbilds ist. Allerdings kommen manche der Märkte der Tradition des Nachbarlandes bereits sehr nah und sind auf ihre Art und Weise dafür verantwortlich, dass das Gefühl des besinnlichen Festes und der Adventszeit in die Köpfe und Herzen der Kopenhagenerinnen und Kopenhagener und der Reisenden gebracht wird.

Im Kopenhagener Tivoli taucht man ein in eine kleine Weihnachtsstadt.

In meiner Recherche habe ich oft gelesen, dass man sich in Dänemark zu sehr an das deutsche Vorbild eines Weihnachtsmarktes halten würde. Diesen Vorwurf kann ich nicht ganz nachvollziehen, da mir die Alternative fehlt. Eine dänische Weihnachtsmarkt-Tradition gibt es als solche nicht, und wenn, dann ist sie vom Ursprung inspiriert und der liegt nun mal in Deutschland.

Ich denke, es hilft, wenn man das Beste aus beiden Welten miteinander verbinden kann und die deutsche Basis mit dänischer Kultur verfeinert. Natürlich ist ein internationaler Einfluss zu sehen. Aber das ist für eine internationale Stadt wie Kopenhagen auch üblich.

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