Umwelt und Landwirtschaft

Nordschleswigs Kommunen sind bei lokalen Drei-Parteien-Verhandlungen immens herausgefordert

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Carsten Leth Schmidt, Bo Jessen, Erik Uldall Hansen und Asger Romme Andersen vertreten die vier nordschleswigschen Kommunen bei den Drei-Parteien-Gesprächen (von links oben nach rechts unten).

10 Prozent der Fläche Dänemarks sollen in Natur oder Nutzwald umgewandelt werden – und die Kommunen gemeinsam mit der Landwirtschaft und den Umweltverbänden in nur einem Jahr die konkreten Lösungen erarbeiten. Dafür muss ein kompliziertes Puzzle gelöst werden.

Das Ziel ist vorgegeben: Landwirtschaftliche Flächen in bislang nie dagewesenem Umfang sollen in naturbelassene Niederungen oder Wald umgewandelt werden. Die Kommunen leiten die Gespräche, bei denen die konkreten Flächen ausgewiesen werden sollen.

„Das wird so einige Muskeln erfordern“, sagt Erik Uldall Hansen (Soz.), Vorsitzender des Ausschusses für nachhaltige Entwicklung in der Kommune Apenrade (Aabenraa), die er auch bei den lokalen grünen Drei-Parteien-Gesprächen vertritt.

Der Tenor aus allen vier nordschleswigschen Kommunen ist ähnlich: Es ist eine große Aufgabe, die Pläne bis zum Jahreswechsel zu erarbeiten. Gleichzeitig herrscht jedoch Optimismus, dass man es schon schaffen werde.

„Das schaffen wir schon. Die große Hürde kommt bei der Umsetzung. Ich halte es für fraglich, dass wir bis 2030 den angestrebten Effekt für die Umwelt erreichen werden“, sagt Carsten Leth Schmidt (Schleswigsche Partei, SP), Vorsitzender des Klimaausschusses in Hadersleben (Haderslev) und Vertreter in einem der grünen Dreier-Gespräche.

Fläche von der Größe Nordschleswigs

Im November stellte die Regierungskoalition gemeinsam mit vier weiteren Parteien ein Abkommen zu einer umwelt- und klimagerechten Landwirtschaft vor. Indem feuchte Niederungen in Naturflächen umgewandelt werden, sollen weniger Klimagase entweichen. Landwirtschaftliche Flächen, aus denen viel Stickstoff in das Meer gespült werden, sollen zu Natur- oder Nutzwald werden.

Als dritten Effekt wollen die Parteien eine größere Artenvielfalt schaffen. Um diese Ziele zu erreichen, sollen dänemarkweit ungefähr 400.000 Hektar landwirtschaftliche Flächen stillgelegt werden. Das entspricht der Größe von ganz Nordschleswig.

Vor den Verhandlungen im Folketing hatte sich die Regierung mit dem Landwirtschaftsverband „Landbrug og Fødevarer“ und dem Naturschutzverband „Danmarks Naturfredningsforening“ auf die Grundlagen dieser Absprache geeinigt. Bei entsprechenden lokalen Dreier-Gesprächen sollen die Kommunen gemeinsam mit Landwirtschaftsorganisationen und Naturschützenden einen Plan für die konkreten Flächen erarbeiten.

„Ein offener Dialog wird für den Erfolg entscheidend. Eine ganze Reihe von unterschiedlichen Interessen muss unter einen Hut gebracht werden. Vor allem die Grundbesitzerinnen und -besitzer müssen überzeugt werden“, sagt Asger Romme Andersen (Einheitsliste), der Vertreter aus Sonderburg (Sønderborg) bei den Dreier-Gesprächen und Vorsitzende des Ausschusses für Natur, Klima und Umwelt.

Landwirtschaft macht mit

Bo Jessen (Tønderlisten) vertritt die Kommune Tondern (Tønder) bei den Gesprächen. Er ist selbst Landwirt und überzeugt, dass seine Kolleginnen und Kollegen beim Legen dieses komplizierten Puzzles konstruktiv mitwirken werden.

„Ich erlebe ein großes Wohlwollen in der Landwirtschaft, zur Lösung dieser Herausforderungen beizutragen“, sagt er.

Zum Wohlwollen trägt bei, dass die Regierung mit den Parteien vereinbart hat, 32 Milliarden Kronen für den Zeitraum 2025 bis 2030 bereitzustellen. Die sollen dafür eingesetzt werden, um landwirtschaftliche Flächen aufzukaufen.

Neue Verteilung von Flächen

Dabei geht es nicht nur um die Flächen, die stillgelegt werden sollen. Vornehmlich sollen Höfe aufgekauft werden, deren Felder an Landwirtinnen und Landwirte als Ersatz für stillgelegte Flächen verteilt werden. Dieses Modell ist bereits mit Erfolg in kleinerem Rahmen bei Renaturierungsprojekten eingesetzt worden. Ein Beispiel ist die Flutung des Schliefsees (Slivsø) bei Hoptrup vor ungefähr 20 Jahren.

„Wichtig ist, dass die Landwirtinnen und Landwirte, die weitermachen wollen, dies rentabel machen können. Deshalb benötigen sie Ersatzflächen, wenn sie Felder abgeben müssen“, sagt der SP-Politiker Leth Schmidt.

„Wenn alles gut geht, dann erhalten die Betriebe hochwertigere Ersatzflächen als jene, die stillgelegt werden. Dann wäre die Unterstützung auch groß“, ergänzt Jessen aus Tondern.

Die lokalen Dreier-Gespräche sind nach den Einzugsgebieten der Gewässer definiert. Das bedeutet, dass sie über die Kommunengrenzen hinausgehen. Gleichzeitig sind die nordschleswigschen Kommunen jeweils bei mehr als einem Dreier dabei. Insgesamt ist Nordschleswig von drei von ihnen berührt, von denen jedoch nur einer in seiner Gänze in Nordschleswig liegt.

Die Mitglieder der Dreier sind per 1. Februar von den Kommunen, den Landwirtschaftsverbänden und den lokalen Abteilungen von „Danmarks Naturfredningsforening“ ernannt worden. Im Laufe dieses Monats werden sie die Arbeit aufnehmen.