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Stolzer Oggesen: „Wir haben Geschichte geschrieben“

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Der erste Sønderjyske-Sieg der Geschichte im „Parken“ löste Fassungslosigkeit und Begeisterung aus.

Es war einer der Abende, die jedem Sønderjyske-Fan noch lange in Erinnerung bleiben werden. Der 2:0-Erfolg im „Parken“ gegen den FCK wurde mit rund 1.000 Fans ausgiebig gefeiert. Sønderjyske wurde für einen mutigen und selbstbewussten Auftritt belohnt und geht als Tabellenvierter in die Winterpause.

Die rund 1.000 Sønderjyske-Fans hinter dem Tor feierten nach Spielende gut eine Viertelstunde lang ihre Mannschaft. Solch eine Begeisterung und solch eine Anzahl hat man seit jenem Mai-Tag im Jahre 2016 nicht mehr gesehen, als Sønderjyske am letzten Superliga-Spieltag mit einem 2:1-Sieg im Brøndby Stadion die sensationelle Vizemeisterschaft perfekt machte.

Die Sønderjyske-Fußballer hatten mit einem 2:0-Erfolg gegen den amtierenden dänischen Meister FC København im Kopenhagener „Parken“ die letzte Festung im dänischen Fußball eingenommen. Zuvor hatte es hier 0 Siege, 3 Unentschieden und 17 Niederlagen gegeben – gegen keinen anderen dänischen Gegner hat Sønderjyske eine solch niederschmetternde Bilanz.

„Wir haben Geschichte geschrieben. Statistiken sind dazu da, um gebrochen zu werden, und das haben wir geschafft. Das ist super. Das ist das größte Stadion Dänemarks, mit einer tollen Kulisse. Dass wir hier gewinnen können, zeigt, wie stark wir sind. Ich bin voller Stolz“, sagt Andreas Oggesen zum „Nordschleswiger“.

Der FCK hatte in allen Belangen das Nachsehen.

Der 31-jährige Apenrader war auch im Mai 2016 im Brøndby Stadion dabei und hat keine Angst, das Wort „Meisterschaftsendrunde“ in den Mund zu nehmen.

Mutiger und selbstbewusster Auftritt

„Wir wollen jetzt in die Top 6, das ist unser vorrangiges Ziel. Wenn die anderen nicht in die Meisterschaftsendrunde wollen, dann wollen wir. Ich finde, dass wir bewiesen haben, dass wir dafür gut genug sind. Wir haben jetzt keinen Fokus auf Medaillen oder solche Sachen, darüber sprechen wir gar nicht, aber machen jetzt vier Wochen Urlaub, kommen topfit zurück und jagen die Top 6 – das ist unser Plan“, so Oggesen.

Er freute sich über den mutigen und selbstbewussten Auftritt der Sønderjyske-Mannschaft im „Parken“.

„Das war der Wahnsinn. Eine wahnsinnige Hinrunde. Wir haben die vier großen Teams alle geschlagen. Und ich finde, dass es heute ein überzeugender Sieg war. Wir standen phasenweise ein wenig tief hinten drin, haben aber kaum große Chancen zugelassen. Gleichzeitig hatten wir selbst viele gute Möglichkeiten und auch viele gute Sequenzen am Ball. Wir mussten mutig sein, wenn wir hier etwas holen wollten, und das waren wir“, meint Andreas Oggesen.

Andreas Oggesen machte ein starkes Spiel im Sønderjyske-Mittelfeld.

Der FCK war zwar in der ersten Halbzeit mehr am Ball, aber gefährlich war fast ausschließlich der Gast. Der amtierende dänische Meister war mit dem 0:2 zur Halbzeitpause noch gut bedient, denn vor dem Doppelpack kurz vor dem Pausenpfiff hätten nicht zuletzt Mads Agger, aber auch Lirim Qamili mehr aus den vier dicken Torchancen machen müssen. Immer wieder war der bärenstarke Linksverteidiger Daniel Gretarsson in der Rolle des Vorlagengebers.

Der FCK machte in der zweiten Halbzeit phasenweise mächtig Druck, in anderen Phasen ließ Sønderjyske den Ball mutig in den eigenen Reihen laufen und konnte somit dem Gegner den Wind aus den Segeln nehmen. Der FCK hatte gute Möglichkeiten, Sønderjyske aber auch. 

