Sturmflut

Trotz Überschwemmungsgefahr: Kommunen bauen in Risikogebieten

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Die Jahrhundertsturmflut 2023 traf viele Eigenheimbesitzende schwer (Archivbild).

Die Gefahr, dass ein Gebäude in den kommenden Jahrzehnten Überschwemmungen – beispielsweise in Form einer Jahrhundertsturmflut wie im Jahr 2023 – ausgesetzt sein könnte, steigt. Und dennoch: Die Anzahl der Neubauten entlang der dänischen Küste ist in den vergangenen Jahren gestiegen.

Der starke Fokus auf die Klimaveränderung und den Anstieg des Meeresspiegels hat der Bautätigkeit an den dänischen Küsten keinen Abbruch getan. Das zeigt das Ergebnis einer Untersuchung von „DR“, die herausfinden sollte, wo in den vergangenen 25 Jahren in den dänischen Kommunen gebaut wurde.

„DR“ legt offen, dass zwischen 2020 und 2024 insgesamt 1.296 Neubauten in einer Gegend mit einem erhöhten Risiko einer Jahrhundertsturmflut entstanden sind und 484 Gebäude dort gebaut wurden, wo das Risiko einer Überschwemmung durch einen Wasserlauf besteht.

Immer mehr Neubauten in Risikogebieten – auch in Nordschleswig

„Wir sind zu risikofreudig, wenn wir so dicht am Wasser bauen. Dänemark hat zu viel in gefährdeten Gebieten gebaut. Wir riskieren, uns an kostspielige Lösungen zu binden, bei denen wir höhere Dämme und mehr Pumpen bauen müssen, um das Wasser zurückzuhalten“, sagt Lasse Bech Knudsen, der an der Aarhus Universität zum Thema Klimaanpassung forscht, gegenüber „DR“.

Die Werte von vor 2020 machen den starken Anstieg der Bautätigkeiten deutlich: Von 2015 bis 2019 wurden der Untersuchung nach 696 Neubauten in Risikogebieten für Sturmfluten hochgezogen, 388 in Gebieten mit hoher Überschwemmungsgefahr durch ansteigende Pegel von Wasserläufen. Die entsprechenden Zahlen für den Zeitraum zwischen 2010 und 2014 lauten 681 und 330. Auch in Nordschleswig lässt sich die steigende Baulust anhand von Zahlen belegen.

Sturmfluten alle zwei bis drei Jahre möglich

Kommune Apenrade: Für 63 Häuser, die nach 2000 gebaut wurden, besteht das Risiko, bei einer Sturmflut im Wasser zu stehen. Zwei Gebäude sind gefährdet, bei einer Überschwemmung durch den Anstieg eines Wasserlaufs betroffen zu sein. Für einige Bauwerke gilt beides. Das Küstendirektorat wertet die Kommune Apenrade als eine der 51 Kommunen, die von Überschwemmungen durch eine Sturmflut oder einen Wasserlauf potenziell am stärksten betroffen sind. Ein besonders gefährdetes Gebiet ist die Stadt Apenrade.

Kommune Tondern (Tønder): Für 139 Häuser, die nach 2000 gebaut wurden, besteht das Risiko, bei einer Sturmflut im Wasser zu stehen. 23 Gebäude sind gefährdet, bei einer Überschwemmung durch den Anstieg eines Wasserlaufs betroffen zu sein. Für einige Bauwerke gilt beides. Das Küstendirektorat wertet die Kommune Tondern als eine der 51 Kommunen, die von Überschwemmungen durch eine Sturmflut oder einen Wasserlauf potenziell am stärksten betroffen sind. Ein besonders gefährdetes Gebiet ist die Insel Röm (Rømø).

Kommune Sonderburg (Sønderborg): Für 87 Häuser, die nach 2000 gebaut wurden, besteht das Risiko, bei einer Sturmflut im Wasser zu stehen. Drei Gebäude sind gefährdet, bei einer Überschwemmung durch den Anstieg eines Wasserlaufs betroffen zu sein. Für einige Bauwerke gilt beides. Das Küstendirektorat wertet die Kommune Sonderburg als eine der 51 Kommunen, die von Überschwemmungen durch eine Sturmflut oder einen Wasserlauf potenziell am stärksten betroffen sind. Ein besonders gefährdetes Gebiet ist Gravenstein (Gråsten).

Kommune Hadersleben (Haderslev): Für 200 Häuser, die nach 2000 gebaut wurden, besteht das Risiko, bei einer Sturmflut im Wasser zu stehen. 47 Gebäude sind gefährdet, bei einer Überschwemmung durch den Anstieg eines Wasserlaufs betroffen zu sein. Für einige Bauwerke gilt beides. Hadersleben zählt nicht zu den gefährdetsten Kommunen.

Quelle: DR

Im Oktober 2023 wurden die dänischen Küstengebiete an der Ostsee von einer Jahrhundertsturmflut heimgesucht. Laut dem Dänischen Meteorologischen Institut (Danmarks Meteorologiske Institut) muss zukünftig häufiger mit Sturmfluten gerechnet werden. Konkret: jedes zweite oder jedes dritte Jahr bis 2100 – und nicht nur alle 100 Jahre, prognostiziert DMI.

Die Baugenehmigungen für die Bauten längs der Gewässer oder der Küste stellen die jeweiligen Kommunen selbst aus. Johan Brødsgaard (Radikale Venstre), Vorsitzender des Klima-, Wirtschafts- und Planungsausschusses von Kommunernes Landsforening (KL), erkennt an, dass das Risiko einer Überschwemmung immer mehr zur Herausforderung wird.

„Wir müssen heute auf eine andere Weise bauen, weil es so nicht nachhaltig ist. Wir werden in Situationen geraten, in denen Menschen ihr Zuhause verlassen müssen, weil sie von den Klimaveränderungen betroffen sind“, so Johan Brødsgaard gegenüber „DR“. „Wenn wir voraussehen können, dass Überschwemmungen eintreten werden, dürfen wir nicht zulassen, dass dort gebaut wird.“