Handball

„Fiasko, Enttäuschung oder einfach nur ein Stück Normalität?“

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Jacob Bagersted und Sønderjyske HH haben den Einzug in die Meisterschafts-Endrunde erneut verpasst.

Die Handballer von Sønderjyske HH haben zum vierten Mal in Folge das angepeilte Saisonziel verpasst. Es hat zu oft der kühle Kopf in der Schlussphase gefehlt. Ein Kommentar von Sportredakteur Jens Kragh Iversen.

Der Einzug in die Meisterschafts-Endrunde war das große Saisonziel für die Handballer von Sønderjyske HH, doch der Kampf um die Medaillen findet wieder einmal ohne die Hellblauen statt. Zum vierten Mal in Folge.

Und wie ist dieses Ergebnis jetzt einzuordnen? Ein Fiasko, eine Enttäuschung oder einfach nur ein Stück Normalität?

Selbstverschuldete Enttäuschung

Vom Budget und vom Spielermaterial her gehört Sønderjyske HH unter die ersten Acht, doch obwohl die Experten durch die Bank alle einen Endrunden-Einzug der Hellblauen erwartet hatten, wäre es vermessen, von einem Fiasko zu sprechen. Es ist aber eine Enttäuschung, eine herbe Enttäuschung sogar. Und es ist selbstverschuldet.

In den entscheidenden Momenten der Saison hat der kühle Kopf gefehlt. Viel zu oft sind Spiele in der Schlussphase aus der Hand gegeben worden. Sønderjyske hat auch ein paar Mal mit Aufholjagden noch gepunktet, aber meistens sind die engen Spiele in den Schlusssekunden zugunsten des Gegners gekippt.

Nicolaj Jørgensen ist der herausragende Spieler bei Sønderjyske HH und ganz oben in der Torschützenliste der Liga zu finden, aber auch er hatte in den entscheidenden Momenten nicht immer seine Nerven im Griff. Fehler passieren eben, wenn man Verantwortung übernimmt, und davon hat er viel übernommen. Das Sønderjyske-Spiel ist auf ihn zugeschnitten, und das wird sich in der kommenden Saison ändern, wenn Nicolaj Jørgensen beim HSV in der Bundesliga spielt.

Konstanz gibt es nur in der Tabelle

Die Verantwortung wird auf mehrere Schultern verteilt werden, doch die Frage ist, ob das die fehlende Stabilität reinbringt? Die Sønderjyske-Handballer konnten vor Weihnachten eine Serie von fünf Siegen in Folge hinlegen, sind sonst aber wieder konstant inkonstant gewesen.

Konstanz gibt es nur in der Tabelle, denn in der 14-jährigen Liga-Zugehörigkeit sind die Sønderjyske-Handballer bis auf drei Ausnahmen ständig zwischen Platz acht und elf gelandet, stets mit einer Punktzahl von 21 bis 27.

Es ist also ein Stück Normalität, wenn sich die Sønderjyske-Handballer auf der Grenze zwischen Endrunde und Abstiegsrunde bewegen.

Die Frage ist, welche Vereine Sønderjyske HH hinter sich lassen muss? Im Normalfall müssten Klubs wie Aalborg, GOG, Fredericia, BSH, Skjern und TTH Holstebro vor den Hellblauen stehen, aber mit einem Budget, das auf das siebtgrößte der Liga geschätzt wird, muss Sønderjyske HH häufiger den Sprung in die Endrunde schaffen und Vereine wie Mors-Thy und Skanderborg AGF hinter sich lassen.

Erfolg im Pokal

Das Problem ist aber, dass die eine glänzende Saison spielen und ein wenig über sich hinaus gewachsen sind. Das muss Sønderjyske HH auch mal wieder schaffen.

Die Hellblauen sind in dieser Saison auch über sich hinaus gewachsen, und zwar im Pokal. Sønderjyske HH zog erstmals ins Pokal-Final-Four ein, brachte im Halbfinale den Champions-League-Finalisten Aalborg Håndbold an den Rand einer Niederlage und gewann das Spiel um Platz drei.

Die erste Medaille der Vereinsgeschichte und das gesamte Final-Four-Erlebnis hat in der ersten Saison auf eigenen Beinen die gute Stimmung verstärkt. Jetzt muss erst einmal der Klassenerhalt geschafft werden, dann wird man in der kommenden Saison einen neuen Anlauf auf eine Top-8-Platzierung machen.

Dieses Ziel werden sich mindestens 12 der 14 Liga-Vereine stecken. Es müssen aber bald wieder die Hellblauen sein, die dieses Ziel erreichen.

Platzierungen seit dem Liga-Aufstieg 2011

2011/12: 12. Platz 17 Punkte (6 Punkte von der Endrunde entfernt)

2012/13: 8. Platz 23 Punkte (3 Punkte Vorsprung)

2013/14: 5. Platz 32 Punkte (5 Punkte Vorsprung)

2014/15: 11. Platz 24 Punkte (3 Punkte von der Endrunde entfernt)

2015/16: 8. Platz 27 Punkte (4 Punkte Vorsprung)

2016/17: 10. Platz 21 Punkte (5 Punkte von der Endrunde entfernt)

2017/18: 11. Platz 17 Punkte (6 Punkte von der Endrunde entfernt)

2018/19: 8. Platz 23 Punkte (Bessere Tordifferenz)

2019/20: 9. Platz 24 Punkte (2 Punkte von der Endrunde entfernt)

2020/21: 5. Platz 27 Punkte (9 Punkte Vorsprung)

2021/22: 11. Platz 21 Punkte (3 Punkte von der Endrunde entfernt)

2022/23: 9. Platz 21 Punkte (1 Punkt von der Endrunde entfernt)

2023/24: 10. Platz 22 Punkte (3 Punkte von der Endrunde entfernt)