HFK-Aufstieg 2000

Der Kapitän ging auf dem Höhepunkt von Bord

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Rasmus Hansen, der Kapitän der HFK-Aufstiegsmannschaft von 2000, ist seit 14 Jahren zweiter Vorsitzender vom Haderslev Fodboldklub.

Rasmus Hansen entschied sich bewusst dagegen, den Profi-Weg mitzugehen, und beendete mit 30 Jahren seine Karriere als Fußballer. Die Aufmerksamkeit, die seine berühmte Tochter erfährt, gefällt ihm nicht.

Der 18. Juni 2000 war gleichzeitig der absolute Höhepunkt und der letzte Tag als Fußballer auf hohem Niveau im Leben von Rasmus Hansen. Der Kapitän der damaligen HFK-Mannschaft ging mit dem Aufstieg in die Superliga von Bord.

„Im Laufe der Aufstiegssaison wusste ich, dass bald Schluss ist. Ich war oft verletzt, und wenn ich dann wieder zurückkam, setzte Frank mich auf die Bank. Gleichzeitig stand mein Abteilungsleiter bei Lindab kurz davor, in Rente zu gehen. Ich hätte vielleicht das eine Jahr in der Superliga mitnehmen können, aber dann wäre der Job, den ich wollte, weg gewesen“, sagt Rasmus Hansen zum „Nordschleswiger“.

Fußball allein reicht nicht

Seine Mannschaftskameraden wurden in dieser Zeit zu Halbprofis, doch der Kapitän entschied sich bewusst dagegen, den professionelleren Weg mitzugehen, den der Klub mit Cheftrainer Frank Andersen an der Spitze vorantrieb.

„Frank verdient viel Lob dafür, dass wahnsinnig viel getan wurde, um alles professioneller zu gestalten. Ich bin aber eher ein Anhänger des schwedischen Modells und habe es geliebt, nebenher einer Arbeit nachzugehen. Ich glaube, ich hatte Angst davor, nichts anderes als Fußball in meinem Leben zu haben. Da würde ich mich nicht wohlfühlen“, meint der 55-Jährige.

Das Rampenlicht und die Aufmerksamkeit waren für ihn nicht die Gründe fürs Fußballspielen.

„Gravene“ in Hadersleben bildete den Rahmen für die Aufstiegsfeierlichkeiten.

„Natürlich war die Aufmerksamkeit groß, als wir damals aufstiegen, aber richtig bekannt sind wir ja nie geworden. Ich werde häufig als Kapitän der ersten Superliga-Mannschaft vorgestellt, aber da sorge ich immer gleich für miese Stimmung und berichtige, dass ich nie Superliga gespielt habe. Und wenn man Rasmus Hansen und Fußball googelt, dann kommt ein anderer Rasmus Hansen hervor, der später für Sønderjyske spielte. Ich glaube, ich stehe bei Wikipedia nur als Vater meiner Kinder“, sagt Rasmus Hansen.

Erfolgreiche Kinder

Sohn Mads Hansen (24) hat sieben Superliga-Spiele für Sønderjyske absolviert und ist vor wenigen Tagen mit Middelfart in die 1. Division aufgestiegen und Tochter Julie Kathrine Hansen (21) ist eine erfolgreiche Popmusikerin, besser bekannt als Mumle, die mit „Det Modsatte“ einen riesigen Radiohit hatte.

„Wenn ich sehe, welche Aufmerksamkeit meine Tochter erfährt, damit würde ich nur schwer leben können. Alle wollen was von ihr. In dieser Rolle würde ich mich nicht wohlfühlen“, sagt der ehemalige Mittelfeldspieler.

Gemischte Gefühle hatte er auch am Tag des Superliga-Aufstiegs, denn nach überstandener Verletzung war er nur für einen Platz auf der Ersatzbank vorgesehen.

