Kommunalwahl 2025

„Herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl, Bürgermeister!“

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Obwohl er erst um 3.30 Uhr nach Hause nach Seewang (Søvang) geradelt war, stand er am nächsten Morgen rechtzeitig auf der Matte, um die Auszählung zu überwachen.

Auch am Tag nach dem ‚historischen‘ Wahlsieg bleibt Tonderns alter und künftiger Bürgermeister sich und seiner Linie treu: Er hängt sein eigenes Wahlergebnis nicht so hoch, sondern freut sich für andere, die den Sprung in das Kommunalparlament geschafft haben. Er schüttelt Hände und entschuldigt sich bei „seiner“ Fraktionsvorsitzenden Louise Thomsen Terp.

Es ist der Vormittag am Tag nach der Wahl in Tondern. Eine Gruppe Siebtklässler der „Tønder Overbygningsskole“ stürmt in die Tondernhalle 1 und bleibt an der Tür verdutzt stehen. „Hm, eigentlich spielen wir hier immer Fußball, geht wohl gerade nicht“, stellt einer der Jungen angesichts der Tatsache fest, dass die Halle voller Tische ist, auf denen Berge von gelben und weißen Zetteln auf verschiedene Haufen sortiert werden. Die Feinzählung der Kommunal- und Regionswahl findet genau da statt, wo die Jungen und Mädchen der Oberstufenschule in Tondern sonst kicken. 

Auf der Suche nach einer anderen Sporthalle ziehen die Jugendlichen ab, aber kommen kurz darauf wieder: „Übrigens, herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl, Bürgermeister!“, ruft einer der Jungen keck Jørgen Popp Petersen zu. Tonderns alter und auch künftiger Bürgermeister geht zu den Teenagern hin und drückt einem nach dem anderen fest die Hand. Die Jungs sind merklich beeindruckt, und stolz gehen sie ein paar Türen weiter, um sich dort mit der Handball-Truppe eine Halle zu teilen.

Historisches Wahlergebnis

Jørgen Popp Petersen nimmt von den vier Siebtklässlern die Glückwünsche entgegen.

Draußen ziehen weitere Teenager vorbei, die ebenfalls zum Sportunterricht wollen. Als sie Jørgen Popp erspähen, klopfen sie ans Fenster und jubeln ihm zu. Er ist offensichtlich bekannt wie ein bunter Hund. „Ich fuhr am Montagnachmittag – am Tag vor der Wahl – auf dem Nachhauseweg mit meinem Fahrrad durch die Anlage. Vor mir ging ein Jugendlicher. Er hatte mich nicht bemerkt. Ich klingelte deshalb kurz, bevor ich ihn überholte. Als ich an ihm vorbeizog, rief mir zu: ,Ich wünsche dir für morgen (Dienstag, red. Anm.) eine gute Wahl!‘“, erzählt Jørgen Popp Petersen und lacht. 

Die frommen Wünsche des jungen Spaziergängers wurden erfüllt. „Ich benutze das Wort eigentlich nicht, aber andere würden das Wahlergebnis wohl als historisch bezeichnen“, stellt Jørgen Popp Petersen augenzwinkernd fest. Mit 3.845 persönlichen Stimmen hat er das beste Wahlergebnis aller angetretenen Kandidatinnen und Kandidaten erzielt. Und mit 25,7 Prozent hat die SP in Tondern mehr als ein Viertel aller abgegebenen Stimmen geholt und die Mandatszahl von 4 auf 8 verdoppelt. Bei einer Wahlbeteiligung von 68,8 Prozent.

