Kommentar

„Sønderjyske wird zum Trainerfriedhof der Liga“

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Jubel bei Sønderjyske, Ernüchterung bei Vejle nach dem Gretarsson-Tor in der Nachspielzeit.

Schon wieder ist ein Superliga-Trainer nach einer Niederlage gegen Sønderjyske entlassen worden. Zufall? Sønderjyske ist zumindest wieder der unbequeme Gegner geworden, gegen den viele Mannschaften komischerweise unter ihrem Niveau bleiben. Ein Kommentar von Sportredakteur Jens Kragh Iversen.

In der Fußball-Superliga ist wieder einmal ein Trainer entlassen worden. Ivan Prelec musste beim Tabellenschlusslicht Vejle Boldklub seinen Stuhl räumen, einen Tag nach der 1:2-Niederlage gegen Sønderjyske.

Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass eine Enttäuschung gegen Sønderjyske einem Trainer zum Verhängnis wurde. Es ist in jüngster Vergangenheit mehrmals passiert, dass eine Niederlage gegen Sønderjyske das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

Ivan Prelec hatte bereits im September 2024 bei Vejle Boldklub das Handtuch geworfen, unmittelbar nach einer 1:2-Niederlage in der Nachspielzeit gegen Sønderjyske, bevor er zur neuen Saison dann nach Vejle zurückkehrte. Menno van Dam wurde im April 2025 bei AaB nach der 2:3-Niederlage gegen Sønderjyske gefeuert und Frederik Birk musste im August 2025 bei Brøndby IF gehen, nachdem er innerhalb von einer Woche gegen Sønderjyske (0:2) und gegen den FC Midtjylland (1:3) verlor.

Ivan Prelec hat seinen Stuhl in Vejle räumen müssen, zum zweiten Mal nach einer Niederlage in der Nachspielzeit gegen Sønderjyske.

Ist es Zufall, dass ausgerechnet nach Niederlagen gegen Sønderjyske die Reißleine gezogen wird? Gegen einen Gegner, der in der Superliga keinen hohen Stellenwert genießt und immer schnell als Abstiegskandidat Nummer eins oder zwei abgestempelt wird?

Sønderjyske wird als Punktelieferant betrachtet

Die Erwartungshaltung ist jedenfalls die, dass Sønderjyske ein Gegner ist, gegen den man punkten muss, wenn man in der Superliga seine Ziele erreichen will, egal ob oben oder unten in der Tabelle. Und wenn das gegen den vermeintlichen Punktelieferanten nicht klappt, werden die Konsequenzen daraus gezogen.

Sønderjyske ist aber in der laufenden Saison bis auf wenige Ausnahmen kein Gegner, den man einfach aus dem Weg räumt, sondern ist wieder der unbequeme Gegner geworden, der man vor dem zweijährigen Abstecher in der Zweitklassigkeit jahrelang war.

In der Mixed Zone, wo nach den Spielen die Interviews geführt werden, war immer wieder von höher eingeschätzten Gegnern zu hören, dass sie unter ihrem Niveau geblieben wären. 

Die Sønderjyske-Abwehr um Magnus Jensen hat in den vergangenen neun Superliga-Spielen nur sieben Gegentore zugelassen.

Komisch, dass die schlechten Leistungen immer an den Tagen fallen, an denen der Gegner Sønderjyske heißt. Das könnte vielleicht auch mal am Gegner liegen. 

Abstieg für eine Weile kein Thema

Die schlechten Leistungen anderer Mannschaften haben sich in der laufenden Saison offenbar wieder gehäuft, wenn es gegen Sønderjyske geht. Oder liegt es an der Qualität von Sønderjyske? Die Hellblauen haben zumindest ausreichend Qualität an den Tag gelegt, um vorerst nichts mit der Abstiegsfrage zu tun zu haben. 

Der fünfte Tabellenplatz ist mit Sicherheit nur eine Momentaufnahme. In einer wahnsinnig ausgeglichenen Superliga können sich die Dinge schnell ändern, und der Vorsprung auf Tabellenplatz zehn beträgt nur drei Punkte, aber wieso nicht einen Angriff auf die Top 6 starten?

Die ersten vier Top-6-Plätze scheinen vergeben, die letzten zwei nicht. Der FC Nordsjælland ist der Favorit auf den fünften, für den sechsten und letzten Platz kommt Sønderjyske genauso infrage wie Randers, Silkeborg, Viborg und OB. Sønderjyske ist mit diesen Konkurrenten sportlich auf Augenhöhe.

Zuletzt gab es für Sønderjyske viel Grund zur Freude.

Wenig Gegentore

Die Hellblauen haben eine defensive Solidität gefunden und lassen in der laufenden Saison immer weniger Gegentore zu, in den vergangenen neun Spielen waren es nur sieben, es fehlt aber ein wenig mehr Beständigkeit in der Offensive.

Sønderjyske hat vor Weihnachten ein schweres Programm vor der Brust: Drei von vier Gegnern sind Meisterschaftsanwärter, aber ist man nach den Duellen gegen AGF (A), FC Midtjylland (H), Viborg FF (H) und FC København (A) noch im Rennen, warten ab Anfang Februar spannende Wochen. Nach den Spielen gegen FC Nordsjælland (A), Silkeborg IF (H), Brøndby (A) und OB (H) wird entschieden, ob es in die Meisterschafts-Endrunde oder in die Abstiegsrunde geht.

Bleibt zu hoffen, dass die Gegner von Sønderjyske wieder einen schlechten Tag erwischen – wie schon so oft in der Vergangenheit.