Gastkommentar

„Mach es doch selbst“

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Statt sich von Streamingdiensten und Social Media berieseln zu lassen, sollten wir lieber selbst aktiv werden – für mehr Glück und Gemeinschaftsgefühl, schreibt Büchereidirektorin Claudia Knauer.

Die Welt wird immer digitaler und immer kommerzieller. Wer ins Netz geht – und wer tut das nicht – wird von denjenigen, die damit Geld verdienen wollen, auf die schnelle Belohnung getrimmt. Unser Gehirn ist so angelegt, dass es gute Erlebnisse, angenehme Gefühle sofort wiederholen möchte. Das ist Grundlage für Suchtkrankheiten, aber auch für das ganz normale Scrollen im Netz, das Gaming, also spielen im Netz, bei dem Erfolgserlebnisse zügig zu erreichen sind. Damit verdienen Konzerne ein Vermögen, denn wir wollen immer mehr. Klüger macht es uns aber eher nicht, wenn die Jagd nach dem Glück von Unternehmen und ihren Marketingstrategien abhängt.

Deshalb: Mach es doch lieber selbst. Dem Wohlergehen, auf Dänisch so treffend ‚trivsel‘ genannt, ist es viel zuträglicher, wenn der Mensch tätig wird. Gute Angebote sind da zum Beispiel das auch vom Auswärtigen Amt geförderte Projekt „Bau dir deine Band“, aus dem schon die Musikgruppe „sihav“ erwachsen ist. Der Jugendverband fördert u. a. die Sportvereine, die dafür sorgen, dass Menschen sich bewegen – idealerweise in Gemeinschaft. Das sind Dinge, die die digitale Kommerzialisierung nicht leisten kann und die Menschen tatsächlich glücklicher machen können.

Natürlich hat jeder und jede das Recht, ab und an vor einem Streamingdienst abzuhängen und viele Folgen einer Rührschnulze hintereinander zu schauen, sogar mit Chips und Bier oder Cola in Reichweite. Das kann auch entspannen – wenn man es ab und zu macht. Ansonsten ist das wie Fast Food Essen – vielleicht lecker, aber es macht nicht wirklich satt – weder geistig-seelisch noch körperlich. Das tut aber das gemeinschaftliche Singen zum Beispiel in der Musikvereinigung Nordschleswig oder dem Rock-Pop-Chor. Auch das Stricken in den Strickklubs in den deutschen Büchereien trägt zum gesteigerten Wohlbefinden bei.

Es gibt viele Möglichkeiten, den großen Tech-Konzernen, die viel viel Geld mit unserer Trägheit machen, den Rücken zuzuwenden oder, um es krasser auszudrücken, den Finger zu zeigen. Einfach, indem man selbst aktiv wird.