Natur und Umwelt

Renovierung der Hoyerschleuse: Denkmalpflege und Hochwasserschutz

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Die Mauererarbeiten finden teilweise vom Floß aus statt.

Die historische Schleuse in Hoyer wird derzeit saniert – primär aus ästhetischen Gründen, weil die Tore unabhängig vom Mauerwerk funktionieren. Die alte Hoyerschleuse spielt bis heute eine Rolle im Entwässerungssystem der Tonderner Marsch.

Die Renovierungsarbeiten sind schwierig und eine wackelige Angelegenheit: Maurermeister Josef Soberra steht auf einem schwankenden Floß und erneuert Stück für Stück die Mauern der alten Hoyerschleuse. Ziegel werden ausgetauscht, Fugen nach historischem Vorbild erneuert, damit das Bauwerk weitere 150 Jahre überstehen kann.

Ein Streit mit Geschichte

Die Schleuse, gebaut zwischen 1859 und 1861 im Zuge der Eindeichung des Neuen Friedrichenkoogs, ist ein technisches Bauwerk mit Geschichte und war über Jahre Gegenstand von Zuständigkeitsfragen. Der Deichverband für die Tonderner Marsch verwies auf den Denkmalschutzstatus – die Kommune Tondern wiederum sah die bauliche Verantwortung für das gemauerte Schleusenbauwerk nicht bei sich.

Inzwischen hat die Kommune eine Lösung – beziehungsweise in einer Ecke des schlaffen Kommunesäckels offensichtlich eine kleine Geldsumme – gefunden, die zumindest für die Renovierung der Westseite ausreicht.

Inzwischen sieht das Bauwerk wieder sehr gut aus. Im Abendlicht sind die vielen Details des von Baumeister F. Weise aus Husum erbauten Schleusenbauwerks sichtbar.

Die Sanierung hat primär ästhetische Gründe. Die Erklärung: Die hölzernen Schleusentore funktionieren auch ohne das gemauerte Bauwerk. Sie wurden übrigens 2018/19 vom Deichverband der Tonderner Marsch aufwendig saniert. „Dass die Schleusentore auf- und zugehen können, ist unsere Aufgabe“, erläutert Deichgraf Hindrichsen. 300.000 Kronen kostete damals das Unterfangen.

Reparatur unter schwierigen Bedingungen

Der Blick von der alten auf die neue Hoyerschleuse

Die Sanierung des gemauerten Schleusenteils führt nun die Firma Soberra aus Ballum durch, die auf die Restaurierung historischer Bausubstanz spezialisiert ist. Die Arbeiten erfolgen teilweise unterhalb der Wasserlinie, wobei ein Floß als Arbeitsplattform dient. Die Fortschritte sind inzwischen deutlich sichtbar: Das Schleusenbauwerk wirkt wieder gepflegt.

Obwohl die Schleuse seit dem Bau der neuen Wiedauschleuse 1981 ihre Schutzfunktion weitgehend eingebüßt hat, spielt sie weiterhin eine Rolle im komplexen System aus Entwässerung, Rückstau und Überflutungsschutz – und diese Rolle ist nicht nur positiv, wie Deichgraf Hindrichsen betont.

Seit der Inbetriebnahme der neuen Schleuse 1982 ist die alte Hoyerschleuse nämlich zur Engstelle im Wasserablauf geworden. In regenreichen Perioden kann das Wasser im Hinterland nicht schnell genug abfließen, erläutert Deichgraf Hindrichsen die Problematik. Das steigert den Druck auf die Binnendeiche – insbesondere, wenn gleichzeitig das Meer gegen die Schleusentore drückt.

Sedimentablagerungen in der Wiedau sind die Folge. Sie verschärfen laut Hindrichsen die Situation zusätzlich. Die Ausweichflächen und Überlaufbecken können nur bedingt Abhilfe schaffen.

Blick in die Zukunft

Das Luftfoto der Hoyerschleuse stammt aus den den 1960er-Jahren.

Hindrichsen hält daher weitere Maßnahmen für sinnvoll – etwa das Ausheben der Wiedau oder die mögliche Ausstattung der alten Schleuse mit einem Schöpfwerk, um bei hohem Wasserstand gezielt Wasser aus dem System abpumpen zu können. Eine solche Lösung sei allerdings kostspielig. „Das Geld hat die Kommune Tondern nicht“, lautet die nüchterne Einschätzung des Deichgrafen.

Geschichtlicher Abriss zur Hoyerschleuse

Die Schleuse wurde 1859 bis 1861 im Rahmen der Eindeichung des Neuen Friedrichskooges als Sturmflutschutzbauwerk gebaut. Sie war zudem Entwässerungssiel der Wiedau.

Die Schleuse wurde so gebaut, dass eine Schiffspassage in die damalige Seestadt Tondern weiterhin möglich war. Die Stadt steuerte Geld für die große Schleuse bei. Es gab damals auch noch Pläne, von der Wiedau einen Kanal bis zur Flensburger Förde zu bauen. Den heutigen Nord-Ostsee-Kanal gab es ja noch nicht. (Jener wurde erst 1895 fertiggestellt.)

Baumeister F. Weise aus Husum hat die Schleuse erbaut. Sie ist 7,50 Meter breit. Durch diese konnten Schiffe vor allem in den Hoyeraner Binnenhafen einlaufen. Dort wurden lange Zeit Waren umgeschlagen, unter anderem in den 1920er-Jahren noch Importkohle, die auf Bahn-Waggons und Lkw verladen wurde. Lange Zeit lagen im Binnenhafen auch Fischerboote. Die großen Raddampfer, die bis 1927 – in dem Jahr wurde der Bahndamm nach Sylt in Betrieb genommen – zwischen Hoyerschleuse und Munkmarsch auf Sylt verkehrten, konnten die Schleuse nicht passieren.

Als Sturmflutbollwerk in der ersten Reihe hat die Hoyerschleuse seit 1981 ausgedient, als die neue Wiedauschleuse im Rahmen der 1982 abgeschlossenen Eindeichung des Margrethekoogs die Entwässerung und den Schutz der Tonderner Marsch an der neuen Wiedaumündung übernahm.