Leitartikel

„Minderheit: Getrennt, trotz Gemeinschaft“

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Die deutsche Minderheit hat ein Kommunikationsproblem und macht es sich nicht selbst leicht. Dabei sind alle Teil von etwas Größerem und das verpflichtet zur Solidarität, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Stell dir vor, du bist in einem Verein mit Tausenden von Mitgliedern, aber du kannst nicht mit ihnen kommunizieren. Das gibt es doch gar nicht, denkst du. Doch, beim Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN), dem Dachverband der deutschen Minderheit.

Die Mitglieder des BDN sind alle in Ortsvereinen organisiert – also nicht direkt beim Dachverband. Und genau das ist das Problem: Viele Ortsvereine verwehren dem BDN den Zugang zu den Mitgliedern. Das bedeutet, dass wichtige Informationen und Mitteilungen, die für die deutsche Minderheit von übergeordneter Bedeutung sind, nicht direkt an die Mitglieder geschickt werden können.

Dabei spielt die Kommunikation in diesen Jahren eine wichtige Rolle. Früher reichte eine Anzeige und ein Artikel im „Nordschleswiger“, dann wusste „die ganze Minderheit Bescheid“. Das ist leider nicht mehr so – Kommunikation ist viel komplizierter und für alle aufwendiger geworden.

Dabei ist eine gute Kommunikation der „Kitt der Minderheit“ – dazu gehört „Der Nordschleswiger“, aber eben auch andere Kommunikationswege. Heute müssen der BDN und die angeschlossenen Verbände daher auch über die sozialen Plattformen kommunizieren, über eigene Webseiten, Flyer und den direkten Kontakt via Mail, SMS oder Vereinssysteme wie ForeningLet, das zum Teil in der Minderheit benutzt wird – aber eben nur zum Teil.

Es ist kein Entweder-oder, sondern ein sowohl als auch, weil man heute die Mitglieder dort abfangen muss, wo sie sind. Und sie sind überall.

Wenn die BDN-Hauptorganisation jetzt also nicht direkt in Kontakt mit den Mitgliedern der Ortsvereine treten kann, ist dies ein Problem. Und das nicht nur für den Dachverband, sondern für die gesamte Minderheit.

Das Problem ist, dass die Verantwortlichen im Dachverband fast schon aufgegeben haben, weil sie mit ihrem Wunsch, mit allen Mitgliedern kommunizieren zu können, in einigen Ortsvereinen auf Widerstand stoßen. Und weil sie keine Handhabe haben.

Dabei sind wir alle kleine Rädchen im Motor der großen Minderheit, und je mehr Rädchen verzahnt sind, umso größer wird die Durchschlagskraft. Wenn wir in der Minderheit Solidarität zeigen, wenn wir zusammenarbeiten, wenn wir uns gegenseitig helfen und gegenseitig Verständnis füreinander aufbringen, wenn wir nicht nur unser eigenes Rädchen einölen und pflegen, sondern alle das große Ziel einer gut-funktionierenden Minderheit haben, dann erreichen wir am meisten.

Es geht nicht immer um die eigenen Vorteile. Wir sind eine Solidargemeinschaft – im Großen und im Kleinen. Wie können wir uns in der deutschen Minderheit gegenseitig helfen und stärken – das müsste das Ziel aller sein, denn wir sind alle Teil von etwas Größerem.

Auch in den Ortsvereinen wird es viele Mitglieder geben, die gerne wichtige übergeordnete Informationen aus der Minderheit erhalten würden – und wenn nicht, kann man die eine oder andere „unwichtige“ Mitteilung auch überspringen.

Bisher verwehren einige Ortsvereine aber nicht nur die Kontakte, sondern auch den Dialog und die Bereitschaft, einen gemeinsamen Weg zu finden, zum Beispiel, indem Spielregeln aufgestellt werden und eine Testphase vereinbart wird. Sicherlich könnten im Dialog Lösungen gefunden werden, von denen alle profitieren.

Stell dir vor, du bist in einer Organisation mit Tausenden von Mitgliedern, und du kannst mit allen kommunizieren.