„Ich war zum ersten Mal von Frank enttäuscht. Das hätte mein Höhepunkt werden sollen und kein Abgang durch die Hintertür. Ich bin nicht nachtragend, fand es aber ein wenig unwürdig nach langer Vereinstreue. Ich wusste, dass ich mich schwertun würde, die Aufstiegsrede im ‚Kafka‘ zu halten“, so Rasmus Hansen, der aber dann doch jubeln durfte: „Das Spiel, die Feier, die Fahrt auf dem offenen Lkw und die Feierlichkeiten – das war der komplette Wahnsinn, das Größte, was ich erlebt habe.“

Rasmus Hansen ist seit 14 Jahren zweiter Vorsitzender des HFK und trainiert hier auch eine Gruppe von Menschen mit besonderen Bedürfnissen.

Der Kapitän war in der Aufstiegsmannschaft eine der wenigen „Ausländer“, wie er mit einem Schmunzeln sagt. Er war 1990 aus Næstved nach Hadersleben gekommen, um bei „Civilforsvaret“ (CF) seinen Wehrdienst zu leisten.

Abfuhr bei Poul Hansen

„Ich spielte in Næstved, war Kapitän der zweiten Mannschaft und im Kader der Erstdivisionäre, wusste aber, dass ich hier nicht zum Zuge kommen würde. Ich habe mich umgesehen, wo ich am besten CF und Fußball kombinieren konnte. Ich habe gesehen, dass Haderslev FK an der Spitze der Dänemarkserie steht, und mir gedacht, das passt. Ich habe Poul Hansen angerufen, und er hat mir einfach die Nummer von Stig Riisberg gegeben, der Trainer der zweiten Mannschaft war“, lacht Rasmus Hansen: „Ich habe gelernt, dass man in Sønderjylland zeigen muss, dass man gut genug ist, nicht nur reden. Aber nach einem Jahr in der zweiten Mannschaft kam Poul Hansen dann auch nicht mehr um mich herum.“

Mit lauter Jungs aus Hadersleben und Umgebung ging es für den HFK ein Jahrzehnt lang fast nur nach oben.

„Die Reise an sich ist ja der eigentliche Höhepunkt. Es waren so viele lokale Jungs, die diese Reise mitgemacht haben, und das hat alles so besonders gemacht. Die meisten leben noch hier und werden fast vollzählig bei der Jubiläumsveranstaltung anwesend sein“, so der ehemalige Kapitän, der seinem ehemaligen Trainer einen großen Anteil zuschreibt, dass der Schritt in die höchste Spielklasse geschafft wurde.

Rasmus Hansen (hinten, 2.v.l) feiert mit dem HFK den Aufstieg.

„Frank konnte vieles gut, war aber formidabel, wenn er vor Sponsoren trat und erklärte, was für den Erfolg erforderlich ist. Ich habe auch seinen Fußball gemocht, der nicht zu kompliziert war. Das war vielleicht unser Schlüssel zum Erfolg“, meint Rasmus Hansen, der auf dem Höhepunkt seine Fußballer-Karriere beendete. Ihm blieb somit der Superliga-Rekord von nur elf Punkten in der darauffolgenden Saison erspart.

Ehrenamtliche Tätigkeit beim HFK

„Mit mir in der Mannschaft hätten wir mehr Punkte gesammelt“, sagt er mit einem Lächeln.

Statt Rampenlicht in der Superliga übernahm der ehemalige Kapitän gemeinsam mit Mads Hoeg die Trainerrolle in der zweiten Mannschaft. Er trainiert weiterhin eine HFK-Mannschaft, eine Gruppe von Menschen mit besonderen Bedürfnissen, ist seit 14 Jahren zweiter Vorsitzender des HFK und seit 1998 bei Lindab beschäftigt. Die Rolle abseits des Rampenlichts gefällt ihm gut.

„Jetzt bin ich lediglich als Vater von Mumle bekannt“, lacht Rasmus Hansen.