Kommunalwahl

Nach Stephanie Loses Abgang: Peter Kofod greift nach dem Regionsvorsitz

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Peter Kofod ist sich im Klaren darüber, dass es kein leichtes Unterfangen wird, den Vorsitz im Regionsrat zu übernehmen.

Das Rennen um den Vorsitz im Regionsrat ist offen, nachdem die populäre Venstre-Politikerin in das Wirtschaftsministerium gewechselt ist. Jetzt hat der DF-Politiker aus Woyens seinen Hut in den Ring geworfen. Er wird jedoch einen guten Wahlkampf und Verhandlungsgeschick benötigen, wenn ihm das gelingen soll, so die Analyse von Walter Turnowsky.

Der Folketingsabgeordnete Peter Kofod aus Woyens wittert bei der Regionswahl Morgenluft. Die Dänische Volkspartei (DF) befindet sich landesweit im Aufwind, und den möchte er nutzen, um Venstre den Vorsitz im Regionsrat abzuknöpfen. 

„Ich sage weder, dass das einfach wird, noch dass es naheliegend ist“, sagt er laut „Ritzau“.

Vor vier Jahren erzielte Venstre mit fast 40 Prozent ein Traumergebnis. Das verdankte die Partei vornehmlich der damaligen Regionsratsvorsitzenden Stephanie Lose. Fast jede vierte sämtlicher abgegebener Stimmen ging an sie persönlich. 

Loses Wechsel setzt Venstre unter Druck

Doch im November 2023 wurde sie Wirtschaftsministerin und gab damit den Regionsvorsitz ab. Ihr Nachfolger Bo Libergren hat bei weitem nicht ihren Bekanntheitsgrad. Und darin sieht Kofod seine Chance.

„Die jüngste Wahl in der Region Süddänemark war extrem, weil sie Stephanie Loses souverän beste Wahl war. Doch sie ist ja nicht mehr dort“, so der rechte Politiker. 

Ohne Lose an der Spitze muss sich Venstre auf einen deutlichen Rückgang gefasst machen. Das belegt eine Umfrage, die Epinion für „Dit valg. Vores Danmark“ durchgeführt hat – eine Initiative des „Constructive Institute“ in Zusammenarbeit mit einer Reihe von Fonds. Hier landet die Partei bei bescheidenen 18,2 Prozent. 

 

Zwar antwortet fast die Hälfte der Befragten, dass sie noch unentschieden ist, aber den Rückstand zum Ergebnis von 2021 wird die liberale Partei kaum wettmachen können. Auch den Rückstand auf die Sozialdemokratie wird sie nur schwer aufholen – sie kommt in der Umfrage auf 27,5 Prozent.

Blauer und roter Block fast gleichauf

Das bedeutet jedoch nicht, dass ihre Spitzenkandidatin, Mette With Hagensen, die besten Aussichten hat, den Regionsvorsitz zu übernehmen. Laut der Umfrage sieht es eher nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus. 

„Der Nordschleswiger“ hat berechnet, wie die Mandate sich verteilen würden, sollte das Wahlergebnis der Umfrage entsprechen. Die roten Parteien würden auf 18 kommen, die bürgerlichen Parteien auf eine knappe Mehrheit von 22 der insgesamt 41 Mandate. Dazwischen liegt Radikale Venstre mit einem Mandat. 

Es muss sich also lediglich ein Mandat verschieben, und die Zentrumpartei könnte das Zünglein an der Waage werden. Und selbst kleine Änderungen im Vergleich zur Umfrage würden die Mandatsverteilung ändern. 

Verhandlungen quer durch die politische Landschaft

Hinzu kommt, dass die Verhandlungen nach Kommunal- und Regionswahlen häufig nicht den politischen Blöcken folgen. Sie gehen häufig kreuz und quer durch die politische Landschaft. Es geht eher um Posten als um Politik.

Doch selbst wenn man diese Tatsache berücksichtigt, wird die Dänische Volkspartei in der heißen Phase des Wahlkampfs kräftig zulegen müssen, wenn die Vorsitzträume Wirklichkeit werden sollen. In der Umfrage liegt sie bei 6,0 Prozent. Bei dem Ergebnis würden zwei Mandate herausspringen.

Vorsitz für DF nur bei deutlichen Zugewinnen realistisch

Selbst mit viel Verhandlungsgeschick und Glück wird DF ein besseres Ergebnis benötigen, sollen andere Parteien davon überzeugt werden, dass sie Peter Kofod als neuen Regionsratsvorsitzenden wählen. Dabei kann der Partei zugutekommen, dass er der bekannteste Politiker unter den Kandidatinnen und Kandidaten ist. 

„Wir werden alles tun, um die Menschen in der Region Süddänemark davon zu überzeugen, dass sie die Dänische Volkspartei wählen sollen“, gibt er sich kämpferisch. 

Er wird sein Folketingsmandat nur abgeben, wenn es ihm gelingt, den Vorsitz in der Region zu erringen. 

So soll die Umfrage gedeutet werden

Die Zahlen aus der Umfrage sind mit Vorsicht zu genießen. Dies liegt vor allem daran, dass fast die Hälfte der Wählerinnen und Wähler angibt, dass sie zwar wählen gehen, aber noch nicht entschieden haben, wem sie ihre Stimme geben werden.

Sie zeigt also ausschließlich den aktuellen Stand bei der Hälfte der Wählerschaft, und auch diese Hälfte kann ihre Meinung noch ändern. Die Parteien und Listen können somit im Wahlkampf noch etliche Stimmenanteile gewinnen und verlieren.

Hinzu kommt die statistische Unsicherheit, die in der Grafik abzulesen ist. Sie unterscheidet sich von Partei zu Partei. In Tondern (Tønder) liegt sie für die SP bei 3,9 Prozentpunkten. Der Wert für die Partei liegt somit zwischen 22,7 und 30,5 Prozent.

In Hadersleben (Haderslev) liegt die SP zwischen 0,7 und 3,3 Prozent, in Sonderburg (Sønderborg) zwischen 2,1 und 5,5 Prozent und in Apenrade (Aabenraa) zwischen 4,3 und 9,1 Prozent.

Diese Unsicherheiten bedeuten auch, dass die berechneten Mandatzahlen mit noch größerer Vorsicht zu genießen sind. „Der Nordschleswiger“ hat sie auf Grundlage der Umfrage mithilfe eines Rechners nach der D’Hondt-Methode berechnet. Die Wahlbündnisse sind in dieser Berechnung berücksichtigt.

Selbst kleine Verschiebungen bei den Prozentzahlen können zu einer anderen Mandatsverteilung führen.