Radfahren für den Kopf

Radfahren hilft ihm offensichtlich dabei, nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Auch in der Wahlnacht schwang er sich auf seinen Drahtesel, um sich nach einem ereignisreichen Tag ins eigene Bett zu legen. „Ich glaube, ich habe zum ersten Mal erlebt, dass auf der Strecke Tondern–Seewang außer mir niemand unterwegs war. Es kann natürlich an der Uhrzeit gelegen haben. Es war wohl 3.30 Uhr, als ich aus Tondern losfuhr“, erzählt Popp. „Die Fahrradfahrt tut mir gut. Sie macht den Kopf frei“, fügt er hinzu, und dadurch habe er auch gut schlafen können, bestätigt er auf Anfrage. Mehr als eine einzige kurze Tiefschlafphase wird er allerdings nicht geschafft haben, denn schon am nächsten Morgen musste er als oberster Wahlaufseher die Feinzählung in der Tondernhalle 1 überwachen. Die Fahrt nach Tondern legte er – natürlich – auf dem Rennrad zurück. 

Erstaunlich frisch sitzt er am Vormittag dann in der Tondernhalle am Tisch und überwacht gemeinsam mit Kommunaldirektor Lars Møldrup die Auszählung.

Offenes Ohr für den politischen Nachwuchs

In der Tondernhalle 1 wurde am Vormittag fleißig sortiert und gezählt.

Neel Rudebeck kommt kurz bei Popp in der Tondernhalle vorbei. Eine Journalistin von „TV Syd“ hatte die junge Venstre-Kandidatin morgens um 8 Uhr aus dem Bett geklingelt, weil sie ein Fernsehinterview mit ihr machen wollte. Die Tochter von Tonderns im Mai 2016 verstorbenem Venstre-Bürgermeister Laurids Rudebeck hatte es dieses Mal – in ihrem zweiten Anlauf – ins Kommunalparlament geschafft.

„Ich freue mich, dass der Kommunalrat deutlich verjüngt werden konnte. Es sind eine Reihe von Kandidatinnen und Kandidaten dazugekommen, die noch keine 40 Jahre alt sind. Das ist gut und richtig so – und auch ein gutes Zeichen für die Zukunft“, unterstreicht der Bürgermeister, der mit seinen 62 Jahren beileibe nicht der Nestor im 31 Köpfe zählenden Parlament ist.

Entschuldigung, Louise

„Ich freue mich für Victor (Puck Terp, red. Anm.). Ich kannte ihn vorher ja nicht wirklich, habe ihn aber während des Wahlkampfs als fähigen jungen Mann mit eigenen Ideen und Ansichten kennengelernt. Auch unsere gemeinsamen Auftritte haben mir persönlich Spaß gemacht“, sagt Jørgen Popp Petersen über den jüngsten Kandidaten im Tonderner SP-Team, der auf Anhieb den Sprung in das Kommunalparlament geschafft hat. „Er hat im Laufe der Wochen auch immer mehr Selbstvertrauen entwickelt“, fügt Popp hinzu.

„Dagegen hätte die Frauenquote in Tondern besser sein können: 9 Frauen stehen 22 Männern gegenüber. – Ich muss mich vielleicht auch bei Louise (Thomsen Terp, red. Anm.) entschuldigen. Mit 400 (nach der Feinzählung auf 403 korrigiert, red. Anm.) persönlichen Stimmen hatte sie zwar eine sehr gute Wahl, aber die wäre noch viel besser ausgefallen, denn ich vermute mal, dass ich ihr ein paar potenzielle Stimmen weggeschnappt habe. Sie macht eine so tolle Arbeit, die zu noch mehr Stimmen berechtigt hätte“, unterstreicht Jørgen Popp Petersen. 

In der Tondernhalle 1 wurde konzentriert gezählt.

Er freut sich deshalb auch, dass es möglich war, ihr bei den Konstituierungsverhandlungen den Vorsitz im Kinder- und Schulausschuss zu geben. „Dieses Ressort liegt ihr besonders am Herzen“, so Popp.

Apropos Kinder und Schule: „Wir müssen in diesem Bereich an einer zukunftsträchtigen Linie arbeiten. An der Demografie können wir ja leider nicht so viel ändern“, bedauert er.