Wort zum Sonntag

„Der Weg nach Jerusalem“

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Pastor Carsten Pfeiffer befasst sich in seinem Wort zum Sonntag mit dem Beginn der Passionszeit und der Bedeutung des Weges nach Jerusalem.

Christus spricht: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. Lk. 18,31

In der Woche nach dem Sonntag Estomihi beginnt nach der Tradition der abendländischen Christenheit am Aschermittwoch die große Fastenzeit, die Passionszeit. Dieses Wort hilft, den Sinn der Passion zu verstehen.
„Wir gehen hinauf nach Jerusalem“ – so mögen es damals Tausende im Heiligen Land und in der weiten Welt gesagt haben. Das Passafest nahte, das Fest zum Gedenken daran, dass Gott sein Volk beim Auszug aus Ägypten gerettet hatte und es auf den Weg in die verheißene neue Heimat schickte. Dazu pilgerte man nach Jerusalem. Im Licht dieser Erfahrungen und dieser Verheißung ist auch die Passion Jesu zu verstehen. Deshalb gilt, dass sich in ihr alles vollendet, was die Propheten von dem Kommenden, von Jesus, geschrieben haben.

Das Sterben Jesu ist nicht Ausdruck des Scheiterns eines Idealisten, der vergebens gegen die Realitäten der Welt gekämpft hat, sondern Gottes Weg zur Erlösung, also zur Befreiung seines Volkes und aller Völker.
Natürlich haben die Jünger dies erst im Nachhinein begriffen. Aber können wir selbst nicht unseren eigenen Lebensweg erst im Nachhinein als sinnvoll, als Führung Gottes bezeichnen?

Aber die Jünger sind mitgegangen – nicht bis zum bitteren Ende, aber nach Jerusalem. Jesus starb allein, zwischen zwei Verurteilten, aber er hat seinen Jüngern aufgetragen, ihm nachzufolgen.
Uns hat der Herr als seine Jünger zur Nachfolge und zum Glauben gerufen. Christen sind sich dessen gewiss, dass der Weg nach Jerusalem, das Kreuz Jesu Christi und seine Auferstehung Gottes Verheißung für alle aufzeigt. Wie Gott seinen Heilswillen durch das Kreuz, Jesu Christi und seine Auferstehung auch für die zum Ziel führt, die nie den Ruf zum Evangelium, zur Nachfolge vernommen haben, das bleibt sein Geheimnis. Der Weg nach Jerusalem ist der Weg zum Leben für alle.
Wie immer der Plan für die Fastenzeit aussehen mag, -von bewusstem Verzicht geprägt-, der Ruf in die Nachfolge kann auch bedeuten andere Menschen zu begleiten. „Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem“, aber wir gehen nicht allein.
Eine gesegnete Woche wünsche ich allen.

Carsten Pfeiffer