Gastkommentar

„Der Ort, an dem die Minderheit zusammenkommt“

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Volles Haus, kluge Vorträge und Gespräche bis spät in den Abend: Büchereidirektorin Claudia Knauer erklärt, warum die Jahrestagung in Sankelmark zeigt, was die deutsche Minderheit ausmacht – und warum sie darauf stolz sein darf.

Dieser Gastbeitrag ist verspätet, dafür dann aber ganz aktuell. Immerhin.

Am Wochenende ist die Minderheit traditionell ins neue Jahr gestartet. Das bedeutet: Jahrestagung in der Akademie Sankelmark. Das bedeutet viele Menschen aus der Minderheit finden sich an einem Ort zusammen und bleiben auch dort.

In diesem Jahr war die Tagung, wie der veranstaltende Bund Deutscher Nordschleswiger mitteilte, sogar ausverkauft. Nicht einmal das Wetter hat viele abgeschreckt. Sie fanden den Weg in die Akademie Sankelmark mit ihren vortrefflich geräumten Straßen und Parkplätzen.

Die Vorträge in diesem Jahr waren so faszinierend und mitreißend – von der Frage des sozialen Vertrauens in Dänemark über das absurde Ende des Zweiten Weltkriegs in Flensburg bis zur Geschichte des Grenzlandes ab ca. 800 – dass die Zuhörenden das Smartphone ganz aus der Hand legten. Ganz besonders in den Bann zog der Bericht von Frauke Giebner, Absolventin des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig, die seit mittlerweile etlichen Jahren als investigative Journalistin bei Politiken arbeitet. Ihre ersten journalistischen Gehversuche hat sie bei Pressefotografin Karin Riggelsen und dem Nordschleswiger, damals noch im Print, gemacht. Heute deckt sie Polizeigewalt oder ärztliche Übergriffe gegenüber Patientinnen auf. Das zu hören, war ein echter Höhepunkt. Ebenso wie der Grönlandvortrag von Walter Turnowsky, der spontan für den erkrankten Stefan Seidler, SSW, einsprang, der über die deutsche Politik zur Jahreswende hätte berichten sollen. Auch der dänische Aspekt, den Søren Espersen von Danmarksdemokraterne hätte vortragen sollen, fiel zwar nicht ins Wasser, aber in den Schnee.

Dafür war abseits des Vortragssaals genug Zeit und Raum, miteinander zu reden – auch über Politik, Minderheit und die Zukunft, von Grönland und Trump ganz zu schweigen.

Genau diese Stimmung, der Schnack am Rande oder am Abend in der Seebar, macht diese Tagung so wertvoll. Hier treffen Bezirksvorsitzende und Lehrer, Buchhalterinnen und Geschäftsführer, Rentnerin und Unternehmerin zusammen – ungezwungen und auf Augenhöhe. Dass die Schülerinnen und Schüler des Deutschen Gymnasiums zeitweise dazustoßen und viele Junge Spitzen das ganze Wochenende dabei sind, ist noch das Sahnehäubchen obenauf. Und die Erkenntnis, dass die Minderheit so erfolgreiche, liebenswürdige und engagierte Menschen hervorbringt wie Frauke Giebner oder das Unternehmerpaar Anneli und Jürgen Lorenzen, die PTI in Tondern aufgebaut haben. Die Minderheit kann etwas. Darauf darf man auch gerne stolz sein. 

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Die in diesem Gastkommentar vorgebrachten Inhalte sind nicht von der Redaktion auf ihre Richtigkeit überprüft. Sie spiegeln die Meinung der Autorin oder des Autors wider und repräsentieren nicht die Haltung des „Nordschleswigers“.

Die „Nordschleswiger“-Berichterstattung zur Neujahrstagung in Sankelmark gibt es gesammelt auf unserer Themenseite „Sankelmark“.