Kommentar

„Das Ehrenamt braucht einen Wandel, sonst bleibt der Nachwuchs aus“

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Das Ehrenamt prägt das soziale Leben in der deutschen Minderheit in Nordschleswig – doch Nachwuchssorgen setzen Vereine und Verbände zunehmend unter Druck. Wie lassen sich traditionelle Strukturen neu denken, um mehr junge Menschen zum Ehrenamt zu bewegen? Ein Plädoyer für mehr Flexibilität und Mut zur Veränderung.

Angetrieben durch meine Recherche zum ehrenamtlichen Projekt „Radeln ohne Alter“, das älteren Menschen Ausflugsfahrten mit elektrisch betriebenen Rikschas ermöglicht, entstand die Idee zu diesem Kommentar. Dabei wurde deutlich, wie wichtig flexible und sinnstiftende Formen des Engagements sind – gerade, um auch junge Menschen für das Ehrenamt zu begeistern.

Ob im Sportverein, in der Jugendarbeit oder bei Veranstaltungen – die deutsche Minderheit in Nordschleswig lebt vom ehrenamtlichen Engagement. Das Ehrenamt ist eine tragende Säule unserer Gesellschaft und prägt gerade hier im Landesteil das soziale Miteinander entscheidend.

Doch diese Säule gerät zunehmend ins Wanken: Immer mehr Vereine und Verbände klagen über Nachwuchssorgen und schwindende Beteiligung. Die Frage ist daher nicht neu, aber umso einleuchtender: Wie lassen sich Strukturen von Ehrenämtern neu denken, moderner gestalten und so verändern, dass wieder mehr junge Menschen Lust haben, sich einzubringen?

Lebensrealitäten junger Engagierter ernst nehmen

Die Ursache liegt selten in mangelndem Interesse. Vielmehr passt das Ehrenamt in seiner klassischen Form nicht mehr zu den Lebensrealitäten junger Zielgruppen. Sie sind nicht weniger engagiert – sie ticken nur anders. Zwischen Schule, Ausbildung, Studium und einem aktiven Privatleben bleibt wenig Zeit. Freizeit ist ein kostbares Gut – und das zurecht. Wer sich heute ehrenamtlich engagieren möchte, braucht flexible, sinnstiftende und zeitgemäße Möglichkeiten.

Ähnliche Entwicklungen gehen aus aktuellen Studien von Danmission (2024) und VIVE (2020) hervor: Insbesondere junge Menschen wünschen sich mehr Flexibilität im Ehrenamt.

Eine Richtung ist klar erkennbar: Junge Menschen bevorzugen flexible und projektbezogene Formen des Ehrenamts gegenüber langfristigen Verpflichtungen und starren Strukturen

Junges Engagement als Vorbild

Ein Blick auf die Jugendorganisation der Schleswigschen Partei zeigt, wie wichtig junge Stimmen sind. Die Jungen Spitzen bringen sich mit neuen Ideen und Kandidaturen aktiv in die Kommunalpolitik ein und haben dabei enormen Einfluss. Seit über 25 Jahren sind sie aus der deutschen Minderheit in Nordschleswig nicht wegzudenken.

Viele heutige Spitzenpolitiker der Partei sind aus den Jungen Spitzen hervorgegangen, was ihre Rolle als Talentschmiede und Impulsgeber unterstreicht. Dieses langjährige Engagement zeigt: Wenn junge Menschen ernst genommen werden und echte Mitgestaltungsmöglichkeiten erhalten, sind sie bereit, Verantwortung zu übernehmen und Veränderungen voranzutreiben.

Kurz gesagt: Wenn das Ehrenamt zukunftsfähig bleiben soll, müssen Organisationen an den richtigen Stellschrauben drehen: mehr zeitliche Flexibilität, projektbezogene Formate, geteilte Verantwortung und weniger Administration. Das Ehrenamt unterliegt einem Wandel und mit diesem Wandel haben sich auch entsprechende Werte verändert.

Das Ehrenamt geht uns alle an. Deshalb ist es jetzt an der Zeit zu handeln: flexibel, offen und mutig, neue Wege zu gehen.