Leitartikel

„Stephan Kleinschmidt – ein starker Kandidat, aber hoffentlich nicht der einzige“

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tephan Kleinschmidt
Ist seine Wahl reine Formsache? Stephan Kleinschmidt (Archivfoto) selbst sagt, er habe keinen Plan B. Doch der Minderheit zuliebe sollte ihm der Traumjob streitig gemacht werden, meint Cornelius von Tiedemann.

Wegweisende Wahl: Es sollte um mehr als nur Image gehen, wenn in einem Jahr die Spitze der Minderheit gewählt wird, meint Cornelius von Tiedemann. Wenn sich niemand dem Wahlkampf stellt, blieben viele Chancen, die Zukunft zu prägen, auf der Strecke. Egal, wer letztlich den Job bekommt.

Stephan Kleinschmidt hat sich als Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) beworben und bringt beeindruckende Qualifikationen mit. Seine langjährige Erfahrung in der dänischen und deutschen Kommunal- und Regionalpolitik, seine Beliebtheit sowie sein tiefes Verständnis für die deutsche Minderheit und die grenzüberschreitende Politik und Verwaltung machen ihn zu einem scheinbar unschlagbaren Kandidaten.

Dass seine Kandidatur keine spontane Eingebung war und er deshalb auch vorbereitet ist wie vielleicht keine Zweite oder kein Zweiter, steht spätestens nach der Lektüre des zweiteiligen Interviews fest, das er Chefredakteur Gwyn Nissen gegeben hat.

Kleinschmidt gehört herausgefordert – und zwar leidenschaftlich.

Cornelius von Tiedemann

Dennoch ist es für die deutsche Minderheit essenziell, dass er Konkurrenz bekommt. Denn es darf nicht passieren, dass Kleinschmidts Kandidatur die Debatte um wichtige Weichenstellungen für die Zukunft quasi wegschwemmt. Kleinschmidt gehört herausgefordert – und zwar leidenschaftlich.

Dass er das selbst auch so sieht, ehrt ihn – alles andere wäre allerdings für einen progressiven Demokraten wie ihn auch ziemlich merkwürdig.

Inhaltlich fährt der in Rinkenis aufgewachsene, studierte (Selbst-)Marketingspezialist bisher eine vielleicht als diplomatisch zu bezeichnende Linie. Aktuelle Herausforderungen sollen angegangen werden. So richtig Haltung klingt da bisher nicht durch, aber das kann ja noch kommen.

Dass für ihn das Thema Gleichstellung „zu wichtig ist, als dass es nur an den Hauptvorsitz gekoppelt wird“, ist dann allerdings eine spannende Aussage – und einer von mehreren Punkten, die im hoffentlich kommenden Wahlkampf kritisch herausgefordert werden sollten.

Weibliche Führungspersönlichkeiten dienen als Vorbilder und motivieren andere Frauen, sich politisch zu engagieren. Das ist gerade in Minderheitenorganisationen, wo traditionelle Rollenmuster oft noch stärker wirken, wichtig, wie meine Kollegin Anna-Lena Holm an dieser Stelle kürzlich unterstrich. Das lässt sich nicht wegdiskutieren.

Wer, wenn nicht eine Minderheit, weiß, wie wichtig Repräsentanz ist – und welchen enormen Unterschied es macht, nur auch berücksichtigt – oder selbst ans Ruder gelassen zu werden.

Stephan Kleinschmidt hat eine beeindruckende Karriere aufzuweisen. Und er gilt als jemand, der Ideen, wenn nicht gar Visionen hat, und Menschen zusammenbringen kann. Auch solche, die sich lieber streiten wollen. Hinzu kommt auch noch der Umstand, dass er nicht nur Lust, sondern vor allem Zeit hat, den Posten zu übernehmen.

Die Minderheit sollte die Chance nutzen, aus möglichst vielen Perspektiven auf die drängenden und die grundsätzlichen Fragen zu blicken.

Cornelius von Tiedemann

All das sollte jedoch niemand zum Anlass nehmen, seine Wahl als Hauptvorsitzenden als beschlossene Sache zu betrachten. Nur, weil für ihn alles so schön zu passen scheint.

Wenn es um einen solchen Posten geht, das „Gesicht der Minderheit“, wie wir kürzlich titelten, sollte es, für uns alle, die wir uns eine Meinung bilden wollen, um Inhalte gehen, nicht nur um Image.

Die Minderheit sollte die Chance nutzen, aus möglichst vielen Perspektiven auf die drängenden und die grundsätzlichen Fragen zu blicken, die sie derzeit beschäftigen, die sie beschäftigen werden und die sie vielleicht endlich mal beschäftigen sollten.

In der Demokratie geht es schließlich immer auch darum, Menschen, Ideen und Perspektiven eine Bühne zu geben, die bisher noch nicht gehört wurden, die noch keine Möglichkeit hatten, sich durchzusetzen oder zu beweisen.

Wir vom „Nordschleswiger“ werden in jedem Falle allen, die Hauptvorsitzende oder Hauptvorsitzender werden möchten, dieselbe kritische Aufmerksamkeit zukommen lassen wie Stephan Kleinschmidt.

Noch ist rund ein Jahr Zeit bis zur Wahl.

Zum Interview mit Stephan Kleinschmidt: