Diese Woche in Kopenhagen

„Die wundersame Geldvermehrung im Finanzministerium und Wammens defekte Rechenmaschine“

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Immer wieder findet der Finanzminister Geld in seiner Schatztruhe, von dem er nichts wusste. Das klingt erst einmal sehr erfreulich. Walter Turnowsky erklärt, warum Nicolai Wammen dennoch versuchen möchte, diese Überraschungen abzustellen.

Uns Journalistinnen und Journalisten wirft man ja ab und zu vor, wir würden zu reißerische Überschriften machen. Clickbait heißt so etwas in modernem Deutsch. Der Köder soll die Leserschaft dazu verleiten, den Artikel anzuklicken. Sie, also die Leserschaft, wird dann feststellen, dass der Inhalt nicht ganz das hält, was die Überschrift verspricht.

Der Presseabteilung des Finanzministeriums kann man eher den gegenteiligen Vorwurf machen. So verschickte sie am Dienstag eine Pressemitteilung mit der Überschrift: „Kommende metodeeftersyn af de mellemfristede fremskrivinger“ – was man mit „Kommende Methodenüberprüfung für die mittelfristigen Projektionen“ übersetzen könnte.

Die Überschrift kann man nicht unbedingt als reißerisch bezeichnen, dafür ist der Inhalt der Pressemitteilung umso aufsehenerregender. Fast so etwas wie Anti-Clickbait. Sollten sich die schlauen Presseleute jetzt gedacht haben, dann kriegt keiner mit, was da eigentlich drinnen steht, haben sie sich verrechnet.

Wir sind reicher, als wir dachten

Genau darum geht es übrigens in der Pressemitteilung: um das Verrechnen. Das haben dann meine Kolleginnen und Kollegen auch blitzschnell durchschaut und so tauchte dann die defekte Rechenmaschine in den Überschriften auf. Reißerisch, wie ich bin, habe ich den Ausdruck selbstverständlich sofort übernommen.

Jetzt fragst du wahrscheinlich schon leicht ungeduldig, was es denn nun mit dieser Rechenmaschine auf sich hat. Kurz gesagt geht es darum, dass Wammen und seine Vorgänger (eine Vorgängerin gibt es in dem betroffenen Zeitraum nicht) in ihrer Schatztruhe immer wieder Geld gefunden haben, von dem sie keine Ahnung hatten, dass es dort herumlag.

So konnte Wammen dann immer wieder mitteilen, dass der finanzpolitische Spielraum (det økonomiske råderum) bis 2030 größer ist als bisher angenommen. Und es ist kein Kleingeld, das er zwischen den Spinnweben in der Schatztruhe entdeckt hat. Seit die SVM-Regierung 2022 die Arbeit aufgenommen hat, sind es flockige 47 Milliarden Kronen. Und der gute Nicolai hat am Montag angekündigt, dass er im Juni einen weiteren Batzen finden wird; nur nicht, wie groß der ist.

Für das Geld kann man sich so einiges kaufen. Den gesamten Volksschulbereich zum Beispiel – oder 16 Buß- und Bettage für jede und jeden.

Liegen irgendwo in der Truhe noch ein paar Milliarden herum?

Falsche Entscheidungen wegen falscher Berechnungen

Jetzt wirst du vielleicht sagen, das ist doch schön, wenn man plötzlich mehr Geld hat, als man dachte. Aber so schön ist das gar nicht. Denn schließlich werden auf der Grundlage der Berechnungen weitreichende Beschlüsse getroffen.

Du kannst dir das ein wenig vorstellen, wie wenn du gerne ein schönes großes Haus kaufen möchtest. Die Bank erzählt dir jedoch, dass du dir nur eine leicht verfallene Hütte leisten kannst. Erst als du in der Hütte wohnst, merkst du, dass auch das schöne Haus drinnen gewesen wäre.

Nur dass du statt „Haus“ Rentenalter, Steuersatz oder Ausbildungsdauer einsetzen musst. Auch die Entscheidung über die Abschaffung des bereits erwähnten Buß- und Bettages geschah auf der Grundlage der Berechnungen des Finanzministeriums.

Fehler seit 15 Jahren

Die gewerkschaftsnahe Denkfabrik „Arbejderbevægelsen Erhvervsråd“ meint, dass die Rechenmaschine des Finanzministeriums bereits seit 15 Jahren zu pessimistisch rechnet. Die linken Parteien des Folketings haben regelmäßig präzisere Modelle gefordert.

Bislang hieß es jedoch aus dem Finanzministerium, alles bestens – oder zumindest, so gut wie es nun mal geht. Doch dann kam am Dienstag die Meldung, dass die Rechenmaschine doch überprüft werden soll. Denn nichts anderes verbirgt sich hinter der leicht unverständlichen Überschrift der Pressemitteilung.

Nicolai als Weihnachtsmann?

Die linke Opposition wirft dem Finanzminister bereits vor, dass er bewusst das Geld in seiner Schatztruhe versteckt, damit er bei gegebenen Anlässen Weihnachtsmann spielen kann – zum Beispiel, wenn die Militärausgaben wieder einmal erhöht werden sollen. Keine Frage, dass er solche Anschuldigungen abstreitet.

Man wird sehen, ob Wammen und seine Leute bei den Wartungsarbeiten an den richtigen Schrauben drehen und das Ding reparieren, damit sie endlich mal korrekt rechnet. Gut wäre es, denn die Entscheidungen, die die Abgeordneten auf der Grundlage von Nicolais Taschenrechner treffen, berühren unser aller Alltag.