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„Sønderjyske: Es riecht schon ein wenig nach Klassenerhalt“

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Jubel bei den Sønderjyske-Kickern nach dem 2:0-Treffer von Ivan Djantou.

Abstiegsfragen sind noch nie im Dezember geklärt worden, aber der 2:0-Erfolg und nicht zuletzt der Auftritt in Lyngby haben den Eindruck verstärkt, dass Sønderjyske nicht zu den zwei schwächsten Mannschaften der Superliga gehört. Ein Kommentar von Sportredakteur Jens Kragh Iversen.

14 Jahre lang gehörte Sønderjyske zum festen Bestandteil der dänischen Superliga, doch nach dem Abstieg 2022 und dem Wiederaufstieg im zweiten Anlauf war die Frage durchaus erlaubt, ob die Qualität für die Superliga reicht?

Der Aufsteiger ist mit einem der drei niedrigsten Budgets in die Superliga-Saison gegangen, vielleicht sogar mit dem niedrigsten. Ein Kampf gegen den Abstieg war vorprogrammiert, doch der Klassenerhalt ist an einem kalten Sonntagnachmittag in Lyngby ein gutes Stück näher gerückt.

Abstiegsfragen sind noch nie im Dezember geklärt worden, aber der 2:0-Erfolg und nicht zuletzt der Auftritt in Lyngby haben den Eindruck verstärkt, dass Sønderjyske nicht zu den zwei schwächsten Mannschaften der Superliga gehört.

Freude bei Sønderjyske nach dem Abpfiff

Der Finger zeigt in dieser Frage eindeutig auf Vejle und Lyngby, die aus Abstiegskandidaten Abstiegsfavoriten geworden sind und sich wesentlich steigern müssen, um Sønderjyske noch abzufangen.

Vier Punkte gegen beide Rivalen

Sechs Punkte sind nach 17 von 32 Spieltagen kein großes Polster, aber für eine Mannschaft wie Lyngby, die aus 17 Anläufen erst einen Dreier erzielen konnte, ist das auch nicht wenig.

Sønderjyske hat gegen beide Abstiegsfavoriten vier Punkte geholt und in diesen Duellen stärker ausgesehen, auch bei den beiden Unentschieden, nicht zuletzt im ersten Saisonheimspiel, als Lyngby ein glückliches 1:1 aus Hadersleben entführte.

Die Hellblauen wirken in der Gesamtbetrachtung solider und gefestigter als die beiden Rivalen im Tabellenkeller, obwohl es noch reichlich Luft nach oben gibt.

Daniel Gretarsson und Sønderjyske haben Lyngby im Abstiegskampf ein Bein gestellt.

Sønderjyske ist in den meisten Spielen wettbewerbsfähig gewesen, hat sich aber zu viele Aussetzer geleistet und zu viele leichte Gegentore kassiert. Die Defensive ist zu oft nicht ligatauglich gewesen, wenn es gegen stärkere Gegner geht.

Fehlende Breite in der Innenverteidigung

Das liegt nicht allein an der Abwehr, aber dennoch muss in der Winterpause für die Hintermannschaft nachgerüstet werden. Bei Ausfällen in der Viererkette musste im Mittelfeld Ersatz geholt werden. Das kann auf Dauer nicht die Lösung sein, auch weil ein Einsatz von beispielsweise Rasmus Vinderslev in der Innenverteidigung zur Folge hat, dass die Dynamik des Kapitäns im Mittelfeld fehlt.

Zum ersten Mal zu Null gespielt hat der Aufsteiger am 17. Spieltag, gegen einen wenig potenten Gegner, der in 17 Spielen lediglich 12 Tore zustande gebracht hat. Das 2:0 in Lyngby war dennoch beeindruckend, wenn auch nicht schön anzusehen.

Weitere Höhepunkte gab es beim 3:2-Sieg gegen den dänischen Meister FC Midtjylland, beim Sieg in der Nachspielzeit gegen Vejle Boldklub (2:1) und beim 2:1-Erfolg in Randers, dem ersten Superliga-Sieg seit mehr als zwei Jahren.

Tiefpunkte waren die Pleiten gegen AGF (0:4), AaB (0:3), FC Nordsjælland (1:4) und Randers FC (1:4), ärgerlich waren aber auch die vergebenen Führungen in den Heimspielen gegen Lyngby (1:1) und Viborg (2:2).

Sønderjyske ist kein typischer Aufsteiger, der sich hinten reinstellt und verteidigt. Dazu ist diese Mannschaft auch gar nicht in der Lage, wie die 1:4-Heimpleite gegen den FC Nordsjælland deutlich zeigte. Die Elf von Thomas Nørgaard hat Ambitionen mit dem Ball und ist als Kollektiv mit nicht wenigen Superliga-Teams auf Augenhöhe, es fehlt aber in einigen Situationen die individuelle Qualität.

EIn Stück weit mehr individuelle Qualität hat Lirim Qamili dem Team gegeben. Der Nationalspieler Nordmazedoniens hat in 14 Spielen 7 Tore und 3 Torvorlagen hingelegt und ist der beste Einkauf des Jahres. Die Frage ist, wie lange er gehalten werden kann? Sønderjyske braucht aber Typen wie Qamili, die aus dem guten Kollektiv herausragen, wenn es ab Mitte Februar in die zweite Saisonhälfte geht.

Lirim Qamili ist für Sønderjyske ein Glücksgriff.

Sønderjyske hat nach dem Jahreswechsel kein leichtes Programm vor der Brust, bevor die Superliga in Meisterschafts- und Abstiegsrunde aufgeteilt wird. Heimspiele gegen AGF, Silkeborg und AaB sowie Auswärtsspiele gegen den FC Nordsjælland und FC København stehen an.

Der Aufsteiger ist noch längst nicht am rettenden Ufer angelangt, hat aber im Kampf um den Klassenerhalt den Grundstein gelegt und den Nachweis vollbracht, dass die Qualität reicht, um nicht zu den zwei schwächsten Mannschaften der Superliga zu gehören.