Gesundheitspolitik

Sonderburg setzt auf individuelle Altenpflege: So funktioniert das neue Modell

Veröffentlicht Geändert
Die Kommune Sonderburg will zukünftig individueller auf Personen eingehen, die Pflege benötigen.

Der Stadtrat von Sonderburg hat ein System für die ganzheitliche Pflege verabschiedet. Ziel ist es, die Pflege älterer Menschen in der Kommune individueller, flexibler und stärker an deren aktuelle Lebenssituation anzupassen.

In Dänemark tritt demnächst das neue Altenpflegegesetz in Kraft und das hat auch Auswirkungen auf die Pflege in der Kommune Sonderburg. Das Kommunalparlament hat am Mittwochabend einen Paradigmenwechsel in der Betreuung beschlossen: Damit verabschiedet sich die Kommune von starren Standardverfahren und setzt auf individuelle Lösungen.

Die Kommunalverwaltung hat dazu ein neues Ablaufmodell für die ganzheitliche Pflege entwickelt. Dieses besteht aus fünf verschiedenen Phasen und legt besonderen Wert auf Rehabilitation sowie die enge Zusammenarbeit zwischen Seniorinnen, Senioren, Angehörigen und dem lokalen Gemeinwesen (siehe Infokasten).

Mit der zum 1. Juli anlaufenden Pflegereform sollen Seniorinnen und Senioren also künftig mehr Selbstbestimmung und Einfluss im Alltag erhalten. Dieter Jessen, zweiter Vorsitzender des kommunalen Älterenrats, begrüßt die Neuerungen ausdrücklich. „Wir unterstützen dieses neue Modell und werden nun verfolgen, wie das eingeführt wird“, betont Jessen im Gespräch.

Mehr Mitsprache im Alltag

Konkret bedeutet das neue Modell, dass ältere Menschen mehr Mitspracherecht bei der Gestaltung ihrer Pflege erhalten. Bisher war es oft so, dass festgelegte Abläufe galten – zum Beispiel ein Bad zu einer bestimmten Zeit. Künftig können die Seniorinnen und Senioren flexibler entscheiden, was sie möchten. Jessen gibt ein Beispiel: „Wenn angesagt ist, dass ein älterer Bürger oder eine Bürgerin an dem Tag ins Bad soll und dann sagt die betreffende Person, dass sie vielleicht lieber einen Spaziergang machen würde“, erklärt Jessen, „dann wird darauf Rücksicht genommen.“

Herausforderungen und Chancen für Pflegekräfte

Für die Mitarbeitenden in der Pflege bedeutet das eine Umstellung. Sie müssen lernen, flexibler auf die Wünsche der Seniorinnen und Senioren einzugehen und ihre Tagesplanung entsprechend anzupassen. „Das fordert ein gutes Agieren der Pflegekräfte“, so Jessen. Gleichzeitig sieht er darin auch eine Chance: „Es ist gut, dass sie selbst ihr eigenes Fachwissen mitbringen können, um zu zeigen, dass sie flexibel sind.“

Die Umstellung wird schrittweise erfolgen, zunächst bei neuen Pflegefällen. Der Älterenrat will die Einführung aktiv begleiten und im Austausch mit der Verwaltung verfolgen, wie die Reform angenommen wird und welche Vorteile oder auch Herausforderungen sich ergeben.

Stadtratspolitiker Stefan Lydal (DF) erläuterte das Verfahren am Mittwochabend als Vorsitzender des Sozial-, Senioren- und Behindertenausschusses. „Es erfordert Mut und Flexibilität, von festen Abläufen abzuweichen und stattdessen auf die individuelle Motivation und Wünsche der älteren Menschen einzugehen. Mit dem neuen Ablaufmodell stellen wir die Seniorinnen und Senioren wirklich in den Mittelpunkt. Damit das gelingt, brauchen wir einen engen Dialog mit den Älteren und ihren Angehörigen. Alle tragen Verantwortung für gute Lösungen.“ Das Gesetz fördere die Selbstbestimmung der älteren Menschen und stärke die Gemeinschaft.

Im Hilfsmitteldepot der Kommune stehen Tausende Gegenstände, die Bürgerinnen und Bürgern durch den Alltag helfen.

Wir stellen die Wünsche der älteren Menschen, die Fachlichkeit der Mitarbeitenden und eine enge Zusammenarbeit mit den Angehörigen in den Mittelpunkt.

Kirsten Bachmann

Eigene Lösungen und Selbstbestimmung im Mittelpunkt

Preben Storm hob als stellvertretender Vorsitzender des Sozial-, Senioren- und Behindertenausschusses hervor: „Die Rolle der Pflegekräfte besteht nicht darin, den Seniorinnen und Senioren alles abzunehmen, sondern sie dabei zu unterstützen, eigene Lösungen zu finden. Die neuen Abläufe bringen die Fachlichkeit der Mitarbeitenden stärker zur Geltung – zum Nutzen aller Beteiligten. Das sind große Veränderungen, die Vertrauen in die engagierten Pflegekräfte und die bürgernahe Leitung erfordern.“

Das allgemeine Serviceniveau wird individuell angepasst

Ein Schneidebrett mit zusätzlicher Festhaltfunktion: Mit so einem Hilfsmittel aus dem kommunalen Hilfsmitteldepot fällt das Zubereiten von Lebensmitteln leichter.

„Das ist eine wirklich gute Nachricht für die Altenpflege in Sonderburg“, sagt Kirsten Bachmann, Fraktionsvorsitzende der Schleswigschen Partei in Sonderburg. „Mit dem neuen Verlaufsmodell ergreifen wir die Chancen des neuen Altenpflegegesetzes und machen einen großen Schritt hin zu einer menschlicheren, flexibleren und persönlicheren Pflege. Wir stellen die Wünsche der älteren Menschen, die Fachlichkeit der Mitarbeitenden und eine enge Zusammenarbeit mit den Angehörigen in den Mittelpunkt.“

Die Veränderungen der Altenpflegereform gelten sowohl für private Anbieterinnen und Anbieter als auch für die kommunale Pflege. Die Kommune informiert fortlaufend über die Neuerungen. Das allgemeine Serviceniveau bleibt erhalten, wird aber künftig individuell angepasst. Zu den einzelnen Phasen werden flexible Serviceinformationen bereitgestellt, die die Motivation der Seniorinnen und Senioren für ein selbstbestimmtes Leben berücksichtigen.

Der Vorschlag für das Ablaufmodell wurde unter anderem vom Behindertenrat und dem Seniorenrat geprüft und erhält breite Unterstützung.

Ablaufmodell für die ganzheitliche Pflege