Natur und Umwelt

Grüne Wende, weicher Boden, klare Ziele: Tondern startet Klimadialog

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Das Kuxbüller Moor (Kogsbøl Mose) nördlich von Hoyer (Højer) wurde vor einigen Jahren wiedervernässt.

Mitte August finden die ersten Bürgertreffen zur Wiedervernässung von moorigen Feuchtgebieten statt. Das betrifft nicht nur die Landwirtschaft.

Die Kommune Tondern lädt im August zu vier Dialogveranstaltungen mit Grundeigentümerinnen und -eigentümern ein. Im Mittelpunkt steht ein ehrgeiziges Ziel: Moorreiche Flächen (dän. lavbundsarealer) sollen in naher Zukunft wiedervernässt und aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen werden, um große Mengen CO₂ einzusparen. Das ist Teil der landesweiten Grünen Trepart, einer politischen Klimainitiative, die auf den Umbau der dänischen Landnutzung setzt. Doch was auf den ersten Blick wie ein Fachthema für Landwirte aussieht, betrifft in Wahrheit die gesamte Bevölkerung – in Nordschleswig wie im restlichen Land.

Tondern gehört flächenmäßig zu den größeren Kommunen Dänemarks. Etwa 90.000 der insgesamt rund 128.000 Hektar sind landwirtschaftliche Nutzfläche – ein Großteil davon mit torfhaltigem Boden. Und genau diese Flächen stehen im Zentrum der Diskussion. Werden sie entwässert bewirtschaftet, entweichen große Mengen klimaschädliches CO₂. Werden sie hingegen wiedervernässt, können die Emissionen massiv gesenkt und gleichzeitig neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere geschaffen werden.

Digitale Einladungen

Was das konkret bedeutet, soll nun in vier Bürgerveranstaltungen diskutiert werden. Eine schriftliche Einladung erhalten Grundeigentümerinnen und -eigentümer mit mehr als fünf Hektar Fläche demnächst in ihren digitalen Briefkästen. Die Treffen finden in Scherrebek (Skærbæk), Osterhoist (Øster Højst), Aggerschau (Agerskov) und Tondern statt. Die Kommune wird dort mögliche Projektflächen vorstellen, erste Vorschläge präsentieren und offen sein für Ideen, Kritik und Hinweise der Besitzerinnen und Besitzer – aber auch von anderen Interessierten.

Lokal Lokal und Lokal

Diese Karte der staatlichen dänischen Umweltbehörde zeigt, wo in Nordschleswig kohlenstoffreiche Böden vorhanden sind. Meist sind es Böden mit hohem Torfanteil. Viele dieser Flächen sind in den vergangenen Jahrzehnten entwässert worden, um der Landwirtschaft größere Nutzflächen zu sichern.

Besonders an dem Vorgehen in der Kommune Tondern ist die enge Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Naturschutzorganisationen und der kommunalen Verwaltung. In der sogenannten Lokalen Lokalen Trepartsgruppe (Lokal wird bewusst wiederholt, damit der Unterschied zwischen den einfachen Lokalen Trepartsgruppen deutlich wird) sitzen Vertreterinnen und Vertreter der Landwirtschaftsorganisationen „Sønderjysk Familielandbrug“, „Spiras“ und des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig (LHN) sowie des dänischen Naturschutzbundes DN und der Naturbehörde gemeinsam mit kommunalen Fachleuten.

Die Kommune Tondern nimmt in zwei kommuneübergreifenden Trepartsgruppen teil, die als Lokal Trepart (einfaches Lokal) bezeichnet werden. Beim Lokalen Trepart Wiedau-Krusau sind alle vier nordschleswigschen Kommunen beteiligt, und beim Lokalen Trepart Wattenmeer müssen sogar zehn Kommunen unter einen Hut gebracht werden.

Miteinander reden

Aus diesem Grund hat die Kommune die Lokalen Lokalen Trepartsgruppen gebildet. Das Ziel: nicht übereinander, sondern miteinander sprechen – und zwar frühzeitig. „Ich bin froh, dass wir potenzielle Flächen identifizieren konnten, über die wir nun gemeinsam mit den Eigentümern ins Gespräch kommen“, sagt der Stadtratsabgeordnete Bo Jessen (Tønderlisten), Randerup. Er ist kommunalpolitischer Vertreter im Projekt.

Der Landwirt Niels Martin Krag, Dahler (Daler), selbst Mitglied der Arbeitsgruppe, betont: „Die lokale Verankerung ist entscheidend. Wir haben mit gegenseitigem Respekt versucht, Rahmen zu schaffen, die sowohl den Bedürfnissen der Landwirte als auch der Natur gerecht werden.“ Auch vom Naturschutz kommt Zustimmung. Henrik Lauritsen, Tondern, vom dänischen Naturschutzverband freut sich, dass in Tondern größer gedacht wird: „Wenn wir ernsthafte Verbesserungen für Natur und Artenvielfalt wollen, müssen wir größere, zusammenhängende Gebiete ins Auge fassen.“

Darum geht es alle an

Die Dialogtreffen finden jeweils von 17 bis 19.30 Uhr statt:

Doch warum betrifft dieses Thema nicht nur die Landwirtschaft? Weil die Wiedervernässung von Mooren zu den effektivsten Klimaschutzmaßnahmen überhaupt gehört – und damit ein zentraler Baustein ist, um Dänemarks Klimaziele zu erreichen. Außerdem kann sie helfen, die Wasserqualität in Küstenregionen zu verbessern und mehr widerstandsfähige Naturräume zu schaffen – auch als Schutz vor den Folgen des Klimawandels wie Starkregen oder Austrocknung. Mehr Natur bedeutet zudem mehr Artenvielfalt, bessere Naherholungsmöglichkeiten und nicht zuletzt ein grüneres Image für die gesamte Region.

Noch in diesem Jahr, spätestens im Dezember, soll Tonderns kommunaler Beitrag zur nationalen Umstellungsstrategie politisch beschlossen werden. Wer sich beteiligen oder eigene Flächen ins Gespräch bringen möchte, sollte die Einladung annehmen. Es geht um mehr als nur neue Feuchtwiesen. Es geht um ein Gemeinschaftsprojekt mit Wirkung weit über Tonderns Grenzen hinaus.