„Wir sind eine Mannschaft, die gut mit gegnerischem Druck umgehen kann. Ich bin jetzt nicht schockiert, dass wir hier zu Null spielen konnten. Wir haben auch einen guten Torwart, der gehalten hat, was er halten musste. Der verleiht der übrigen Mannschaft Ruhe“, so Magnus Jensen zum „Nordschleswiger“.

Innenverteidiger Magnus Jensen und Torwart Marcus Bundgaard konnten das eigene Tor sauber halten.

Der neue Abwehrchef freut sich, dass es der Sønderjyske-Mannschaft immer wieder gelingt, sich den unterschiedlichen Spielsituationen anzupassen.

„Wir sind in der Lage, viele verschiedene Spiele zu spielen. Wir können aggressiv ins Pressing gehen, aber auch tief hinten drin stehen. Wir können lesen, was in den verschiedenen Spielen erforderlich ist, und das fällt natürlich auf einen tüchtigen Trainerstab zurück“, meint Magnus Jensen. „Wir haben jetzt verdammt noch mal etwas, wofür wir kämpfen können. Wir wollen uns in die Top 6 hineinschleichen. Das ist unser Ziel.“

Sønderjyske musste zum ersten Mal in der laufenden Saison ohne Tobias Sommer auskommen, der bislang keine einzige Minute verpasst hatte, aber verletzt fehlte.

Torschütze Kristall Mani Ingason schreit seine Freude heraus.

In der Anfangself stand dafür Rasmus Vinderslev, der somit an Henrik Hansen vorbeigezogen und alleiniger Inhaber des Klubrekords ist. Sein 205. Pflichtspiel war für den Haderslebener allerdings nur ein kurzes Vergnügen, denn bereits Mitte der ersten Halbzeit musste er sich verletzt auswechseln lassen.

„Das ärgert mich. Ich hätte gerne mehr als 20 Minuten gespielt, aber die Leistung der Mannschaft steht im Vordergrund. Der erste Sieg überhaupt auswärts gegen den FCK ist eine Riesensache und ein guter Abschluss einer starken Hinrunde. Das lag irgendwie in der Luft, dass wir die Probleme des FCK nutzen konnten, um hier erstmals zu gewinnen. Vor dieser Kulisse ist es nie einfach, und es macht mich stolz, wie viel Mut wir gezeigt haben“, sagt Rasmus Vinderslev zum „Nordschleswiger“.

Für Vinderslev kam Sefer Emini ins Spiel, der in der laufenden Saison erst sechsmal zum Einsatz gekommen ist, jeweils 45 Minuten oder weniger. Auch er stellte sich in den Dienst der Mannschaft, warf sich aufopferungsvoll in die Schüsse des Gegners und war Teil des Sønderjyske-Kollektivs, das derzeit viele Superliga-Gegner schlecht aussehen lässt.

Rasmus Vinderslev ist mit 205 Einsätzen für Sønderjyske neuer alleiniger Klubrekordhalter – der Kapitän musste aber bereits nach 22 Minuten verletzt raus.

 

FCK – Sønderjyske (0:2) 0:2

0:1 Lirim Qamili (43.), 0:2 Kristall Mani Ingason (45.+2).

FCK: Dominik Kotarski – Junnosuke Suzuki, Gabriel Pereira, Pantelis Hatzidiakos (46.: Birger Meling), Marcos Lopez – Jordan Larsson (69.: Robert Silva), Lukas Lerager (46.: Mads Emil Madsen), Thomas Delaney (62.: Viktor Dadason), Elias Achouri – Youssoufa Moukoko (46.: Viktor Claesson), Andreas Cornelius.

Sønderjyske: Marcus Bundgaard – Simon Wæver (69.: Tobias Klysner), Maxime Soulas, Magnus Jensen, Daniel Gretarsson – Rasmus Vinderslev (22.: Sefer Emini), Andreas Oggesen – Mads Agger (69.: Ebube Duru), Kristall Mani Ingason (69. Mohamed Cherif), Olti Hyseni (81.: Alexander Lyng) – Lirim Qamili.

Gelbe Karten: Thomas Delaney, Andreas Cornelius – Andreas Oggesen, Sefer Emini.

Schiedsrichter: Aydin Uslu. VAR-Schiedsrichter: Jakob Kehlet.

Zuschauer: 19.977.